Landwirtschaft

Land startet Präventionsnetzwerk für Land- und Weinwirtschaft

Klimatische und wirtschaftliche Belastungen setzen viele Landwirte unter Druck. Um persönlichen und betrieblichen Krisen vorzubeugen, etabliert das Land ein flächendeckendes Präventionssystem.

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Ein Landwirt bewässert ein Feld mit jungen Pflanzen. (Foto: dpa)

„Die Land- und Weinwirtschaft stehen unter Druck. Klima- und Strukturwandel verschärfen die ökonomische Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe und können zu Spannungen und Belastungen führen, die sich bis auf das persönliche Befinden der Landwirtinnen und Landwirte und Winzerinnen und Winzer auswirken kann. Physische und psychische Überlastungsreaktionen können die Folge sein, insbesondere, wenn sich die betroffenen Personen allein gelassen fühlen. Für die zuständigen Verwaltungen vor Ort ist es eine neue und zunehmend größere Herausforderung, mit diesen Situationen vor Ort kompetent und verantwortungsvoll umzugehen. Das Land lässt betroffene Landwirte und Winzer mit ihrer Situation nicht allein. Damit Belastungssituationen nicht zur Überforderung und Betriebsaufgaben führen oder im schlimmsten Fall eskalieren, wird das Land gemeinsam mit Verbänden, Bildungs-, und Beratungseinrichtungen und Kirchen ein präventives Früherkennungssystem in der Fläche etablieren. Ein Netzwerk, das rechtzeitig Hilfe organisiert, damit es erst gar nicht zu Notsituationen kommt und falls doch, passende Hilfen angeboten werden kann. Aber auch amtliches Kontrollpersonal soll vor Übergriffen und Ausnahmesituationen geschützt und besser auf Betriebsbesuche vorbereitet werden.

Hierzu hat in dieser Woche der erste Runde Tisch stattgefunden. Das große Interesse hat mich beeindruckt und bestätigt, dass jetzt Zeit ist, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, sagte der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk im Nachgang zum ersten Runden Tisch „Gemeinsam Verantwortung übernehmen“ in Stuttgart.

35 Teilnehmende beim Runden Tisch 

Rund 35 Personen sind der Einladung des Ministers gefolgt. Teil des gemeinsamen Projektes sind die beiden Bauernverbände, die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau, Landfrauen, Landjugend, Landesverband der im öffentlichen Dienst beschäftigten Tierärzte, Kirchen, die Landwirtschaftliche Sozialversicherung (SVLFG), Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie die Verwaltung. „Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass wir gemeinsam Lösungsansätze entwickeln, um unsere engagierten Landwirtinnen und Landwirte, Winzerinnen und Winzer nicht alleine zu lassen“, betonte der Minister. Beim ersten Runden Tisch wurde das beispielhafte Projekt „Landwirte in Not – LIN" des Landkreises Ravensburg sowie die Arbeit des Beratungsteams im Regierungsbezirk Stuttgart vorgestellt. Anschließend tauschten sich die Akteure zu ihren Erfahrungen sowie Arbeitsweisen aus. Ziel ist es nun, ein Netzwerk aufzubauen, dass die unterschiedlichen Anforderungen von Land- und Weinwirtschaft abdeckt und gezielte Hilfe und Beratung dorthin bringt, wo sie erforderlich ist.

Einrichtung von Hilfsangeboten und Beratungsstellen

„Mit fachlichen Angeboten der interdisziplinären Beraterteams in den Regierungsbezirken Stuttgart, Tübingen und Freiburg, bestehend aus einem Tierarzt und einem Landwirt, hat das Land im Rahmen des Strategieplans ,Tierwohl‘ bereits ein Instrument geschaffen, wie wir unsere heimischen Landwirtinnen und Landwirte in Notsituationen unterstützen können. Tragische Schicksale bereiten uns aber weiterhin Kummer und spornen uns an, die bisherigen Maßnahmen weiterzuentwickeln. Deshalb wird das Land in diesem Jahr mit 100.000 Euro und 2026 mit 250.000 Euro den Anschub geben. Geplant sind unter anderem weitere ‚Kümmererstellen‘, die vor Ort Ansprechpartner und erste Anlaufstelle für Betriebsinhaber sein sollen“, betonte Minister Hauk.

„Wir wollen in erster Linie den Landwirten und Winzern zeigen, dass wir alle gemeinsam genau hinschauen, dass wir die Lage auf den Betrieben erkennen und gemeinsam Lösungen suchen. Wir wollen, dass eventuelle Schieflagen frühzeitig erkannt und konkrete Hilfe vermittelt wird. Wir wollen, dass wieder mehr miteinander und nicht immer nur übereinander gesprochen wird. Wir wollen wieder mehr Wertschätzung für die Arbeit unserer Landwirte und Winzer und die Verwaltung muss als Partner und Vertrauenseinheit wahrgenommen werden“, so Hauk.

Ein wichtiger Schlüssel sei dabei die Bildung. Sowohl bei den Landwirten und Winzern soll das Thema Beratung, Umgang mit Herausforderungen auf den Betrieben und Wege zu professionellen Lösungen mehr in den Ausbildungsmittelpunkt rücken. Aber auch in den Verwaltungen und bei den Veterinären wird dies in der Ausbildung stärker berücksichtigt werden. Ebenso sollen Betriebe besser auf Kontrollsituationen vorbereitet werden.

Projekt für die ganze Gesellschaft

Und auch die Information der Öffentlichkeit muss weiter verbessert werden. „Wir wollen mehr Verständnis für die Arbeit auf unseren Betrieben wecken aber auch die Betriebe mehr sensibilisieren, dass Beratung und Unterstützung bei den zahlreichen Herausforderungen kein Zeichen von Schwäche ist“, erklärte Minister Hauk. Das Projekt, dass nun für die Land-, und Weinwirtschaft gestartet wird, könnte auch Vorbild für die Gesellschaft insgesamt sein. „Wieder mehr hinzuschauen, gegenseitigen Respekt zu zeigen und aufeinander zu achten, das täte uns allen gut“, betonte der Minister.

Regierungspräsidien Baden-Württemberg: Beratungsteams Tierwohl

Staatsministerium: Strategiedialog Landwirtschaft

Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum Verbraucherschutz: Landwirtschaft

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