Justiz

Ausweitung der DNA-Analyse gefordert

Baden-Württemberg und Bayern wollen die DNA-Analyse ausweiten. Bei der Justizministerkonferenz fordern sie, bei Verbrechen auch die biogeografische Herkunft auszuwerten.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Neue Herausforderungen für die Kriminaltechnik in Bayerns

Der genetische Fingerabdruck hat in der Vergangenheit die Gerichtsmedizin und damit die Wahrheitsfindung vor Gericht revolutioniert: Tausende Verbrechen konnten weltweit seit der Einführung der DNA-Analyse in den 1990er Jahren aufgeklärt werden. Die Justizminister von Bayern und Baden-Württemberg fordern deshalb, die Einsatzmöglichkeiten für DNA-Technologie zu erweitern.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass wir unseren Ermittlern Instrumente vorenthalten, von denen in anderen europäischen Ländern längst Gebrauch gemacht wird.
Georg Eisenreich, Justizminister Bayerns

Bayerns Justizminister Georg Eisenreich sagte: „Dank des technischen Fortschritts können Täter auch nach Jahrzehnten ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Mit der modernen DNA-Analyse lassen sich nicht nur äußerliche Merkmale wie Augen- oder Haarfarbe ermitteln. Inzwischen ist auch aufklärbar, aus welcher Weltregion der Täter stammt. Dieses Verfahren ist in Deutschland bislang – anders als in anderen Ländern wie Österreich, den Niederlanden oder der Schweiz – verboten. Die Feststellung der biogeografischen Herkunft ist in vielen anderen Ländern längst gängige Praxis.“

Die DNA-Untersuchung auf die biogeografische Herkunft grenzt den Kreis der Tatverdächtigen ein und entlastet Unbescholtene.
Marion Gentges, Justizministerin Baden-Württembergs

Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges ergänzte: „In den Niederlanden etwa ist die Bestimmung der biogeografischen Herkunft in der DNA-Analyse schon seit 2003 erlaubt. Bei bisher ungeklärten Mordfällen wurde sie schon vielfach mit Erfolg eingesetzt. So konnte der Täterkreis durch die DNA-Analyse in einem ersten Schritt eingegrenzt werden. Die nachfolgenden freiwilligen Massengentests konnten passgenauer auf die in Betracht kommende Personengruppe ausgerichtet und der Täter letztlich identifiziert und später verurteilt werden.“

Gemeinsamer Antrag zur Justizministerkonferenz

Bayern und Baden-Württemberg bringen dazu einen Antrag bei der 96. Justizministerkonferenz vom 4. bis 6. Juni 2025 in Bad Schandau (Sachsen) ein.

Der Antrag zielt darauf ab, die Analysemöglichkeiten in Bezug auf Spurenmaterial unbekannter Herkunft auf das Merkmal der biogeografischen Herkunft zu erweitern. Während Forensiker sich mit Nachdruck für eine solche Ausweitung einsetzen, hat der Bundesgesetzgeber bislang von dieser Möglichkeit abgesehen. „Hier geht es nicht darum, jemanden anhand seiner Nationalität, seiner ethnischen Herkunft oder seiner Religion unter Verdacht zu stellen. Es geht darum, den Kreis möglicher Tatverdächtiger bei schwersten Verbrechen an Hand möglichst vieler Indizien so weit einzugrenzen, dass zielgerichtete Ermittlungsmaßnahmen möglich sind. Dadurch werden zugleich Unverdächtige schneller ausgeschlossen. Die Nutzung moderner Analysemöglichkeiten ist daher ein klarer rechtsstaatlicher Gewinn“, so Staatsminister Eisenreich. 

Baden-Württembergs Justizministerin Gentges sagte: „Unsere Ermittler brauchen gerade zur Aufklärung schwerer Verbrechen alle zur Verfügung stehenden Instrumente. Die DNA-Untersuchung auf die biogeografische Herkunft hilft dabei, ein möglichst vollständiges Bild vom noch unbekannten Täter zu erlangen. Sie führt nicht direkt zur Identifizierung einer Person mit einer bestimmbaren Wahrscheinlichkeit. Sondern sie lenkt die Ermittlungen noch stärker in Richtung des Täters und nimmt unbescholtene Bürger aus dem Visier der Ermittlungsbehörden. Wie die Erfahrungen aus dem europäischen Ausland zeigen, sind die vagen Sorgen vor einer möglicherweise missbräuchlichen Nutzung dieser Methode unbegründet.“

Rechtliche Voraussetzungen müssen angepasst werden

Eine breitere Rechtsgrundlage für den Einsatz der DNA-Analyse wurde bereits in den Koalitionsverhandlungen diskutiert. Bayerns Justizminister Eisenreich sagte dazu: „Kriminaltechnik entwickelt sich ständig weiter. Deshalb müssen wir die neuen technischen Möglichkeiten bei schwersten Verbrechen zur Aufklärung nutzen.“ 

Baden-Württembergs Justizministerin Gentges meinte: „Das Merkmal der biogeografischen Herkunft eines unbekannten Spurenverursachers verbessert die Zuverlässigkeit der DNA-Untersuchung insgesamt. Effektive Strafverfolgung muss mit der Zeit gehen und neue wissenschaftlich anerkannte und erfolgversprechende Methoden zur Aufklärung schwerer Verbrechen aufgreifen.“

Die Minister sind sich einig: „Wir fordern die Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz deshalb auf, die rechtlichen Voraussetzungen für den erweiterten Einsatz der DNA-Analyse zu schaffen.“

Weitere Meldungen

Justizminister Moritz Oppelt (rechts) auf der Justizministerkonferenz
Justiz

Reform der Politikerbeleidigung gefordert

von links nach rechts: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Georg Kräusslich, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Prof. Dr. Irena Kogan, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung; Prof. Dr. Largus Angenent, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen; Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Prof. Dr. Robert Zeiser, Medizinische Fakultät der Universität Freiburg
Forschung

Landesforschungspreise 2026 in Stuttgart verliehen

Landgericht Ulm
Justiz

Richterin aus Baden-Württemberg zur Bundesrichterin gewählt

Innenminister Manuel Hagel (Mitte) besucht das Reutlinger Umspannwerk, in dem es in der Nacht gebrannt hatte.
Stromausfall

Ermittlungen nach Brand in Reutlinger Umspannwerk

Ministerpräsident Cem Özdemir spricht während des BMDS-Akademiegesprächs „Staatsmodernisierung mit Wirkung“.
Staatsmodernisierung

Schulterschluss für weniger Bürokratie

Ein selbstfahrendes Auto des Forschungszentrumes Informatik fährt während der Eröffnung des "Testfelds Autonomes Fahren" in Karlsruhe mit zwei Entwicklern autonom im Straßenverkehr. (Foto: © dpa)
Autonomes Fahren

Land gestaltet Europas Testfelder für autonomes Fahren mit

Bevölkerungsschutztag 2026
Bevölkerungsschutz

Land richtet bundesweiten Bevölkerungsschutztag aus

Straßenbaustelle an der B31 im Schwarzwald (Bild: © dpa).
Verkehr

Bundesstraße 29 zwischen Urbach und Lorch saniert

Eine Frau arbeitet von zu Hause aus. (Bild: dpa)
Unternehmensgründungen

Pilotprojekt „Schneller Gründen“ gestartet

Abgebildet ist das Logo zum Förderprogramm "Inklusionstaler". In einem Kreis finden sich viele kleine Punkte in allen Farben. Auf halber Höhe steht rechts der Schriftzug "Inklusionstaler" in weiß auf blauem Grund.
Menschen mit Behinderung

Land fördert Teilhabe von Menschen mit Behinderungen

Blick auf die Burg Hohenzollern.
Heimatforschung

Landespreis für Heimat­forschung 2027 ausgeschrieben

Logo von Start up BW
Start-up BW

OSORA medical im Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch“

von links nach rechts: Präsidentin des Landesjustizprüfungsamts Sintje Leßner, Lukas Wörner, Dr. Fabian Haller, Paul Schwarz, stellvertretende Leiterin des Landesjustizprüfungsamtes Dr. Cornelia Iffland
Justiz

Examensfeier 2026 zum Zweiten juristischen Staatsexamen

Ein Neubaugebiet von Weissach
Grundsteuer

Baden-württembergisches Grundsteuermodell bestätigt

Von links nach rechts: Staatssekretär im Ministerium der Justiz und für Migration Siegfried Lorek, Minister der Justiz und für Migration Moritz Oppelt, Ministerialdirektorin Gerda Windey
Justiz

Gerda Windey ist neue Ministerialdirektorin