In drei Kategorien wurden Lehrerinnen und Lehrer aus Baden-Württemberg mit dem Deutschen Lehrkräftepreis 2025 ausgezeichnet.
Den Preis „Ausgezeichnete Lehrkraft“ erhielten besonders engagierte Lehrkräfte, die von Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen nominiert wurden. Steffen Haschler vom privaten Gymnasium Englisches Institut in Heidelberg wurde als einer von zehn Lehrkräften in dieser Kategorie geehrt.
In der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ des deutschen Lehrkräftepreises wurde Roswitha Malewski, Schulleiterin der Ravensburger Grundschule Kuppelnau, mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.
Für das Theaterprojekt „Für die Freiheit! 1525 bis 2025“ zum 500-jährigen Jubiläum des Bauernkrieges hat das Projektteam der Dollinger-Realschule in Biberach den Sonderpreis „Kulturelle Bildung“ in der Kategorie „Unterricht innovativ“ erhalten.
Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hat im Format „3 Fragen 3 Antworten“ mit ihnen gesprochen.
Steffen Haschler vom privaten Gymnasium Englisches Institut in Heidelberg wurde unter anderem für seine innovativen Lernformate, sein Engagement zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien und für seinen Seminarkurs BEAM (Business, Entrepreneurship And Math) ausgezeichnet. In „3 Fragen 3 Antworten“ erklärt er, wie er als kreidefreier Lehrer seine Schülerinnen und Schüler für den Unterricht begeistert.
1. Sie bezeichnen sich als „kreidefreier“ Lehrer. Was bedeutet das konkret?
„Kreidefrei“ ist keine Absage an klassischen Unterricht, sondern eine Haltung. Ich habe mit meinem Einstieg 2008 begonnen, Unterricht digital zu denken: mit Homepage, Laptop, Beamer und selbstgebauten digitalen Whiteboards, um Mathematik und Physik besser visualisieren zu können.
Entscheidend ist aber nie die Technik, sondern das Lernen. Schülerinnen und Schüler leben in einer digitalen Welt. Deshalb nutze ich ihre Werkzeuge – seit 2015 auch Künstliche Intelligenz – als selbstverständlichen Bestandteil im Unterricht.
„Kreidefrei“ bedeutet für mich außerdem weniger Frontalunterricht und mehr Eigenverantwortung. Ich spreche vergleichsweise wenig vor der Klasse und schaffe lieber Lernumgebungen, in denen Schülerinnen und Schüler miteinander arbeiten, sich unterstützen und erst dann zu mir kommen, wenn sie mich wirklich brauchen.
2. Was steckt hinter BEAM und warum begeistert es Schülerinnen und Schüler?
BEAM („Business, Entrepreneurship and Math“) verbindet schulisches Lernen mit realen Herausforderungen. Schülerinnen und Schüler entwickeln in Teams eigene Geschäftsideen, arbeiten mit externen Partnern zusammen und erleben, dass Mathematik, Informatik oder Wirtschaft Werkzeuge zur Gestaltung der Welt sind.
Der entscheidende Punkt ist Verantwortung: Die Jugendlichen treffen echte Entscheidungen, erleben Erfolg und Scheitern und präsentieren ihre Ergebnisse vor realem Publikum.
Damit solche Ideen nicht an einzelnen engagierten Lehrkräften hängen bleiben, habe ich die gemeinnützige sparks4school Foundation gegründet. Unser Ziel ist es, erfolgreiche Unterrichtskonzepte skalierbar zu machen.
3. Was müssen Schülerinnen und Schüler am Ende des Schuljahres über Ihren Unterricht sagen, damit Sie zufrieden sind?
Ich überprüfe meinen Unterricht im Austausch mit den Schülerinnen und Schülern. Entscheidend ist weniger ein abschließendes Urteil am Jahresende als die laufenden Rückmeldungen. Ich gehe da datengestützt vor und verlasse mich nicht zu viel auf mein Gefühl. Zufrieden bin ich, wenn Schülerinnen und Schüler sagen, dass ihnen der Unterricht etwas gebracht hat – entweder unmittelbar oder mit Blick auf ihre Zukunft.
Gerade in einer Zeit mit vielen gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen sehe ich mein Klassenzimmer als stabilen Ort. Ich nehme Sorgen ernst und achte darauf, dass sie Zusammenhänge verstehen und gestärkt aus meinem Unterricht gehen.
Roswitha Malewski, Schulleiterin der Ravensburger Grundschule Kuppelnau, wurde für ihre humorvolle und wertschätzende Art sowie ihr Engagement in der Schulentwicklung durch zahlreiche Initiativen und Impulse für den deutschen Lehrkräftepreis nominiert. In „3 Fragen 3 Antworten“ erzählt Sie von ihrem abwechslungsreichen Arbeitsalltag und wie ihr Lebensmotto die tägliche Arbeit als Schulleitung prägt.
1. Haben Sie ein Lebensmotto und wenn ja, inwiefern spiegelt sich das in Ihrer Arbeit als Schulleitung wider?
Mein Lebensmotto: „Wer etwas will findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe.“ In der Schule bin ich eine Möglichmacherin. Wenn ich sehe, dass eine Kollegin oder ein Kollege für etwas brennt, versuche ich es möglich zu machen. Gute Argumente können mich stets überzeugen. Trotzdem ist es unumgänglich, die Kolleginnen und Kollegen und auch Eltern mitzunehmen. Wichtig ist auch, einzugestehen: Das haben wir mit viel Herzblut versucht, hat vielleicht nicht geklappt, okay, wir versuchen es anders. Nur wer nichts anpackt, macht keine Fehler.
2. Wenn wir Sie und Ihre Schule einen Tag besuchen würden – wo sehen wir, dass hier eine vorbildliche Schulleitung „am Werk ist“?
An einem Tag werden Sie vielleicht sehen, dass ich noch nicht da bin, weil ich morgens ein Kind abhole, das sonst nicht in die Schule kommt. Am nächsten Tag sehen Sie mich vielleicht Papierknödel von der Decke im Klo abpulen, oder den Boden kurz saugen, weil einem Kind der Geburtstagskuchen runtergefallen ist. Danach finden Sie mich im Lehrerzimmer, wie ich einem Kind einen Kühlpack gebe und einem anderen ein Pflaster aufklebe. Dazwischen gebe ich Vertretungsunterricht oder habe einen Jour fixe mit dem Elternbeiratsvorsitzenden und den Vorsitzenden unserer Schulvereine. Kann sein, dass Sie mich im Gespräch mit der Hortleitung, der Schulsozialarbeiterin, dem Hausmeister oder der Sekretärin vorfinden. Sie werden sehen, dass meine Türe immer offen ist, meine Laune meist gut und ich für alles Zeit habe oder mir nehme. Vielleicht ist das vorbildlich? Oder eher ganz normal?
3. Gibt es bestimmte Herausforderungen, vor denen Ihre Schule zurzeit steht? Wenn ja, wie begegnen Sie diesen?
Klar steht unsere Schule vor Herausforderungen. Da ist einmal der geplante Neubau für unsere Grundschule. Wie ist die Aufteilung der Klassenzimmer, welches pädagogische Konzept wollen wir abbilden und wie der Pausenhof gestaltet sein? Zweite Herausforderung: Die Entwicklung von der Halbtagesschule mit Hortbetreuung zur gebundenen Ganztagsschule. Wie nehmen wir Eltern und Kolleginnen und Kollegen auf diesem Weg mit? Wie kann die Zusammenarbeit zwischen den städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Lehrkräften gestärkt werden? Wie gestalten wir die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern? Langweilig wird es wohl nicht werden.
Zahlreiche Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern waren am Theaterprojekt „Für die Freiheit! 1525 bis 2025“ beteiligt. In „3 Fragen 3 Antworten“ erzählen die Preisträger Dieter Maucher und Marcus Pfab aus dem Projektteam der Dollinger-Realschule, was hinter dem groß angelegten Theaterprojekt steckt.
1. Über 170 Menschen waren an Ihrem Theaterprojekt beteiligt – vom Schulchor bis zur Historiengruppe – wie haben Sie es geschafft, so viele Menschen zu begeistern?
Unser Theaterprojekt ist aus der Idee entstanden, das 500-jährige Jubiläum des Bauernkriegs, der sich auch im Einzugsgebiet unserer Schule abspielte, nicht nur historisch zu betrachten, sondern für unsere Schülerinnen und Schüler lebendig und erfahrbar zu machen. Von Beginn an war klar: Das gelingt nur gemeinsam.
An der Dollinger-Realschule Biberach verstehen wir Schule als Lebens- und Erfahrungsraum. Deshalb haben wir bewusst viele Gruppen eingebunden: Klassen aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen, Theater- und Bläserprofilklassen, das Schulorchester, den Schulfanfarenzug, den Schulchor, Lehrkräfte sowie außerschulische Partner. Jede und jeder konnte eigene Stärken einbringen: künstlerisch, organisatorisch, musikalisch, technisch oder historisch forschend.
Aus diesem Miteinander ist auch die große Begeisterung entstanden. Die Schülerinnen und Schüler haben nicht nur Rollen gespielt, sondern historische Quellen erarbeitet, Figuren entwickelt und Bezüge zur Gegenwart hergestellt. So wurde das Projekt zu einem echten Gemeinschaftswerk.
2. Inwiefern hat dieses Projekt Ihr eigenes Verständnis von „Demokratie lernen“ verändert?
Demokratie lernt man nicht allein im Unterrichtsgespräch, sie entsteht im Tun. Genau das durften wir in diesem Projekt erleben. Im Probenprozess, in Diskussionen über historische Deutungen und in kreativen Entscheidungsprozessen wurde Demokratie direkt erfahrbar: Meinungen mussten ausgehandelt, Perspektiven respektiert und gemeinsame Lösungen gefunden werden. Die Schülerinnen und Schüler haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Argumente abzuwägen und ihre Haltung zu reflektieren.
Für uns wurde dadurch noch deutlicher, dass Demokratiebildung kein Zusatz ist, sondern Kern schulischer Arbeit. Wenn junge Menschen Geschichte mit der Gegenwart verknüpfen und erkennen, dass Freiheit und Mitbestimmung nicht selbstverständlich sind, dann entsteht nachhaltiges Lernen.
3. Was bedeutet dieser Preis für Sie – ist er eher ein Schlusspunkt hinter einem großen Projekt oder ein Startsignal für Neues?
Die Auszeichnung ist für uns eine große Ehre und Wertschätzung für das Engagement unserer gesamten Schulgemeinschaft. Sie macht sichtbar, was entstehen kann, wenn Kreativität, fachliches Lernen und Wertebildung zusammenwirken.
Gleichzeitig verstehen wir den Preis nicht als Schlusspunkt, sondern als Ermutigung. Er bestärkt uns, weiterhin mutige Projekte zu starten, kulturelle Bildung zu stärken und Räume zu schaffen, in denen Schülerinnen und Schüler Demokratie erleben können. Der Preis gehört nicht einzelnen Personen, sondern unserer ganzen Schule und er ist für uns ein starkes Signal, diesen Weg mit Freude, Offenheit und Verantwortung weiterzugehen.
















