Bürgerbeteiligung

Beteiligung fördert Integration

Babou Sohna, 43-jähriger Flüchtling aus Gambia, schreibt in Schwäbisch Gmünd beim ersten kommunalen Flüchtlingsdialog zwischen Flüchtlingen und Bürgern Wünsche und Probleme auf weiße Tischdecken (Foto: dpa).

Eine intensive Bürgerbeteiligung trägt zu gelungener Integration geflüchteter Menschen bei. Das zeigt eine Analyse der Kommunalen Flüchtlingsdialoge der Landesregierung. Aus den Flüchtlingsdialogen haben sich inzwischen die Nachbarschaftsgespräche entwickelt, die auch Themen jenseits von Integration behandeln.

Die Universität Hohenheim hat zusammen mit der Bertelsmann Stiftung die kommunale Flüchtlingsdialoge der Landesregierung untersucht. Die Landesregierung entschied im Oktober 2015, auch das Thema Integration partizipativ anzugehen. Im Rahmen des Landesprogramms „Flüchtlingshilfe durch Bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft“ entwickelte sie die „Kommunalen Flüchtlingsdialoge“, um Bürgerbeteiligung zu Fragen der Integration auf kommunaler Ebene zu unterstützen. Das Ergebnis: Eine intensive Bürgerbeteiligung trägt zu einer gelungenen Integration bei.

„Die Kommunalen Flüchtlingsdialoge der Landesregierung haben sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt, das als Vorbild für weitere Verfahren und Formate der Bürgerbeteiligung dienen kann“, freute sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats, in der der Evaluationsbericht vorgestellt wurde.

Bürgerbeteiligung ist guter Weg, komplexe Aufgaben zu lösen

„Dieses erfreuliche Ergebnis bestätigt unsere Ausgangshypothese, dass Beteiligung immer ein guter Weg ist, um gesellschaftlich komplexe Aufgaben anzugehen. Darüber hinaus bringt jede Form der Beteiligung motivierende Wertschätzung für Menschen mit sich, die sich ehrenamtlich engagieren“, betonte Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung.

Wer sich in der Flüchtlingshilfe engagiere, der helfe nicht nur den Geflüchteten, sondern engagiere sich zugleich auch für das friedliche Zusammenleben aller, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. Dass sich so viele der ehrenamtlich Engagierten intensiv an den Kommunalen Flüchtlingsdialogen beteiligt haben, beweise die Stärke Baden-Württembergs als Land des Ehrenamts. „Die Kommunalen Flüchtlingsdialoge haben vor Ort dazu beigetragen, dass die Engagierten mit ihren Ideen, mit ihren Erfahrungen, aber auch mit ihren Problemen wahrgenommen wurden.“

Aus Flüchtlingsdialogen wurden Nachbarschaftsgespräche

„Sowohl die Städte, Gemeinden und Landkreise als Organisatoren als auch die Teilnehmenden selbst haben die Dialoge sehr positiv bewertet“, freute sich Staatsrätin Erler. An greifbaren Ergebnissen sei zudem eine Fülle an Veranstaltungen und Maßnahmen für ein gutes Zusammenleben und die Integration von Geflüchteten geblieben – von der Kontaktbörse für Vereine und Flüchtlinge über den Einsatz von Job-Mentoren bis zu einem internationalen Kinderfest. „Die Kommunalen Flüchtlingsdialoge waren in vielerlei Hinsicht eine wertvolle Erfahrung: In den Kommunen ist etwas Dauerhaftes geblieben. Gleichzeitig haben uns die Erkenntnisse geholfen, das Format auf Basis des Erprobten und Bewährten weiterzuentwickeln“, so die Staatsrätin.

Aus den Flüchtlingsdialogen heraus wurden die „Nachbarschaftsgespräche“ entwickelt, die die Landesregierung im vergangenen Jahr beispielhaft in den Städten Freiburg, Mannheim und Pforzheim mit zufällig ausgewählten Bürgern durchgeführt hat. „Hier wird das Format der Flüchtlingsdialoge weiterentwickelt fortgeführt und alle Fragestellungen des Zusammenlebens einbezogen, die den Bürgerinnen und Bürgern einer Stadt auf der Seele brennen können – inklusive Integration“, erklärte Ministerpräsident Kretschmann. Die Nachbarschaftsgespräche werden nun flächendeckend im Land weitergeführt.

Insgesamt 54 kommunale Flüchtlingsdialoge

Insgesamt sind in 2016 und 2017 in Baden-Württemberg 54 Kommunale Flüchtlingsdialoge durchgeführt worden. Inhaltlich behandelten die Flüchtlingsdialoge insbesondere die Bereiche Wohnen, Arbeit, Sprache, Gemeinschaft und ehrenamtliches Engagement. Interessierte Kommunen konnten Fördermittel für individuelle Beratung und Moderation ihres Flüchtlingsdialogs abrufen und selbst entscheiden, welche Formate sie für vielversprechend hielten, vom World-Café, in welchem Kleingruppenarbeit stattfand, über das Bürgerforum bis zum Frühstücksbus.

Daran haben insgesamt rund 3.400 Menschen teilgenommen, neben ehrenamtlich engagierten Menschen und Flüchtlingen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlreicher Organisationen. Das Programm hatte ein Kostenvolumen von 160.000 Euro. Der Städtetag Baden-Württemberg und die Führungsakademie Baden-Württemberg waren beratend und begleitend an den Kommunalen Flüchtlingsdialogen beteiligt.

Pressemitteilung: Bürgerbeteiligung trägt zur erfolgreichen Integration bei

Broschüre Flüchtlingsdialoge

Flüchtlingsdialoge

Flüchtlingshilfe Baden-Württemberg

Mediathek: Bilder zum Herunterladen

Quelle:

/red
v.l.n.r.: Erzbischof Stephan Burger (Erzdiözese Freiburg), Staatsministerin Theresa Schopper, Landesbischof Dr. Frank Otfried July (Evangelische. Landeskirche Württemberg), Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (Evangelische Landeskirche Baden) und Generalvikar Dr. Clemens Stroppel (Diözese Rottenburg-Stuttgart) (Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg)
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