Gesundheit

Kliniken sichern, Versorgung stärken, Lasten fair verteilen

Die Landesregierung fordert vom Bund deutliche Nachbesserungen an dem Gesetzentwurf zur geplanten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Flur im Krankenhaus mit Personal und Betten
Symbolbild

Nach den Beratungen von Bundestag und Bundesrat zur geplanten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung fordert die Landesregierung vom Bund deutliche Nachbesserungen an dem Gesetzentwurf. Ministerpräsident Cem Özdemir und Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand warnten nach der Sitzung des Ministerrats am 16. Juni 2026 vor einseitigen Belastungen zulasten der Versicherten, der Beschäftigten im Gesundheitswesen, der Krankenhäuser und der Pharmabranche in Baden-Württemberg durch das sogenannte GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.

Eine gute und verlässliche Gesundheitsversorgung ist Teil unseres Staatsauftrags. Deshalb braucht es eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung, die gute und sichere Strukturen schafft. Dabei müssen wirtschaftliche Vernunft, soziale Gerechtigkeit und Versorgungssicherheit zusammen gedacht werden.
Ministerpräsident Cem Özdemir

Ministerpräsident Cem Özdemir sagte: „Eine gute und verlässliche Gesundheitsversorgung ist Teil unseres Staatsauftrags. Deshalb braucht es eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung, die gute und sichere Strukturen schafft. Dabei müssen wirtschaftliche Vernunft, soziale Gerechtigkeit und Versorgungssicherheit zusammen gedacht werden. Damit schaffen wir Vertrauen in unseren demokratischen Staat und stärken gleichzeitig die Wirtschaft.“ 

Minister Hildenbrand ergänzte: „Es ist dringend notwendig, dass die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden. Aber der vorliegende Gesetzentwurf der Bundesregierung ist in zentralen Punkten leider unausgewogen. Er geht einseitig zulasten der Beitragszahlenden sowie der Leistungserbringenden und lässt den Bund weitgehend außen vor. Die breite öffentliche Diskussion und der große parteiübergreifende Unmut zeigen, wie groß der Handlungsdruck ist. Reformen im Gesundheitswesen müssen solidarisch ausgestaltet sein. Die Lasten müssen fair verteilt werden.“

Krankenhäuser: Warnung vor Verschärfung der Lage

Hildenbrand verwies besonders auf die angespannte Lage der Krankenhäuser im Land: „Auch in Baden-Württemberg befinden sich versorgungsrelevante Krankenhäuser in einer ökonomisch sehr schwierigen Situation. Der Druck auf diese wichtigen Versorger nimmt durch den vorliegenden Gesetzentwurf weiter zu.“ Hildenbrand warnte vor gravierenden Folgen für die Krankenhausversorgung im Land: „Die vorgesehenen Sparmaßnahmen drohen die ohnehin angespannte finanzielle Lage vieler Krankenhäuser weiter zu verschärfen. Eine qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Versorgung wird dadurch akut gefährdet, weitere Insolvenzen könnten drohen. Wir haben eine der effizientesten Krankenhauslandschaften Deutschlands – dafür sollten wir belohnt, nicht bestraft werden. Es darf unter keinen Umständen zu einem unkontrollierten Kliniksterben kommen.“ Das Land Baden-Württemberg fordere daher unter anderem die Beibehaltung der Meistbegünstigungsklausel, keine Deckelung des Pflegebudgets, keinen weiteren Bürokratieaufbau wie zum Beispiel durch die vorgesehene Ausweitung der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst sowie eine vollständige Refinanzierung steigender Pflegepersonalkosten.

Kritik an zu geringem Bundeszuschuss für versicherungsfremde Leistungen

Kritisch sieht Baden-Württemberg insbesondere, dass der Bund die versicherungsfremden Leistungen weiterhin nicht ausreichend gegenfinanziert. „Seit Jahren werden die Kosten für die gesundheitliche Versorgung von Grundsicherungsbeziehenden nur zu rund einem Drittel vom Bund ausgeglichen“, so der Minister. Den Krankenkassen fehlten dadurch jährlich rund zwölf Milliarden Euro. „Das ist systemwidrig – gesamtgesellschaftliche Aufgaben müssen aus Steuermitteln finanziert werden und dürfen nicht einseitig den Beitragszahlenden aufgebürdet werden.“ Hildenbrand verwies in diesem Zusammenhang auf die geplante Kürzung des Bundeszuschusses um weitere zwei Milliarden Euro: „Dass der Bund den Zuschuss für versicherungsfremde Leistungen kürzen will, ist inakzeptabel. Hier wird zur Haushaltskonsolidierung in die Kassen der Versicherten gegriffen. Das ist unsolidarisch und schadet auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Verlässliche Rahmenbedingungen für den Pharmastandort

Darüber hinaus setzt sich das Land für praxisnahe Regelungen im Pharmabereich ein. Ministerpräsident Özdemir: „Die notwendige Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung muss mit den Zielen einer starken Forschungs- und Produktionsbasis, resilienter Lieferketten sowie einer sicheren Arzneimittelversorgung in Einklang stehen.“ Baden-Württemberg habe sich im Bundesrat daher für praxisnahe Regelungen für den Pharmastandort Baden-Württemberg eingesetzt, die Verlässlichkeit bieten, sowie die bestehende Wertschöpfung und das Standortengagement der innovativen Unternehmen berücksichtigen, um Zukunftsinvestitionen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. „Uns ist die sichere Versorgung mit Medikamenten ein wichtiges Thema. Eine resiliente Arzneimittelversorgung ist nur mit einer Produktion in Deutschland bzw. Baden-Württemberg möglich. Dazu braucht es entsprechende Voraussetzungen. Innovationen können nur dort entstehen, wo die Rahmenbedingungen stimmen“, so der Ministerpräsident.

Weitere Meldungen

von links nach rechts: Prof. Peter Middendorf (Rektor der Universität Stuttgart), Ministerpräsident Cem Özdemir, Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Prof. Jan Hesthaven (Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT))
Sicherheit

Innovationen für Sicherheit, Verteidigung und Resilienz

Vier Jugendliche sitzen auf einer Freitreppe und betrachten etwas auf dem Smartphone
Bürgerbeteiligung

Neuer Jugendberaterkreis gestartet

Start-up WOW Challenge
Start-up BW

BLACKPIN.IOT im Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch“

Erzieherin und Kind beim Lesen
Literatur

Frederick Tag 2026 gestartet

Vordere Reihe (von links nach rechts): Julia Hellmann, Minister der Justiz und für Migration Moritz Oppelt und Petra Klein  Hintere Reihe (von links nach rechts): Dr. Sarah Straub, Michael Kühn, Anne Stöhr, Panajotis Neuert und Claudia Österle
Justiz

Tag der ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer 2026

Gesundes Essen bei der Zubereitung.
Ernährung

Impulse für eine gelungene Seniorenverpflegung

Ministerin Theresa Schopper (rechts) spricht zur Eröffnung der Netzwerkkonferenz Baukultur
Baukultur

Netzwerkkonferenz Baukultur 2026

Junge Menschen steigen aus einem Zug am Bahnsteig aus.
Mobilität

Mobilstationen machen Verkehrsangebote sichtbarer

Euro-Banknoten und -Münzen
Haushalt

Haushaltsentwurf für 2027 verabschiedet

Key Visual Wirtschaftsgipfel Afrika
Außenwirtschaft

Fünfter Wirtschaftsgipfel Afrika in Stuttgart

Logo er Frauenwirtschaftstage 2026
Gleichstellung

22. Frauenwirtschaftstage eröffnet

Ehemalige Chapel auf dem Hospitalgelände in Heidelberg
Städtebau

Land fördert 45 Kommunen mit rund 16,6 Millionen Euro

Symbolbild zur Künstlichen Intelligenz mit einem Prozessor und dem Schriftzug "AI Artificial Intelligence Technology"
Hochschulen

Technologische Souveränität bei Künstlicher Intelligenz stärken

GAP 2026
Landwirtschaft

Internationaler Agrarkongress in Stuttgart

Skulpturen von Homer (links) und Aristoteles stehen vor dem Haupteingang des Kollegiengebäude I (KG1) der Universität Freiburg während Menschen dazwischen hindurchgehen.
Forschung

Universität Freiburg erhält Exzellenztitel