Soziales

Masterplan Jugend beschlossen

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Jugendliche sitzen vor einem Laptop. (Foto: © dpa)

Kinder und Jugendliche sind die Verantwortungsträger von Morgen. Deshalb hat die Landesregierung die Jugendarbeit im Land neu strukturiert und einen „Masterplan Jugend“ entwickelt. Allen Jugendlichen sollen günstige und pädagogisch gut betreute Freizeitangebote offenstehen. Themenschwerpunkte sind die Demokratie- und Medienbildung, Migration, Partizipation und Vielfalt in der Gesellschaft.

„Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft und damit ganz wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie sind diejenigen, die eines Tages in diesem Land Verantwortung dafür tragen werden, wie wir leben und miteinander umgehen wollen. Demokratie ist nicht selbstverständlich und muss jeden Tag gelernt und verteidigt werden. Wir wollen mit unseren Angeboten alle Jugendlichen im Land, so verschieden sie auch sind, erreichen. Deswegen haben wir die Förderung der Jugendarbeit im Land auf den Prüfstand gestellt, neu strukturiert und an sich ändernde Bedarfe etwa in der digitalen Welt angepasst“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann heute nach der Sitzung des Ministerrats. In der Sitzung wurde der neue Jugendplan der Landesregierung vorgestellt.

Teilhabe und Engagement für alle Jugendlichen im Land

„Derzeit erreicht Baden-Württemberg mit über 26.000 Angeboten der geförderten Jugendarbeit und 134.300 Ehrenamtlichen rund 1,3 Millionen Teilnehmende im Jahr. Gemeinsam mit den Jugendverbänden und zivilgesellschaftlichen Partnern hat das Ministerium für Soziales und Integration die jugendpolitische Strategie des Landes zum Masterplan Jugend weiterentwickelt. Dessen Leitgedanke ist es, möglichst allen Jugendlichen in Baden-Württemberg Teilhabe und Engagement zu ermöglichen“, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. „Wir setzen in diesen gesellschaftlich schwierigen Zeiten, in denen die Sprache verroht, Ausgrenzung und Hass zunehmen und der Populismus wieder sein schauriges Haupt erhebt, ganz bewusst notwendige neue Impulse für die Jugendarbeit. Themen-Schwerpunkte unseres Masterplans sind Demokratie- und Medienbildung, Partizipation, Migration und Flucht sowie das Sichtbarmachen von Vielfalt.“

Hierfür habe das Land in dieser Legislaturperiode bereits mehr als elf Millionen Euro in die Hand genommen, für 2019 sind weitere Ausgaben in Höhe von 5,2 Millionen Euro geplant. Auch für die Folgejahre will sich Minister Lucha nochmal für eine erhebliche Erhöhung stark machen. „Gemeinsam mit den Partnern der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendsozialarbeit schafft die Landesregierung mit Jugendfreizeiten, informellem Lernen und spezifischen Modellvorhaben außerschulische Freizeitangebote für alle Jugendlichen im Land, die sie dazu befähigen sollen, aktiv für ihre Interessen einzutreten und sich für das Gemeinwesen zu engagieren“, sagte der Minister. Beispielhaft dafür steht auch die neue Servicestelle Partizipation, die Jugendinitiativen dabei unterstützt, sich organisiert zu engagieren, etwa über eine Vereinsgründung.

Neue Förderstrukturen für Bildungsreferenten im Land

Sozial und Integrationsminister Manne Lucha sagte: „Mit der Überarbeitung des Bildungsreferentenprogramms, die heute vom Kabinett beschlossen wurde, haben wir einen wichtigen Meilenstein für den Masterplan Jugend gesetzt. Bildungsreferentinnen und -referenten sind diejenigen, die zum Beispiel in landesweit tätigen Jugendverbänden dafür Sorge tragen, dass Personen, die direkt mit Jugendlichen arbeiten, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten für die Arbeit mit jungen Menschen kontinuierlich weiterentwickeln. Durch die Umstellung der Förderstrukturen haben wir es geschafft, den landesweit tätigen Bildungsreferentinnen und -referenten eine echte Perspektive für ihre Arbeit zu geben und können somit auch langfristig gut ausgebildete Fachkräfte gewinnen.“

„Wir möchten für alle Jugendlichen gleichermaßen günstige wie pädagogisch gut betreute Freizeitangebote bereithalten“, sagte Lucha. In der weiteren Umsetzung des Masterplans Jugend würden deshalb nicht nur die Fördersätze erhöht, sondern auch die Fördergrundlagen praxisgerecht überarbeitet, mit denen das Land beispielsweise Zeltlager, Skifreizeiten, themenbezogene Seminare für Jugendliche sowie Jugendleiterlehrgänge finanziell unterstützt. Aktuell werden in Baden-Württemberg in Jugendleiterlehrgängen mindestens 45.000 Jugendliche jährlich für ehrenamtliche Tätigkeiten qualifiziert.

Masterplan Jugend

Beim Masterplan Jugend handelt es sich um eine umfassende landespolitische Strategie zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit, die unter enger Beteiligung mit den Partnern der Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit erarbeitet wird. Gemeinsam wurden folgende Arbeitsschwerpunkte festgelegt:

  • Migration und Flucht
  • Partizipation
  • Vielfalt
  • Demokratie- und Medienbildung
  • Kooperation von Schule und außerschulischer Jugendbildung sowie
  • Überarbeitung der Fördergrundlagen

Partner des Landes im Masterplan Jugend sind unter anderem:

  • Landesjugendring Baden-Württemberg e.V.
  • Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg e.V.
  • Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg e.V.
  • Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit
  • Baden-Württembergische Sportjugend
  • Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Landjugendverbände

Landesweite Servicestelle Partizipation

In diesem Jahr startet die vom Ministerium für Soziales und Integration für die Jahre 2018 und 2019 mit insgesamt rund 720.000 Euro geförderte landesweite Servicestelle Partizipation. Ziel der Servicestelle ist es, die politische und gesellschaftliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu stärken. Die Servicestelle kümmert sich ganz konkret um die landespolitische Verankerung, überregionale Vernetzung und kontinuierliche Weiterentwicklung von Partizipationsstrukturen von und für Jugendliche. Betrieben wird sie in dreigeteilter Trägerschaft aus Landesjugendring, Jugendsozialarbeit und Landesvereinigung für kulturelle Jugendbildung. Diese Art des Zusammenwirkens dreier Institutionen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Jugendhilfe ist bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal.

400.000 Euro für den Aufbau neuer Jugendverbände

Für den Aufbau neuer Jugendverbände stellt das Ministerium für Soziales und Integration insgesamt fast 400.000 Euro zur Verfügung. Der Landesjugendring Baden-Württemberg unterstützt mit diesem Programm neu entstehende Jugendverbände, die eine landesweite Bedeutung erlangen, auf ihrem Weg zur Anerkennung als Träger der Jugendhilfe. Die Anerkennung ermöglicht einen erleichterten Zugang zu öffentlichen Mitteln und jugendpolitischen Gremien. Hierdurch wird gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung getragen, indem die gesellschaftliche Vielfalt auch in der Verbandslandschaft abgebildet ist. Im Fokus des Programms stehen der Aufbau hauptamtlicher Unterstützungsstrukturen, der Aufbau einer koordinierenden und verwaltenden Landesgeschäftsstelle und die Qualifizierung des Ehrenamtes.

Mehr mobile Kindersozialarbeit

Ziel der mobilen Jugendarbeit ist es, die Lebenssituation junger Menschen dauerhaft zu verbessern und sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Dazu sind verlässliche Kontaktangebote in der jeweiligen Lebenswelt notwendig. Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren wurden bislang durch die bestehenden Angebote nicht angemessen erreicht. Ab 2018 wird die mobile Kindersozialarbeit an 20 Standorten im Land angeboten. Über den „Masterplan Jugend“ werden dafür insgesamt 235.000 Euro für die Jahre 2018 und 2019 bereitgestellt. Fachkräfte werden speziell geschult im Hinblick auf einen pädagogisch nachhaltigen Umgang mit auffällig gewordenen Kindern. Mittels fachlicher Begleitung wird zudem ein umfassendes Konzept zur mobilen Kindersozialarbeit erarbeitet und flächendeckend in der Praxis verankert.

Lokale Bildungsnetzwerke zwischen Schulen und Jugendeinrichtzungen stärken

Ein wichtiges Thema ist auch der Ausbau von Kooperationen zwischen Schulen und Einrichtungen der außerschulischen Jugendbildung. Ziel der außerschulischen Jugendbildung ist es, informelle Lernorte außerhalb der Schule zu schaffen, das heißt insbesondere im Rahmen von Vereinen, Verbänden und offenen Jugendeinrichtungen wie zum Beispiel Jugendclubs, bei kulturellen oder sportlichen Aktivitäten in der Freizeit. Insbesondere Ganztagsschulen bieten ganz neue Kooperationsmöglichkeiten, stellen allerdings auch beide Seiten vor neue Herausforderungen. In den Jahren 2017 und 2018 stellt das Land jeweils 300.000 Euro für den weiteren Aus- und Aufbau von Lokalen Bildungsnetzwerken für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Mit dem Geld können die bereits erfolgreich begonnenen Projekte in Blaubeuren, Böblingen, Karlsruhe, Reutlingen, Rottenburg und Schwäbisch Gmünd ausgebaut werden.

Geflüchtete Jugendliche als Mentoren der interkulturellen Bildung

Gemeinsam mit der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg hat das Land das Programm „Beheimatung durch Kultur“ ins Leben gerufen. Über dieses Projekt können geflüchtete und zugewanderte Jugendliche zu Mentoren im Bereich der interkulturellen Bildung werden. Sie nehmen an Workshops mit Künstlern teil und entwickeln pädagogisch begleitet ihre eigenen kulturellen Projekte wie etwa Konzerte, Ausstellungen oder interkulturelle Feste. In den Folgejahren soll das Programm in derselben Stadt von anderen Jugendlichen mit Fluchterfahrung in modifizierter Form angeboten werden, wobei diese dabei von den Jugendlichen aus dem Vorjahr unterstützt werden. Für das Programm stehen bis Ende 2018 rund 120.000 Euro zur Verfügung.

Junge Geflüchtete – Demokratinnen und Demokraten von Anfang an

Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sind ein wichtiger Lernort für Demokratie. Mit dem Programm „Junge Geflüchtete – Demokratinnen und Demokraten von Anfang an“ der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg (LAGO) sollen junge Geflüchtete an Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendhilfe herangeführt werden. Spezielle Fachkräfte der LAGO sollen an sechs Projektstandorten junge Geflüchtete und Jugendliche, die bereits seit längerem die Einrichtung aufsuchen, zusammenführen. Beide Seiten können im Kleinen konkrete Methoden zum Umgang mit Vorurteilen, Anpassungs- und Öffnungserwartungen lernen. Die Geflüchteten werden möglichst zeitnah in die Entscheidungsstrukturen der jeweiligen Einrichtungen, zum Beispiel Jugendrat, Vollversammlung, Programmgruppe, Konzert-AG etc., eingebunden. Mittelfristig soll ein (Mit-)Gestaltungs- und Beteiligungsprozess auf kommunaler Ebene auf den Weg gebracht werden. Hierfür setzt das Ministerium für Soziales und Integration weitere 160.000 Euro aus dem Masterplan Jugend ein.

„Youth Refugee Council – New Home, New Beginning“

Ziel des Projektes Projekt „Youth Refugee Council – New Home, New Beginning“ (YRC) ist es, junge Geflüchtete dazu zu befähigen, für ihre Interessen und Belange aktiv selbst einzutreten. Junge Geflüchtete werden in die Strukturen und Tätigkeiten der Jugendverbände und Jugendringe eingebunden. Mittels Qualifizierungsmaßnahmen und durch die Schaffung von Partizipationsmöglichkeiten, zum Beispiel die Teilnahme am Kindergipfel im Sommer 2018 und am zweitägigen Jugendlandtag im Sommer 2019 sollen sie die notwendigen Kenntnisse und die Gelegenheit erhalten, ihre Anliegen und Erfahrungen im politischen Raum sichtbar zu machen. Hierfür setzt das Ministerium für Soziales und Integration 369.000 Euro aus dem Masterplan Jugend ein.

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