Cybersicherheit

Cybersicherheits-Check für kleine und mittlere Unternehmen

Viele Unternehmen unterschätzen die Gefahr von Cyberangriffen. Mehr als 330 Betriebe wurden bereits mit dem Cybersicherheits-Check auf ihre Cybersicherheit geprüft.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
ILLUSTRATION - Auf einer Computertastatur liegen Kreditkarten.
Symbolbild

Gefahr erkannt, aber nicht gebannt: Trotz steigender Bedrohungen durch Cyberattacken haben nur wenige Unternehmen einen Notfallplan – und das, obwohl ein Angriff existenzielle Folgen haben kann. Das Innenministerium und die angegliederte Cybersicherheitsagentur haben deshalb im Herbst 2024 einen Cybersicherheits-Check entwickelt und mit den Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Land ausgerollt. Mehr als 330 Betriebe wurden seither von den baden-württembergischen IHKs auf ihre Cybersicherheit gecheckt – eine erste Bilanz.

Gerade im digitalen Zeitalter ist nicht nur die Innovationskraft ein Erfolgsfaktor, sondern auch die Cybersicherheit.
Innen- und Digitalisierungsminister Thomas Strobl

Die Zahlen sind alarmierend: Allein 2024 wurden 26 Prozent mehr Malware-Varianten als im Vorjahr entdeckt – das waren insgesamt fast 115 Millionen unbefugte Aktionen in digitalen Systemen. Auch die Schadenssummen brechen immer neue Rekorde, dies belegen der aktuelle Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ebenso wie die aktuelle Veröffentlichung des Branchenverbandes Bitkom e.V. Danach entstand der deutschen Wirtschaft auch 2024 erneut ein Rekordschaden durch digitale und analoge Angriffe in Höhe von 267 Milliarden Euro, davon alleine 179 Milliarden Euro durch Cybercrime.

„Viele Unternehmen unterschätzen die Gefahr von Cyberangriffen. Dabei sind überwiegend kleine und mittlere Unternehmen betroffen. Sie werden verstärkt ausgespäht oder durch Attacken auf Computernetze, Soft- und Hardware erpresst“, sagt Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart, die beim Cybersicherheits-Check bereits in der Pilotphase am Start war und seither mehr als 100 Cybersicherheits-Checks durchgeführt hat. „Unsere Sicherheits-Checks sind daher ein gutes niederschwelliges Beratungsangebot, das dabei hilft, Sicherheitslücken im Betrieb zu erkennen und zu schließen.“

Passgenaues Beratungsangebot für die Unternehmensführungen von KMU

Innenministerium, Landeskriminalamt und Cybersicherheitsagentur haben den „CyberSicherheits-Check für KMU“ gemeinsam mit Partnern aus Forschung (der Hochschule Aalen) und Wirtschaft (der IHK Ostwürttemberg) entwickelt – und damit ein passgenaues Beratungsangebot für die Unternehmensführungen von KMU an den Start gebracht. Unter der Steuerung der Hochschule Aalen und mit großer Unterstützung der IHK Ostwürttemberg, die unter anderem ein entsprechendes Schulungsformat für Beraterinnen und Berater umsetzt, konnte die Beratung in den letzten Monaten ausgerollt und erprobt werden. Dieses ist deutlich niederschwelliger als die umfassendere Beratung etwa des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) – und damit gerade für kleine und mittlere Unternehmen ein interessanter Einstieg in das Thema Cybersicherheit.

Eine, die das bereits ausprobiert hat, ist Claudia Hofmann – und das, obwohl die Geschäftsführerin der rhv-Technik GmbH & Co. KG in Waiblingen anfangs eher skeptisch war. „Ich habe mich gefragt, was so ein Sicherheitscheck bringen soll“, gibt Hofmann zu, hat ihre Haltung nach der rund einstündigen Beratung aber revidiert. „Der Check hat sich in jedem Fall gelohnt, denn er hat uns die Augen geöffnet, wo es eben doch sicherheitstechnische Schwachstellen im Betrieb gibt. Und wir haben den Impuls und das nötige Know-how bekommen, das schnell zu ändern.“

Reaktion direkt nach dem Angriff ist entscheidend

Roman Leonov, IT-Experte bei der IHK Region Stuttgart, ist einer der Mitarbeiter, der die Checks in den Unternehmen durchführt. „Neben den fehlenden Notfallplänen ist uns aufgefallen, dass sich häufig nur die Verantwortlichen selbst informieren. Das Wissen und die notwendige Sensibilisierung werden aber nicht an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergegeben. Dabei kann gerade die Reaktion in den ersten Stunden nach einem Angriff entscheidend für das Ausmaß sein“, erklärt Leonov. In jedem Fall hätten die Checks aber gezeigt, dass fast jedes Unternehmen wichtige Tipps zur Verbesserung der IT-Sicherheit bekommen könne – und das unabhängig von seiner aktuellen IT-Sicherheitslage.  „Gerade in Zeiten steigender Cyberangriffe brauchen Unternehmen praxisnahe und leicht umsetzbare Lösungen. Mit dem Cybersicherheits-Check legen wir den Grundstein für mehr Sicherheit in der digitalen Wirtschaft“, betont Claus Paal.

„Wir brauchen hier ein Umdenken. Der digitale Wandel beginnt in den Köpfen. Cybersicherheit muss zur Chefsache werden! Das reicht aber nicht. Das Thema Cybersicherheit muss bei allen Mitarbeitern verankert sein“, betont Innenminister Thomas Strobl.

Weitere Meldungen

Symbolbild zur Künstlichen Intelligenz mit einem Prozessor und dem Schriftzug "AI Artificial Intelligence Technology"
Technologie

Chipindustrie-Ökosystem in Baden-Württemberg wächst

Paragraph vor Laptop
Justiz

Bundesweit erstes Gericht mit neuer Justiz-Software

Ein Logo des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Wissenschaft und Forschung

KIT wird Forschungshub für Fusionstechnologie

Firma WMB Ventilatoren GmbH in Obersontheim
Ländlicher Raum

Jetzt noch für „Spitze auf dem Land!“ bewerben

Ministerialdirektorin Gerda Windey
Justiz

Innovationstag zu Künstlicher Intelligenz und Justiz

Ein Gruppenbild mit einer Delegation aus Lwiw und der Ministerin
Wirtschaft

Wirtschaftsforum Baden-Württemberg – Ukraine

Zwei Straßenwärter knien auf dem Boden und verlegen Steine.
Straße

44 neue Straßenwärter für Baden-Württemberg

Ein Ausbilder im Garten- und Landschaftsbau (r.) erklärt einem angehenden Gärtner (l.) das Einpflanzen einer Dachbegrünung. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Meisterbriefe für Floristen und Gärtner

Verfassungsschutzbericht 2025
Verfassungsschutz

Verfassungsschutzbericht 2025 vorgestellt

Collage: Screenshot der Website https://oegd-bw-karriere.de und Kampagnenmotiv des ÖGD Baden-Württemberg
Gesundheit

Öffentlicher Gesundheitsdienst wirbt um Nachwuchskräfte

Eine Hand hält einen in augmented Reality illustrierten Kopf.
Wirtschaft

Zwei Millionen Euro für vier Digital Hubs

Ein Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH überprüft mit einem Tablet die Betriebsdaten von vernetzten Maschinen für Metallspritzguss. (Foto: © dpa)
Wirtschaft

Land fördert Stärkung resilienter Lieferketten

Umweltpreis für Unternehmen 2026: Preisgegenstand ohne die Aufschrift „Die Preisträger“
Umweltschutz

17 Unternehmen für den Umweltpreis 2026 nominiert

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (Mitte) bei der Bescheidübergabe
Forschung

Rund eine Million Euro für Robotik-Innovation

Eine junge Frau forscht im Life Science Center der Universität Hohenheim an Pflanzen in Klimakammern (Symbolbild: © dpa).
Wissenschaft und Forschung

99 Projekte für eine postfossile Zukunft