GesellschaftsReport

Junge Menschen vor Überschuldung schützen

Die Landesregierung investiert 760.000 Euro in zehn Pilotprojekte, die junge Menschen vor Überschuldung schützen sollen.

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Eine Hand nimmt eine Euro-Münze aus einer Geldbörse, in der sich weitere Münzen befinden. (Foto © dpa)
Symbolbild

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration fördert zehn Pilotprojekte mit insgesamt 760.000 Euro, die junge Menschen im Jugendalter beziehungsweise bis zum Alter von 30 Jahren mit zielgerichteten Informationen vor Überschuldung schützen sollen. Die Projekte bieten ihnen außerdem rasche Hilfe, falls bereits eine Überschuldung besteht.

„Junge Menschen müssen durch Prävention vor Überschuldung geschützt werden. Dazu kommt die nötige Unterstützung, wenn die Überschuldung bereits eingetreten ist. Gerade der Internethandel und veränderte Zahlungsbedingungen wie ‚Buy now, pay later‘ stellen junge Menschen vor besondere Herausforderungen. Hier gilt es, mit gezielter Präventionsarbeit frühzeitig Informationen und Hilfe anzubieten“, sagte Sozialminister Manne Lucha. Die Förderung erfolgt vor dem Hintergrund der Ergebnisse des GesellschaftsReport „Überschuldung junger Menschen in Baden-Württemberg“ (Report BW 1/2025) (PDF), der im Juli dieses Jahres zusammen mit dem Förderaufruf veröffentlicht wurde.

Stärkster Anstieg der Überschuldungsquote

Mit einer Überschuldungsquote von 6,7 Prozent bezogen auf Baden-Württemberg liegt der Wert bei jungen Menschen unter 30 Jahren zwar niedriger als bei anderen Altersgruppen. Besorgniserregend ist jedoch, dass nach den Ergebnissen der Creditreform bei jungen Menschen (neben den über 70-Jährigen) der stärkste Anstieg der Überschuldungsquote festzustellen ist. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach Ratenkrediten und den „Buy now, pay later“-Angeboten zu, die vor allem auf jüngere, internetaffine und besonders konsumoffene Zielgruppen zielen.

Personen unter 30 Jahren hatten mit 14.064 Euro durchschnittlich zwar eine niedrigere Schuldensumme als Personen in älteren Altersgruppen. Ihre Überschuldungssituation gestaltet sich jedoch anders – es gibt mehr Gläubiger, besonders häufig Telekommunikationsunternehmen, Gewerbetreibende und Versandhäuser. „Junge Menschen sind häufig unzureichend auf verantwortungsvolle Konsumentscheidungen vorbereitet. Geringeren finanziellen Mitteln steht ein wachsender Konsumdruck gegenüber und hier erscheinen Kredite, Ratenkäufe oder Zahlungsaufschübe – zumal online – als vermeintlich unkomplizierte Möglichkeiten zur materiellen Teilhabe“, so Lucha weiter.

Niedrigschwellig und zielgruppengerecht

Die geförderten Projekte setzen verschiedene Vorschläge aus dem GesellschaftsReport um, etwa Schuldenprävention an Aufenthaltsorten von Jugendlichen wie Schulen oder Jugendhäuser. Ebenso sollen diese niedrigschwellig, in einfacher Sprache oder mehrsprachig gestaltet und zielgruppenspezifisch etwa über Apps oder die sozialen Medien kommuniziert werden. Weitere Elemente sind die Elternarbeit sowie die Schulung von Fachkräften. Erprobt werden sollen außerdem innovative Elemente wie beispielsweise der Einsatz von Gleichaltrigen mit eigener Schuldenerfahrung. Die Projekte von Schuldnerberatungsstellen oder anderen Institutionen können ab November 2025 bis Ende Februar 2029 neue Wege in der Schuldenprävention gehen.

GesellschaftsReport

Der GesellschaftsReport „Überschuldung junger Menschen in Baden-Württemberg“ (Report BW 1/2025) (PDF) ist Teil der modularen Armutsberichterstattung des Landes. Er wurde erstellt von der FamilienForschung Baden-Württemberg im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration. In Baden-Württemberg arbeiten (mit Zweigstellen) 131 Schuldnerberatungsstellen. Diese befinden sich in kommunaler Trägerschaft oder in Trägerschaft der freien Wohlfahrtspflege.

Liste der geförderten Projekte

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