Europäischer Sozialfonds

Mehr Frauen mit Migrationserfahrung in Arbeit

Die Europäische Union und das Land bringen mehr Frauen mit Migrationserfahrung in Arbeit. Um dies weiter zu unterstützen, werden 18 Projekte mit 3,3 Millionen Euro durch den Europäischen Sozialfonds Plus gefördert.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Eine Doktorandin aus Venezuela arbeitet im Labor. (Bild: © dpa)
Symbolbild

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration unterstützt in der Förderlinie „Perspektive Arbeit – Aufwind für Frauen mit Migrationserfahrung“ des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) 18 Projektträger mit einem Fördervolumen von rund 3,3 Millionen Euro. Dabei stammen knapp drei Millionen Euro aus dem ESF Plus und etwa 300.000 Euro aus Landesmitteln. Die Projektlaufzeit beginnt am 1. Juni 2026 und endet am 31. Dezember 2028.

Migration und Vielfalt prägen Baden-Württemberg 

„Baden-Württemberg ist ein Einwanderungsland. Migration und Vielfalt prägen unsere Gesellschaft und stellen gleichzeitig Chancen und Herausforderungen dar, insbesondere im Kontext von Teilhabe und Gleichstellung“, sagte Manne Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration. „In diesem Spannungsfeld sind Frauen mit Migrationserfahrung eine besonders betroffene Gruppe. Sie bringen Fähigkeiten, kulturelle Perspektiven und Erfahrungen mit, die unsere Gesellschaft bereichern“, so der Minister weiter. Dennoch seien sie in der deutschen Arbeitswelt nach wie vor unterrepräsentiert und ihr Potenzial werde nicht ausgeschöpft.

Strukturelle Hürden erschweren diesen Frauen den Zugang zur Erwerbstätigkeit – trotz hoher Motivation und vorhandener Qualifikationen. Dreh- und Angelpunkt sind fehlende Kinderbetreuungsangebote, dazu kommt die unzureichende Anerkennung ausländischer Abschlüsse, mangelnde Kenntnisse über das deutsche Bildungs- und Beschäftigungssystem sowie Sprachbarrieren. Frauen übernehmen eine zentrale Rolle als Multiplikatorinnen von Integration innerhalb ihrer Familien – doch diese Rolle hat den Preis, dass sie sich meist für die Familie und gegen die Arbeit entscheiden müssen.

Individuelle Fähigkeiten ausbauen und selbstbewusst umsetzen

Die ausgewählten Projekte unterstützen Frauen mit Migrationserfahrung mit individuellem Coaching, sie bieten berufsbezogene Seminare oder erproben erlernte Inhalte direkt in der Praxis und Anwendung. Die geförderten Frauen werden ermutigt, Hemmnisse zu überwinden, ihre Fähigkeiten auszubauen und selbstbewusst umzusetzen. So sollen nachhaltige Übergänge in Qualifizierung und Arbeit gelingen.

Liste der geförderten Träger

  • Gesamtsumme ESF-Plus-Förderung: 2.980.000 Euro
  • Förderbeträge pro Projekt jeweils in Euro gerundet.

Aktuelle Daten aus dem Integrationsmonitoring der Länder zeigen: In Baden-Württemberg liegt die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund bis zu 14 Prozent unter der von Frauen ohne Migrationshintergrund, bundesweit beträgt der Unterschied sogar 18 Prozent. Neben geschlechtsspezifischen Benachteiligungen sind diese Frauen zusätzlich mit migrationsbedingten Herausforderungen konfrontiert. Traditionelle Rollenbilder, unterbrochene Bildungsbiografien und fehlende Netzwerke erschweren die nachhaltige Integration in Gesellschaft und Arbeitsleben.

Zwar stellen Integrationskurse einen wichtigen ersten Schritt dar, doch häufig fehlen systematische Anschlussstrukturen. Viele Frauen erleben nach dem Abschluss eines Integrationskurses einen Bruch in ihrem Integrationsverlauf. Dabei ist der Wunsch nach beruflicher Teilhabe groß – nicht zuletzt auch im Hinblick auf eine eigenständige, von Partnern unabhängige Lebensgestaltung. Vor diesem Hintergrund setzt die Förderlinie „Perspektive Arbeit – Aufwind für Frauen mit Migrationserfahrung“ gezielt an der Schnittstelle zwischen Integrationskurs und Erwerbstätigkeit an. Das Sozialministerium hat den Aufruf zusammen mit der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit entwickelt.

Erwerbstätigkeit ist ein starkes Vorbild für die eigene Familie

„Erwerbstätigkeit ist für Frauen mit Migrationshintergrund weit mehr als ein Einkommen – sie ist der Schlüssel zu Integration, Selbstständigkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und ein starkes Vorbild für die eigene Familie“, betonte Sabine Schultheiß, Geschäftsführerin Operativ der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. „Dabei sind die geförderten Projekte eine wichtige Ergänzung der bestehenden Unterstützungsnetzwerke vor Ort. Sie unterstützen die Integration von Frauen aber auch der Kinder entscheidend und sorgen für eine nachhaltige Vernetzung.“

Frauen mit Migrationserfahrung sollen individuell gestärkt, begleitet und ermutigt werden, um ihre Fähigkeiten selbstbewusst einzubringen und ihren Weg in eine nachhaltige Beschäftigung erfolgreich zu gestalten. Ihre soziale, kulturelle und berufliche Teilhabe soll sich positiv auf Kinder und Partner auswirken und die Integration ganzer Gemeinschaften nachhaltig stärken. Die Förderung leistet damit einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengleichheit, gesellschaftlicher Teilhabe und zur Fachkräftesicherung in Baden-Württemberg.

Europäischer Sozialfonds Plus

In der aktuellen Förderperiode (2021 bis 2027) heißt der EU-Fonds Europäischer Sozialfonds Plus (ESF Plus). Er ist das wichtigste Finanzierungs- und Förderinstrument der EU für Investitionen in Menschen. Er zielt darauf ab, die Beschäftigungs- und Bildungschancen der Menschen in der EU zu verbessern. Dafür stellt die EU den Mitgliedstaaten bereits seit 1957 Mittel zur Verfügung.

Baden-Württemberg erhält in der aktuellen Förderperiode 2021 bis 2027 rund 218 Millionen Euro an ESF-Plus-Mitteln. Der Fonds gewährt keine Vollfinanzierung von Maßnahmen, sondern beteiligt sich an den Gesamtkosten eines Vorhabens. Der ESF Plus hat einen EU-Fördersatz von 40 Prozent. Die restlichen Mittel steuern der Projektträger oder andere private beziehungsweise öffentliche Finanzierungsquellen bei. Einrichtungen, Organisationen und Unternehmen können ESF-Plus-Fördermittel beantragen, indem sie sich auf einen aktuellen Projektaufruf bewerben oder einen Antrag in einem Förderprogramm stellen. Privatpersonen können keinen Förderantrag stellen. Sie profitieren über ihre Teilnahme an vom ESF Plus geförderten Projekten und Förderprogrammen.

ESF-Plus in Baden-Württemberg

Weitere Meldungen

Kleinkind auf Rutsche
Stadtentwicklung

Land fördert drei nichtinvestive Städtebauprojekte

Ministerpräsident Kretschmann und Minister Strobl
Bundesrat

Strobl hält letzte Rede im Bundesrat

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) im Gespräch mit Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (rechts), Bürgermeister von Bremen.
Bundesrat

Kretschmann im Bundesrat verabschiedet

Eine Haltekelle der Polizei ist bei einer Kontrolle vor einem Polizeifahrzeug zu sehen. (Foto: © dpa)
Innere Sicherheit

Bilanz zum länderübergreifenden Fahndungs- und Sicherheitstag

Esslingen Marktplatz Geiselbachkanal
Denkmalförderung

Rund 6,9 Millionen Euro für 63 Kulturdenkmale

Organspendeausweis
Organspende

Bundestag diskutiert über Widerspruchsregelung bei der Organspende

Luftbild vom Quartier Kanadaring in Lahr
Flächenmanagement

Land entwickelt kostenloses Tool zum Digitalen Flächenmanagement

Portrait Neue Finanzamtsleitung Schorndorf Frau Danzebrink
Verwaltung

Neue Leiterin des Finanzamts Schorndorf

Ein fahrendes schwarzes Auto mit gelber Aufschrift "Deine Mutter fährt nicht betrunken" und Team Vision Zero.
Verkehrssicherheit

Mehr Unfälle rund um die Feiertage

Ein Mädchen watet durch die überschwemmte Innenstadt von Veringenstadt. (Foto: © dpa)
Gesellschaft

Menschen besser auf Krisen vorbereiten

Symbolbild zur Künstlichen Intelligenz mit einem Prozessor und dem Schriftzug "AI Artificial Intelligence Technology"
Innovation

Land stärkt digitale Innovationszentren

Traktor auf dem Feld
Landwirtschaft

Stichtagsregelung für Ackerflächen kommt

Musikfestival
Kultur

Land fördert 25 Popmusik-Projekte mit rund 345.000 Euro

Holzbau
Forst

Fünfter Fachkongress Holzbau

Der Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr, Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm, und Gesundheitsminister Manne Lucha sitzen nebeneinander und unterzeichnen jeweils ein Dokument.
Gesundheit

Gesundheitssystem im Land auf Krisenfälle vorbereiten