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Mittlere Nitratkonzentration im Grundwasser geht zurück

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Eine Mutter hält ihr Baby und ein Glas Trinkwasser im Arm (Bild: © dpa).

Die mittlere Nitratkonzentration im Grundwasser geht zurück. Das zeigt der Jahresbericht der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz 2015. Bei 47 Prozent der Messstellen im Land hat die Konzentration abgenommen. Bei 44 Prozent gab es jedoch eine Zunahme. Die Zahl der stark belasteten Flächen ist aber weiter rückläufig.

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe hat heute den Jahresbericht 2015 zur Grundwasserüberwachung in Baden-Württemberg veröffentlicht. Demnach ist die mittlere Nitratkonzentration im Land im Jahr 2015 um 0,6 Milligramm pro Liter (mg/l) gesunken. Dies stellt gemeinsam mit dem Jahr 2012 das niedrigste Belastungsniveau seit Beginn der Datenreihe 1994 dar.

„Es ist gut, dass die Nitratgehalte an 47 Prozent der Messstellen im Land abgenommen haben“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller. „Leider gab es aber auch an 44 Prozent der Messstellen Zunahmen“, betonte Untersteller. Der Bericht verdeutliche, dass die Hauptbelastung für das Grundwasser im Land weiterhin von Nitrat ausgehe und daher auch künftig Schutzmaßnahmen notwendig seien. „Unser Ziel ist es, die Nitratbelastungen in ganz Baden-Württemberg dauerhaft zu reduzieren.“

Landwirtschaft als Nitratquelle

Der Schwellenwert der Grundwasserverordnung von 50 mg/l wurde im Jahr 2015 an jeder zehnten Messstelle überschritten. Nach wie vor sind die höchsten Nitratkonzentrationen in der nördlichen und südlichen Oberrheinebene, in Teilen des Kraichgaus, im Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie in der Region Oberschwaben zu finden. Dort sind die Gründe vor allem in einem hohen Anteil an Ackerflächen sowie in den dort gängigen Sonderkulturen wie Reben oder Gemüse zu suchen.

„Die Belastung des Grundwassers mit Nitrat ist in den letzten 20 Jahren um rund 22 Prozent zurückgegangen. Maßgeblichen Anteil daran haben die Steuerungsinstrumente des Landes zur Verminderung der Stickstoffeinträge. Dies sind in Wasserschutzgebieten die Schutzgebiets- und Ausgleichverordnung SchALVO sowie das freiwillige Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl FAKT“, erklärte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk. Für die SchALVO stelle das Land den Landwirtinnen und Landwirten jährlich rund 20 Millionen als Ausgleichsleistungen für die eingeschränkte landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Flächen und die damit verbundenen höheren Kosten oder Erlöseinbußen zur Verfügung. Mit FAKT werden darüber hinaus auch außerhalb von Wasserschutzgebieten freiwillige Maßnahmen von Landwirtinnen und Landwirten zur Verringerung von Nitrateinträgen in Boden und Grundwasser abgegolten.

Stark belastete Flächen werden weniger

In Wasserschutzgebieten mit hoher Nitratbelastung, den sogenannten Problem- und Sanierungsgebieten, hat sich die mittlere Nitratkonzentration seit 2001 um etwa elf Prozent in den Problemgebieten und um 15 Prozent in den Sanierungsgebieten verringert. Betrachtet man den Umfang der Flächen, so waren 2001 noch rund 45.500 Hektar Sanierungsgebiet, im Jahr 2015 waren es nur noch rund 13.400 Hektar, das ist ein Rückgang um etwa 71 Prozent. „Neben der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung ist dies als ein Erfolg der Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe durch das Land zu werten. Die Anstrengungen der Bäuerinnen und Bauern zum Schutz der Umwelt sind ein wesentlicher Bestandteil“, sagte Landwirtschaftsminister Hauk. Um die Situation weiter zu verbessern, befassten sich vielseitige Projekte im Land mit der nachhaltigen Verbesserung der Stickstoffausnutzung beim Anbau von Gemüse, der optimierten Bodenpflege und Düngung im Weinbau oder der Erstellung und Nutzung von Hoftorbilanzen als Instrument zur Beurteilung einer grundwasserschonenden Landbewirtschaftung.

Die sinkende Nitratbelastung sei für die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg erfreulich, auch wenn das Wasser bei der Gewinnung aus Grund- und Quellwasser häufig aufbereitet werden müsse, sagte Verbraucherschutzminister Hauk. „Trinkwasser in hoher Qualität steht uns in Baden-Württemberg jederzeit praktisch uneingeschränkt zur Verfügung. Dafür sorgen die Wasserversorgungsunternehmen und die Überwachungsbehörden gemeinsam“, betonte Hauk.

Grund- und Quellwasser sind wichtigste Trinkwasserquellen

Knapp drei Viertel des Trinkwassers wird in Baden-Württemberg aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg in Karlsruhe überwacht daher regelmäßig das Grundwasser an bis zu 2.000 Messstellen. Zusätzlich kontrollieren die Wasserversorgungsunternehmen an weiteren rund 1.600 Messstellen in Wasserschutzgebieten die Grundwasserqualität. Neben Nitrat und Pflanzenschutzmitteln wird das Grundwasser hierbei regelmäßig auch auf organische Spurenstoffe untersucht. „Das Messnetz gibt uns einen guten Überblick über unser Grundwasser, sowohl was die Menge als auch die Qualität angeht. Stellen wir Probleme fest, können wir zeitnah handeln und Gegenmaßnahmen auf den Weg bringen“, sagte Umweltminister Untersteller.

Weitere Ergebnisse der Grundwasserüberwachung 2015

Grundwasservorräte allgemein

Der Jahresniederschlag 2015 war mit 75 Prozent des langjährigen Mittels stark unterdurchschnittlich. In den letzten 15 Jahren war nur der Extremsommer 2003 mit 68 Prozent noch trockener. Nach sehr hohen Niederschlägen im Januar folgten mehrere unterdurchschnittliche Monate im Frühjahr und im Sommer/Herbst. Dadurch war auch die Grundwasserneubildung über das gesamte Jahr gesehen um etwa 30 Prozent geringer als im langjährigen Mittel. Die hohen Grundwasserstände der ersten Jahreshälfte sanken ab Juni deutlich auf ein im Mittel sehr niedriges Niveau gegen Jahresende. Erst Niederschläge im November und im Dezember sorgten teilweise für eine leichte Erholung. Die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser war dabei jederzeit gesichert.

Wasserschutzgebiete

Etwas mehr als ein Viertel der Landesfläche ist als Wasserschutzgebiet ausgewiesen; dort gilt die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO), wonach die Wasserschutzgebiete in Abhängigkeit von der Nitratbelastung in sogenannte „Normalgebiete” (79 Prozent der Wasserschutzgebietsfläche) sowie „Problemgebiete” und „Sanierungsgebiete” (21 Prozent der Wasserschutzgebietsfläche) eingeteilt werden. Die Nitratbelastung des Grundwassers wird insbesondere durch Auswaschung des Stickstoffs in Form von Nitrat aus landwirtschaftlich genutzten Böden verursacht.

Pflanzenschutzmittel

Die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln wird hauptsächlich durch Wirkstoffe und deren Abbauprodukte verursacht, die schon seit rund 25 Jahren verboten sind. Diese Substanzen werden im Grundwasser nur sehr langsam abgebaut und werden daher noch lange nachzuweisen sein. Die Konzentrationen sind überwiegend rückläufig.

Organische Spurenstoffe

Belastungen mit Leichtflüchtigen Halogenkohlenwasserstoffen (LHKW) sind hauptsächlich im Einflussbereich von Siedlung und Industrie zu finden, wobei sich die Verursacher meist zuordnen lassen. So wurde bei der Untersuchungskampagne 2013 bis 2015 der einschlägige Schwellenwert der Grundwasserverordnung von 10 Mikrogramm pro Liter (µg/l) für die ‚Summe Tri- und Tetrachlorethen‘ im Gesamtmessnetz an 4,4 Prozent der Messstellen überschritten, an den industriell beeinflussten Messstellen an 12,3 Prozent. Aufgrund erhöhter Sicherheitsmaßnahmen seitens Industrie und Gewerbe sind die Konzentrationen in den letzten 20 Jahren merklich zurückgegangen.

Stoffe wie Benzol und Toluol wurden im Grundwassermessnetz nur in Einzelfällen gefunden. Die Benzinzusatzstoffe Methyltertiärbutylether (MTBE) und Ethyltertiärbutylether (ETBE) stellen im Bereich von Tankstellen, Benzinlagern und Altlasten punktuell ein Problem für das Grundwasser dar. Gegenüber den beiden vorherigen Beprobungskampagnen haben die Belastungen weiter abgenommen.

Süßstoffe und Benzotriazole haben sich in den letzten Jahren als geeignete sogenannte „Tracer” für kommunale Abwässer erwiesen. Dabei wurden an rund einem Drittel der Messstellen Süßstoffe und an rund einem Sechstel der Messstellen Benzotriazole gefunden. Die Konzentrationen sind zwar überwiegend sehr gering und für den Menschen unbedenklich. Sie deuten aber darauf hin, dass vielfach Abwasser in das Grundwasser gelangt, sei es durch direkten Eintrag aus undichten Abwasserkanälen oder durch Uferfiltrat. Deswegen unterstützt das Land zum Beispiel Städte und Gemeinden dabei, schadhafte Abwasserkanäle zu sanieren und somit das Grundwasser zu schützen.

Bei den PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) konnten eine oder mehrere Verbindungen an rund 40 Prozent der 524 beprobten Grundwassermessstellen nachgewiesen werden. An vier Messstellen wurden die für Baden-Württemberg geltenden Orientierungswerte (Quotientensumme) überschritten. Dabei handelt es sich um bereits bekannte lokale Belastungsschwerpunkte.

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz

Bericht „Grundwasser-Überwachungsprogramm. Ergebnisse der Beprobung 2015” – Kurzbericht

Bericht „Grundwasser-Überwachungsprogramm. Ergebnisse der Beprobung 2015”

Quelle:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg

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