Forst

Luchs-Monitoring in Baden-Württemberg

Mit dem Luchs-Monitoring in Baden-Württemberg betreibt das Land aktiven Bestandsschutz auf wissenschaftlicher Grundlage.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Luchs (Foto: © dpa)
Symbolbild

„Der Luchs ist in Mitteleuropa stark bedroht. In Baden-Württemberg sollen die Tiere wieder eine Heimat finden, in dem ein bisher sehr kleines Vorkommen durch die Auswilderung von einzelnen vorwiegend weiblichen Tieren gestärkt werden soll. Das Luchs-Monitoring der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg ist für den Erfolg der Bestandsstützung des Luchses im Land ein wichtiger Baustein. Denn wir wollen dem Luchs die dauerhafte Rückkehr in seinen angestammten Lebensraum ermöglichen. Das Monitoring trägt dazu bei, dass wir transparent über das Vorhaben informieren und dessen Erfolg kontrollieren können. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg verfügt mit ihrer über 20-jährigen Erfahrung im Luchs-Monitoring und in der Luchs-Forschung über beste Expertise“, sagte der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich des Besuches des Infozentrum Kaltenbronn im Landkreis Rastatt.

Über das Monitoring werden nach internationalen Standards Daten zum Luchs erhoben. Diese geben beispielsweise Informationen zu Anzahl und Geschlecht zugewanderter und ansässiger Luchse, deren Verbreitung, zu ihrem Nahrungsspektrum, zu Mortalitätsraten, zum Gesundheitszustand oder zum genetischen Zustand des Luchsvorkommens. Monitoring und Forschung sind wichtige Pfeiler für die Konzeption, Durchführung, Erfolgskontrolle und öffentliche Akzeptanz der Bestandsstützung des Luchses im Schwarzwald.

Monitoring unter der Lupe

Gerade mal zwei Wochen ist es her, dass das Projektteam „Luchs Baden-Württemberg“ Luchskuder Martin im Nordschwarzwald ausgewildert hat. Jetzt steht fest: Martin hat bereits sein erstes eigenes Reh gerissen. „Das ist sehr schnell und ein wirklich guter Start für Martin“, sagt Linda Kopaniak von der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Die FVA kann dies mit hoher Sicherheit sagen, da sie die Signale des Halsbandsenders von Luchs Martin auswerten und einordnen: Die gesammelten Daten fließen in das landesweite Luchs-Monitoring ein.

„Monitoringdaten und ihre wissenschaftliche Auswertung sind die Voraussetzung dafür, den Schutz von Wildtieren bestmöglich zu konzipieren und umzusetzen. Denn je besser wir verstehen, wie der Luchs seinen Lebensraum nutzt, desto gezielter können wir ihn unterstützen und auch Nutzungskonflikten vorbeugen. Dafür liefert das Luchs-Monitoring die entscheidende Datengrundlage“, betonte Minister Hauk.

Seit 2004 ist die FVA mit ihrem Wildtierinstitut durch das MLR mit dem Monitoring sowie mit verschiedenen Forschungs- und Umsetzungsprojekten zu Luchsen in Baden-Württemberg beauftragt.

FVA-Direktor Prof. Dr. Ulrich Schraml betont die langjährigen Vorbereitungsarbeiten der Luchsauswilderung. „Dank der intensiven Vorarbeit konnten wir in Baden-Württemberg sicherstellen, dass das Projekt sowohl auf eine breite Unterstützung bei unterschiedlichen Akteursgruppen stößt als auch die nötigen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorlagen.“ Die FVA genießt dabei nationales und internationales Renommee. „An der FVA bearbeiten wir nicht nur naturwissenschaftliche Fragestellungen rund um den Luchs“, sagte Prof. Dr. Ulrich Schraml weiter, „wir haben uns auch mit sozialwissenschaftlichen Fragen befasst, um zu verstehen, worauf es bei einem gelungenen Luchsmanagement ankommt.“

Jägerschaft und Wildtierbeauftragte wichtige Partner

In das Monitoring von Luchsen fließen Sichtungen, Fotofallenbilder, Losungsfunde, Risse oder Fährten ein. Die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und den Wildtierbeauftragten ist dabei zudem zentral für das Wildtiermonitoring im Wald. Darüber hinaus werden, wann immer möglich, Luchse durch das Team der FVA mit Halsbandsendern ausgestattet. „Aktuell wissen wir dank des Monitorings von aktuell acht verschiedene Luchsen in Baden-Württemberg. Diese Informationen bieten eine zentrale Grundlage für die effektive Stützung des Luchsvorkommens in Baden-Württemberg“, erläuterte Minister Hauk.

Projekt „Luchs Baden-Württemberg“

2023 wurde das Projekt „Luchs Baden-Württemberg – Bestandsstützung der Luchsvorkommen in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen“ ins Leben gerufen. Das auf vier Jahre angelegte Projekt möchte den Grundstein für ein gesundes Luchsvorkommen im Schwarzwald legen. Bis Ende 2027 sollen im Rahmen des Projekts bis zu zehn Tiere ausgewildert werden.

Die FVA setzt das Projekt federführend im Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg um und arbeitet mit dem Zoo Karlsruhe, dem WWF Deutschland, dem Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. sowie der Luchs-Initiative Baden-Württemberg e.V. eng zusammen. Gemeinsames Ziel ist es, den Luchsbestand im Land zu stützen und die notwendige Akzeptanz für den Luchs in Baden-Württemberg zu fördern.

Weitere Meldungen

Apfelbäume stehen auf einer Streuobstwiese (Foto: dpa)
Streuobst

Streuobstwiesen schützen und genießen

Ein Haus, dessen Grundgerüst aus Holz besteht, steht in einem Tübinger Neubaugebiet. (Bild: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Baurecht

Bauen mit Holz wird erleichtert

Schmeck den Süden
Ernährung

Genussführer 2026 vorgestellt

Ein Mähdrescher erntet in Langenenslingen-Andelfingen ein Getreidefeld mit Wintergerste ab. (Bild: picture alliance/Thomas Warnack/dpa)
Landwirtschaft

Land fördert Unterstützungsnetzwerk für Land- und Weinwirtschaft

Eine junge Frau legt an Heiligabend mehrere Geschenke unter einen Weihnachtsbaum.
Verbraucherschutz

Verbrauchertipps zu Reklamation und Umtausch nach dem Weihnachtsfest

Feuerwerk am Nachthimmel
Silvester

Tiere vor Silvesterfeuerwerk schützen und Müll ordnungsgemäß entsorgen

Ein Silvesterböller wird mit einem Feuerzeug gezündet. (Foto: © dpa)
Silvester

Mit kleinem Feuerwerk sicher ins neue Jahr

Baden-Württemberg, Seebach: Fichten und eine Buche stehen im Nationalpark Schwarzwald im Nebel.
Bundesrat

Hauk fordert Entlastung für land- und forstwirtschaftliche Betriebe

Fischer fischen im Bodensee (Foto: dpa)
Artenschutz

Projekt zum Fischartenschutz und Kormoranmanagement startet

Ein Integrationsmanager erarbeitet mit zwei jugendlichen Flüchtlingen aus Eritrea Bewerbungsschreiben. (Foto: © dpa)
Integration

Rund 1,55 Millionen Euro für Integrationsarbeit in ländlichen Räumen

Ein Kinderarzt untersucht einen Jungen mit einem Stethoskop.
Gesundheit

Land stärkt kinder- und jugendärztliche Versorgung

Ein frischer Radweg mit Bausstellenfahrzeugen, inmitten von landwirtschaftlicher Fläche.
Radverkehr

Neuer Rad- und Gehweg zwischen Tettnang-Büchel und Schwanden

Eine ältere Dame lernt die Bedienung eines Computers.
Ländlicher Raum

Land fördert digitale Teilhabe im Alter mit „Klick & Klar“

Kampagnenplakat "Energieholz aus den Wäldern Baden-Württembergs"
Forst

Neues Positionspapier unterstützt Holzenergie im Land

Landwirtschaft in Hohenlohe
Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Förder- und Ausgleichszahlungen ausgezahlt