Gesundheitsschutz

PFOA-Belastung bei Einwohnern im Landkreis Rastatt sinkt weiter

Nach der im Jahr 2013 bekannt gewordenen Trinkwasserverunreinigung im Landkreis Rastatt sind die Konzentrationen der Industriechemikalie Perfluoroctansäure im Blut der Bevölkerung weiter deutlich gesunken.

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Ein Krebsforscher arbeitet in einem Labor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg mit einer Pipette. (Bild: picture alliance/picture alliance / dpa)
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Die Belastung der Bevölkerung mit der Industriechemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) nimmt weiter deutlich ab: Die dritte Blutkontrolluntersuchung nach der Verunreinigung im Landkreis Rastatt durch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS, früher PFC) zeigt einen anhaltenden Rückgang – insbesondere bei Personen, die den Stoff in der Vergangenheit über Trinkwasser aufgenommen hatten.

Nach der im Jahr 2013 bekannt gewordenen PFAS-Belastung des Trinkwassers im Landkreis Rastatt sind die Konzentrationen der Industriechemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) im Blut der Bevölkerung weiter deutlich gesunken. Das zeigt die dritte Blutkontrolluntersuchung des Landesgesundheitsamts (LGA). Besonders ausgeprägt ist der Rückgang bei Personen, die früher über das Trinkwasser betroffen waren: In dieser Gruppe sank die mittlere PFOA-Konzentration im Blutplasma zwischen 2018 und 2023 um rund 52 Prozent – von etwa 15,6 auf 7,5 Mikrogramm pro Liter.

Belastung der Bevölkerung nimmt weiter ab

Gesundheitsminister Manne Lucha erklärte: „Die Ergebnisse unserer dritten Untersuchungsrunde im Landkreis Rastatt zeigen klar: Die Belastung der Bevölkerung geht weiter zurück. Das spricht dafür, dass keine relevante Anreicherung mehr stattfindet und die Maßnahmen der Trinkwasserversorger wirksam waren. Mittel- bis langfristig ist mit einer weiteren Abnahme der PFOA-Belastung zu rechnen.“

Nach einem im Jahr 2013 bekannt gewordenen Schadensfall mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS, früher PFC) im Landkreis Rastatt hat das LGA gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Rastatt seit 2018 Blutkontrolluntersuchungen in festgelegten Untersuchungsgebieten durchgeführt. Nach den Ergebnissen der dritten und letzten geplanten Untersuchungsrunde 2023 (PDF) sind die Blutkonzentrationen von Perfluoroctansäure bei den Studienteilnehmenden weiter deutlich gesunken.

Blutkontrolluntersuchungen im Landkreis Rastatt

Im Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden wurden bis 2008 mit PFAS verunreinigte Komposte auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Dies führte zu einer Verunreinigung der Böden, des Grund- und damit auch des Trinkwassers. Mit weitreichenden Maßnahmen konnten die betroffenen Wasserversorgungsunternehmen die Verunreinigung des Trinkwassers deutlich senken. Ziel der Blutkontrolluntersuchungen war es, genauere Informationen über die Entwicklung der PFAS-Blutkonzentrationen bei Einwohnerinnen und Einwohnern zu gewinnen. Die Blutkontrolluntersuchungen in den Jahren 2018, 2020 und 2023 fanden mit 348, 249 und 266 zufällig ausgewählten Personen aus drei Gebieten im Landkreis Rastatt statt:

  • Gruppe A: exponierte Personen aus Orten, die vor 2014 einer PFAS-Exposition über Trinkwasser ausgesetzt waren.
  • Gruppe B: exponierte Personen aus Orten mit PFAS-Exposition über Verunreinigungen im Boden und Grundwasser, aber ohne Exposition über Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung.
  • Gruppe C: nichtexponierte Personen aus Orten ohne zusätzliche PFAS-Verunreinigung im Landkreis Rastatt.

Wie haben sich die PFOA-Konzentrationen im Blutplasma zwischen 2018 und 2023 verändert?

In Gruppe A (PFAS-Exposition über Trinkwasser) ist die PFOA-Konzentration im Blutplasma zwischen 2018 und 2023 im Median um etwa 52 Prozent von etwa 15,62 Mikrogramm pro Liter (µg/l) auf etwa 7,52 µg/l zurückgegangen. Dieser Rückgang deutet darauf hin, dass keine weitere relevante Anreicherung erfolgt und die Maßnahmen der Wasserversorgungsunternehmen zur PFAS-Reduzierung erfolgreich waren. In Gruppe B (PFAS-Exposition über Verunreinigungen im Boden und Grundwasser) und Gruppe C (Kontrollgruppe ohne zusätzliche PFAS-Verunreinigung im Boden, Trink- oder Grundwasser) lagen die PFOA-Konzentrationen von Anfang an im Median deutlich niedriger als in Gruppe A. In diesen Gruppen nahmen die PFOA-Konzentrationen im Median um etwa zehn Prozent (von 2,45 µg/l auf 2,21 µg/l) beziehungsweise um etwa 35 Prozent (von 1,75 auf 1,13 µg/l) ab.

Die PFOA-Werte lagen im Jahr 2023 in Gruppe A bei circa 38 Prozent der Teilnehmenden über dem HBM-II-Wert (Human-Biomonitoring-II-Wert) (circa 82 Prozent in 2018). In Gruppe C lagen keine gemessenen PFOA-Werte oberhalb des HBM-II-Wertes und in Gruppe B nur eine geringfügige Anzahl darüber.

Weitere Ergebnisse der PFAS-Blutkontrolluntersuchung

Neben PFOA wurden auch andere PFAS wie Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS) oder Perfluorbutansulfonsäure (PFBS) analysiert, die jedoch weniger auffällig waren als die PFOA-Werte. Die Konzentrationen bewegten sich hier meist im niedrigen einstelligen Mikrogrammbereich oder darunter. Während es bei PFOS innerhalb des Untersuchungszeitraums bei allen drei Gruppen nur zu vereinzelten Überschreitungen des HBM-II-Wertes kam, liegen für die anderen untersuchten PFAS bislang keine gesundheitlichen Beurteilungswerte vor.

Im Februar 2020 wurden HBM-II-Werte (Human-Biomonitoring-II-Werte) für PFOA und PFOS veröffentlicht, deren Festlegung sich hauptsächlich auf Ergebnisse von Tierversuchen und epidemiologischen Beobachtungsstudien stützt. Der HBM-II-Wert entspricht der Konzentration eines Stoffes in einem Körpermedium, bei deren Überschreitung nach Einschätzung der Kommission Human-Biomonitoring am Umweltbundesamt eine für die Betroffenen als relevant anzusehende gesundheitliche Beeinträchtigung grundsätzlich möglich ist. Es muss allerdings nicht unbedingt bei solchen Konzentrationen zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kommen. Für die Allgemeinbevölkerung liegen die HBM-II-Werte für PFOA bei zehn µg/l Blutplasma und für PFOS bei 20 µg/l Blutplasma. Für Frauen im gebärfähigen Alter liegen sie für PFOA bei fünf µg/l Blutplasma und für PFOS bei zehn µg/l.

Berichte und FAQ

Die Berichte mit den Ergebnissen der drei Untersuchungsrunden 2018, 2020 und 2023 und Antworten auf häufige Fragen zu den PFAS-Blutkontrolluntersuchungen im Landkreis Rastatt sind beim Landesgesundheitsamt sowie beim Sozialministerium abrufbar.

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