Integration

Internationale Mediziner besser beruflich integrieren

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Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha
Weit über 100 Tagungsteilnehmende waren ins Heidelberger Rathaus gekommen.
Von links: Manne Lucha, Dörthe Domzig, Elvira Stegnos, Maja Rentrop-Klewitz und Wolfgang Erichson

Mehr als 100 Teilnehmer haben sich zur ersten Fachtagung „Medigration“ in Heidelberg getroffen. Im Rathaus dreht sich alles um die Entwicklung tragfähiger Konzepte zur besseren beruflichen Integration internationaler Mediziner.

Zur ersten Fachtagung „Medigration: Berufliche Integration von internationalen Ärztinnen und Ärzten“ trafen sich am 13. Oktober 2017 weit über 100 Teilnehmer im Heidelberger Rathaus, darunter auch Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. Organisiert wurde die Tagung von der Freiburg International Academy (FIA) in Kooperation mit der Stadt Heidelberg und dem IQ Netzwerk (Integration durch Qualifizierung) Baden-Württemberg. Hauptziele der Tagung waren Austausch und Vernetzung unterschiedlicher Akteure sowie die Entwicklung tragfähiger Konzepte zur besseren beruflichen Integration internationaler Mediziner in Deutschland.

Laut Statistik der Bundesärztekammer waren 2016 rund 46.700 ausländische Ärztinnen und Ärzte in Deutschland tätig. Um künftig weiterhin eine flächendeckende Patientenversorgung zu gewährleisten, ist unser Gesundheitssystem dringend auf die Zuwanderung medizinischer Fachkräfte angewiesen. Das bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Der Ärztliche Projektleiter der FIA, Nabeel Farhan, brachte die Thematik des Fachtages auf den Punkt: „Berufliche Integration von internationalen Ärztinnen und Ärzten endet nicht mit dem Abschluss von Qualifizierungsmaßnahmen der FIA, sondern sie beginnt mit dem ersten Arbeitstag in der Klinik!“ Am Vormittag beschäftigten sich rund 50 Fachleute in Workshops mit den Bedürfnissen der Mediziner im Integrationsprozess sowie mit den Erwartungen von Seiten der Lehrenden, Arbeitgeber und Kollegen.

„Ich bin vor allen Dingen Ärztin“

Deutlich wurde, dass die Ärztinnen und Ärzte aus zwölf verschiedenen Ländern bereits eine sehr klare Vorstellung von dem hatten, was sie zur besseren Integration benötigen. Am wichtigsten wäre eine Einarbeitungszeit von mindestens sechs Monaten. Diese sollte ein Mentoring-Programm sowie strukturierte, berufsbegleitende Fortbildungsmaßnahmen umfassen. Ein weiteres, nachdrückliches Anliegen war die bundesweite Vernetzung ausländischer Ärzte, um Unterstützung von anderen zu erhalten, die den Weg der Integration in Deutschland bereits erfolgreich gegangen sind.

In Bezug auf die Erfolgskriterien hatten die Kollegen sehr unterschiedliche Meinungen. Auf breite Zustimmung stieß jedoch die Aussage einer Medizinerin: „Erfolg ist, wenn mich alle als vollwertige Ärztin betrachten und nicht mehr nur als ausländische Ärztin. Denn ich bin vor allen Dingen Ärztin und erst an zweiter Stelle Ausländerin.“

Auf Arbeitgeberseite liegt die Haupterwartung in Autonomie und rascher Einsatzfähigkeit der Ärzte in der Klinik. Die anwesenden ehemaligen Klinikleiter und Professoren waren sich einig, dass die Sprachkenntnisse das absolut Grundlegende sind für eine funktionierende Integration. Professor Manfred V. Singer fasste die Sicht der Klinikleitungen äußerst positiv zusammen: „Viele von Ihnen werden die deutsche Medizin sehr gut bereichern.“

Tagung gibt Raum zum Austausch auf Augenhöhe

Zur Präsentation der Workshop-Ergebnisse fanden sich am Nachmittag weit über 100 Gäste und Teilnehmende im Rathaussaal ein. Heidelbergs Bürgermeister für Umwelt, Bürgerdienste und Integration, Wolfgang Erichson, meinte: „Unser Ziel ist es, den Menschen zu helfen, ihre Qualifikation möglichst schnell gewinnbringend einzusetzen.“ Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha bezeichnete die Stadt Heidelberg als einen Leuchtturm in ihrer Anstrengung, Vielfalt zu leben und zu integrieren. Erfreut über die gelungene Vernetzung aller Partner zeigte sich Elvira Stegnos, Leiterin des IQ Landesnetzwerks Baden-Württemberg. Sie sagte: „Ich wünsche mir, dass wir die Möglichkeit haben, zukünftig mit den Ergebnissen der Workshops zu arbeiten.“

Aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung reiste Maja Rentrop-Klewitz vom Referat „Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse“ an. Sie bemerkte, dass zum Teil recht divergierende Erwartungen von internationalen Medizinern und Kliniken aufeinanderträfen und fügte hinzu: „Die Tagung Medigration gibt Raum zum Austausch auf Augenhöhe.“

Genau diesen Austausch suchte Rentrop-Klewitz auch selbst. So fanden beispielsweise der Arzt Vicente Severini und seine Kollegin aus Kolumbien Gelegenheit, sich in der Pause ausführlich mit ihr zu unterhalten. Rentrop-Klewitz konnte durch dieses Gespräch wertvolle, neue Perspektiven gewinnen.

Im Anschluss daran sagte Severini: „Die Leute in den Ministerien bekommen zu wenig von den Schwierigkeiten mit, die sich für uns bei der Berufsanerkennung und Integration ergeben. Die Informationen dringen meistens nicht bis nach oben.“ Severini hat in Kolumbien bereits ärztliche Erfahrungen in der Chirurgie und der Inneren Medizin gesammelt. An der FIA bereitet er sich auf die Kenntnisprüfung vor, konnte jedoch zwischenzeitlich mit vorläufiger Berufserlaubnis vier Monate am Klinikum Stuttgart arbeiten. Die Fachtagung gefiel ihm ausgezeichnet und er freute sich vor allem darüber, dass auf diese Weise Barrieren durchbrochen wurden.

Sprachliche, fachliche und kulturelle Barrieren überwinden

Auch Dina Salem aus Kairo fand, dass die Tagung ein sehr wichtiger und positiver Schritt sei, von dem sie viel profitiert habe. „Bis heute saß ich nur in meinem Zimmer vor den Büchern und habe studiert. Jetzt weiß ich, dass es gut wäre, die Wartezeit mit einer Hospitation zu überbrücken.“ Es sei wichtig, das medizinische System nicht nur von außen erklärt zu bekommen, sondern auch von innen kennen zu lernen.

Salem hatte nach ihrer Facharzt-Anerkennung in Kairo ein Angebot für ein Aufbaustudium an der Pennsylvania Universität mit Arbeitsmöglichkeit am Children’s Hospital of Philadelphia. Doch sie wollte stattdessen unbedingt nach Deutschland. Nachdem sie die Sprache von Grund auf lernen musste, spricht sie mittlerweile fließend Deutsch und bereitet sich nun auf ihre Kenntnisprüfung vor. Ihr Fazit der Tagung war: „Ich hatte heute das Gefühl, dass wir nicht alleine dastehen, sondern dass wir unterstützt werden und tatsächlich willkommen sind.“

Die FIA bietet speziell entwickelte Schulungsprogramme für internationale, medizinische Fachkräfte an und unterstützt sie bei der Überwindung sprachlicher, fachlicher und kultureller Barrieren.

Freiburg International Academy

Stadt Heidelberg

Integration durch Qualifizierung Baden-Württemberg

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von links nach rechts: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Georg Kräusslich, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Prof. Dr. Irena Kogan, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung; Prof. Dr. Largus Angenent, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen; Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Prof. Dr. Robert Zeiser, Medizinische Fakultät der Universität Freiburg
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