Ländlicher Raum

Neues Projekt stärkt hausärztliche Versorgung im Ländlichen Raum

Der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum zeigt mit dem neuen Projekt „HÄPPI“, wie die hausärztliche Versorgung durch Innovation zukunftsfähig werden kann.

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Ein Hausarzt misst den Blutdruck einer Patientin (Bild: © dpa).
Symbolbild

„Menschen auf dem Land müssen oft lange Wege auf sich nehmen, um medizinische Versorgung zu erhalten. Dieser Zustand droht sich auch aufgrund des demographischen Wandels weiter zu verschärfen. Der Fachkräftemangel im Gesundheitssystem ist im Ländlichen Raum in großen Teilen heute schon deutlicher spürbar als in den urbanen Zentren. Wir müssen uns daher mit innovativen Ansätzen befassen, die eine optimale Nutzung und Weiterentwicklung der vorhandenen Kapazitäten in der hausärztlichen Versorgung ermöglichen. Mit der Unterstützung des Konzepts ‚Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell‘ (HÄPPI) geht der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum genau diesen innovativen Weg und trägt dazu bei, Antworten auf eine der zentralen Fragen für die Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raums zu geben. Konkret haben wir im Rahmen des HÄPPI-Projekts in zehn Hausarztpraxen ein neues, zukunftsfähiges hausärztliches Versorgungsmodell erprobt und einen Leitfaden entwickelt, um interessierten Hausärztinnen und Hausärzten eine Handreichung mit auf den Weg zu geben. Mit Delegation und Digitalisierung schaffen sich Hausärztinnen und Hausärzte Freiräume, um sich der steigenden Patientenzahl zu stellen und sich komplexen Fällen widmen zu können.

Wegweisendes Versorgungsmodell

In den Pilot-Praxen konnten wir so auch Hausbesuche ermöglichen, die insbesondere für hochbetagte und pflegebedürftige Menschen im Ländlichen Raum einen unverzichtbaren Bestandteil der ärztlichen Versorgung darstellen. Dass die Ergebnisse dieses wegweisenden Versorgungsmodells im Rahmen des Hausärztinnen- und Hausärztetages präsentiert werden, unterstreicht sowohl die hohe Relevanz als auch den Erfolg des Projekts in der Praxis“, sagte der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk anlässlich der Abschlussveranstaltung HÄPPI im Rahmen des 23. Baden-Württembergischen Hausärztinnen- und Hausärztetages in Stuttgart.

„In unserer älter werdenden Gesellschaft steigt der Bedarf für medizinische Versorgung, denn die Zahl der chronisch und mehrfach Erkrankten nimmt zu. Ansätze wie HÄPPI, bei denen Ärztinnen und Ärzte auf Augenhöhe mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten, können Wartezeiten vermindern und durch eine stärkere Steuerung der Behandlung das Nebeneinander von Unter-, Fehl-, und Überversorgung abbauen. So wird auch die Qualität der Versorgung verbessert. Für Ärztinnen und Ärzte und die anderen Gesundheitsberufe ergeben sich Vorteile durch die Arbeit im Team und es werden gleichzeitig attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen“, ergänzte Gesundheitsminister Manne Lucha.

HÄPPI-Projekt

HÄPPI ist ein herausragendes Beispiel für einen innovativen Ansatz in der hausärztlichen Versorgung. Ein zentraler Aspekt ist die Einbindung akademischer und nicht-akademischer Gesundheitsfachkräfte wie Physician Assistants oder akademisierter Pflegekräfte in die Patientenversorgung in der Hausarztpraxis. Dies ermöglicht neue Formen der interprofessionellen Zusammenarbeit im Team und somit durch Delegation von Aufgaben spürbare Entlastung für Hausärztinnen und Hausärzte. Zudem setzt HÄPPI auf den verstärkten Einsatz digitaler Instrumente zur Verbesserung der Praxisorganisation und Diagnostik. Diese Kombination von Maßnahmen trägt dazu bei, Versorgungsstrukturen zu erhalten und zu optimieren, die ohne neue, kreative Ansätze nicht mehr realisierbar wären.

Der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum Baden-Württemberg unterstützt das HÄPPI-Projekt im Rahmen seiner Bemühungen, die Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raumes zu fördern. Die Pilotphase des HÄPPI-Projekts wurde am 1. Juli 2024 in zehn Hausarztpraxen in Baden-Württemberg gestartet und wissenschaftlich von der Universität Heidelberg begleitet. Ziel der Pilotphase war es, Chancen und Hürden bei der Umsetzung des HÄPPI-Konzepts zu identifizieren und Erkenntnisse für nachfolgende HÄPPI-Generationen zu sammeln. Aus dem Feedback der Praxen wurde ein Best-Practice-Handbuch für den Rollout auf weitere Hausarztpraxen erstellt.

Kabinettsausschuss Ländlicher Raum

Kabinettsausschüsse sind bedeutende Instrumente der Landesregierung, um zentrale, ressortübergreifende und komplexe Fragestellungen zu bearbeiten. Im Zentrum des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum steht das Staatsziel der Förderung von gleichwertigen Lebensverhältnissen, Infrastrukturen und Arbeitsbedingungen im gesamten Land. Dieser Verfassungsauftrag soll mit dem Kabinettsausschuss mit Leben gefüllt werden. Zur Umsetzung dieses Zieles schlägt der Kabinettsausschuss dem Ministerrat erforderliche Maßnahmen vor oder legt diese im Rahmen seines Aufgabenbereiches fest.

Hierzu gehören beispielsweise die Vergabe von Modellprojekten, die Entwicklung zukunftweisender Konzepte, das Anstoßen von Bundesratsinitiativen oder das Einsetzen von interministeriellen Arbeitsgruppen auf Arbeitsebene zur Bearbeitung von Einzelthemen.

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