KUNST UND KULTUR

Land darf Witbooi-Bibel und Peitsche zurückgeben

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Familienbibel von Hendrik Witbooi, erbeutet von deutschen Eroberern beim Sturm auf Hornkranz 1893 (© Linden-Museum Stuttgart, Dominik Drasdow).

Der Verfassungsgerichtshof von Baden-Württemberg hat entschieden, dass das Land eine zu Kolonialzeiten geraubte Bibel und eine Peitsche an den namibischen Staat zurückgeben darf. Die offizielle Übergabe wird am 28. Februar stattfinden.

Der Verfassungsgerichtshof von Baden-Württemberg hat den Antrag einer Vereinigung von Nama-Stammesältesten (NTLA) zurückgewiesen, die geplante Rückgabe von Bibel und Peitsche des Nama-Führers Hendrik Witbooi auszusetzen.

Wir halten auch nach Rücksprache mit der namibischen Regierung wie geplant an der Rückgabe fest. Innerhalb der Nama gibt es bekanntermaßen unterschiedliche Positionen. Die Familie Witbooi beispielsweise wird von der NTLA nicht vertreten. Erst vor wenigen Tagen hat uns Ida Hoffmann, die offizielle Sprecherin der Nama-Opfervereinigung ‚Nama Genocide Technical Committee‘, die an den Verhandlungen mit der Bundes­regierung zur Aussöhnung beteiligt ist, nochmals eindringlich schriftlich darum gebeten, dass wir Bibel und Peitsche nächste Woche an den namibischen Staat übergeben“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

„Der nun vorliegende Beschluss zeigt, dass auch aus Sicht des Verfassungsgerichts vieles dafür spricht, dass der Rechtsstreit Konflikte betrifft, die innherhalb Namibias geklärt werden müssen“, so Bauer. „Da wir um die Sensibilität des Themas wissen, war es uns von Anfang an ein großes Anliegen, bei der Rückgabe auch Vertreter der Herkunfts­gesellschaft und der Familie einzubeziehen“, so Bauer. Daher habe man das Gespräch mit der Familie und Nama-Gruppierungen gesucht. Vertreter der Familie haben bei den Gesprächen mit Staatssekretärin Olschowski im Oktober 2018 ausdrücklich erklärt, dass sie angesichts der nationalen Bedeutung Hendrik Witboois mit einer Übergabe der Objekte in staatliche Obhut einverstanden sind.

Offizielle Übergabe am 28. Februar in Gibeon im Süden Namibias

Die offizielle Übergabe wird am Donnerstag (28. Februar) in Gibeon im Süden Namibias, dem Stammsitz der Witbooi und Siedlungsgebiet vieler Nama-Gruppen, stattfinden. Der Präsident der Republik Namibia, Dr. Hage Geingob, wird Bibel und Peitsche von Wissenschaftsministerin Bauer persönlich entgegennehmen. Die Rückgabe ist ein Ereignis von größter nationaler Bedeutung. Es werden Mitglieder der Regierung und des Parlaments wie auch der Gründungspräsident der Republik, Dr. Sam Nujoma, und der ehemalige Präsident Hifikepunye Pohamba teilnehmen.

Die Objekte aus dem Linden-Museum sollen nach Auskunft der namibischen Stellen weiterhin öffentlich zugänglich bleiben. Die Bibel kommt zunächst ins Nationalarchiv, wo auch Briefe Hendrik Witboois aufbewahrt werden, die Peitsche ins Nationalmuseum. Hendrik Witbooi war während der deutschen Kolonialzeit Anführer der Nama-Gruppen. Heute wird er in Namibia jedoch weit darüber hinaus als eine der zentralen Persönlichkeiten der gesamten namibischen Geschichte angesehen und als nationales Symbol im Kampf gegen den Kolonialismus verehrt. „Die beiden Objekte aus dem Linden-Museum haben den Charakter nationaler Kulturgüter, die von hervorgehobener kultureller Bedeutung für das gesamte Land sind“, so Bauer abschließend.

Weitere Informationen

Nama sind eine ethnische Obergruppe, die in Süd-, teils auch Zentralnamibia im Nordkap (Südafrika) und im Westen Botswanas leben. In Namibia leben mehr als zehn Nama-Clans. Diese kleineren Gruppen sind nach wie vor für die Identifikation entscheidend. Eine dieser Gruppen sind die //Khowesen, nach ihrer führenden Familie besser als Witbooi bekannt. Sie sind nicht MItglied der 2007 gegründeten Nama Traditional Leaders Association (NTLA), die daher auch nicht für sie sprechen kann.

Die Republik Namibia hat sich über die deutsche Botschaft in Berlin an das baden-württembergische Wissenschaftsministerium gewandt und um Rückgabe zunächst der „Witbooi-Bibel“, später auch der Peitsche von Hendrik Witbooi gebeten. Zur Vorbereitung der Rückgabe von Bibel und Peitsche hat eine baden-württembergische Delegation unter der Leitung von Staatssekretärin Petra Olschowski im Herbst 2018 Namibia besucht und Gespräche mit offiziellen Regierungsvertretern wie auch mit Angehörigen der Familie Witbooi geführt.

Weitere Meldungen

Eine Frau bedient das Portal ELSTER der deutschen Steuerverwaltungen zur Abwicklung der Steuererklärungen und Steueranmeldungen über das Internet.
Steuern

Digitale Steuererklärung wird deutlich einfacher

Eine muslimische Einwanderin sitzt mit anderen Personen am Tisch und schaut sich während des Englischunterrichts Blätter mit Grammatikaufgaben an.
Integration

Lucha kritisiert Zulassungsstopp bei Integrationskursen

Stuttgart Neckarpark
Wohnraumoffensive

Land unterstützt Kommunen mit Bau-Turbo

Gruppenbild anlässlich der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und der ukrainischen Region Lwiw
Absichtserklärung

Baden-Württemberg und Lwiw vertiefen wirtschaftliche Zusammenarbeit

Visualisierung Campus St. Alban
Innovationspreis

Zehn Preise für kirchliche Wohnprojekte

DEHOGA Cup
Start-up BW

Kleinblatt GmbH aus Stuttgart gewinnt den DEHOGA CUP

Forscher im Forschungszentrum M3 des Universitätsklinikums Tübingen
Innovation

Land fördert Digitales Innovationszentrum am Uniklinikum Freiburg

Ein Windrad ist auf der Holzschlägermatte bei Freiburg zu sehen.
Erneuerbare Energien

Mehr Windkraft für Baden-Württemberg

PV-Anlage auf dem Landtag in Stuttgart
Erneuerbare Energien

Photovoltaik-Ziel bereits vorab erreicht

Ein Clown der Narrenzunft Rottenburg läuft beim großen Umzug des Weißnarrentreffens in Villingen-Schwenningen durch die Innenstadt (Quelle: dpa).
Verbraucherschutz

Produktkontrollen für ein unbe­schwertes Feiern des Faschings

GNSS-Empfänger mit Sonnenaufgang
Digitale Infrastruktur

Satellitenpositionierungsdienst SAPOS® stark genutzt

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Dritter von rechts) und der Antisemitismusbeauftragte Dr. Michael Blume (Vierter von links) mit den Vorständen der Israelitischen Religionsgemeinschaften Württembergs und Baden
Religion

Kretschmann trifft Vorstände der jüdischen Gemeinschaften

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 10. Februar 2026

Flur in einem Krankenhaus
Gesundheit

248 Millionen Euro für Investitionen an 20 Kliniken

Ein Mann hält ein Ringbuch mit Bauplänen, mit dem Zeigefinger deutet er auf ein Baufeld
Flächenmanagement

„Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ wird gestärkt