Kunst

Annette Pehnt erhält Johann-Peter-Hebel-Preis 2026

Die in Freiburg lebende Autorin Annette Pehnt wird mit dem Johann-Peter-Hebel-Preis 2026 des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Anlässlich des 200. Todesjahres Hebels erhält Literaturwissenschaftler Friedrich Pfäfflin einen Ehrenpreis.

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Portrait Annette Pehnt

Annette Pehnt bekommt den Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg für ihr literarisches Oeuvre. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre anlässlich des Geburtstags des Dichters am 10. Mai beim Johann-Peter-Hebel-Fest in Hausen im Wiesental verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger stehen in der Tradition Johann Peter Hebels, des alemannischen Dichters der Aufklärung mit Bewusstsein für Tradition, regionale Sprache und Heimatverbundenheit.

„Annette Pehnt ist eine herausragende Schriftstellerin, deren literarisches Schaffen durch kunstvolle Verknappung der Sprache, genaue Alltagsbeobachtung und große Formenvielfalt überzeugt und besticht“, sagte Kunstministerin Petra Olschowski anlässlich der Bekanntgabe der Preisträgerin in Stuttgart. „Wie Johann Peter Hebel beherrscht Annette Pehnt die Kunst, im Kleinsten und scheinbar Beiläufigen die wesentlichen Fragen des Lebens zu erfassen.“

Mit ihrer radikal einfachen Sprache erzeuge Annette Pehnt eine innere Spannung, die die Kippmomente des Lebens einfange, so die Jury bei der Begründung der Preisvergabe. Sie lobte die Menschenkenntnis der Autorin, die sprachliche Genauigkeit und erzählerische Ökonomie hervor, die sich in Kurzprosa, Miniaturnovellen, Kalendergeschichten und Fragmenten verknüpften. Der vorläufige Höhepunkt sei der aktuelle Erzählband „Einen Vulkan besteigen“, in dem sich mit einfachst möglichem Ausdruck wesentliche Fragen des Lebens verdichteten, sich aber zwischen den Zeilen weite Assoziations- und Gedankenräume eröffneten.

Besondere Ehrung für das Lebenswerk Friedrich Pfäfflins im Jahr 2026

Anlässlich des 200. Todesjahres von Johann Peter Hebel wird zusätzlich zum Hebel-Preis ein besonderer Ehrenpreis verliehen. Die Ehrung des Literaturwissenschaftlers Friedrich Pfäfflin wird ebenfalls im Rahmen des Hebelfestes ausgesprochen. Friedrich Pfäfflin hat sich jahrzehntelang um die Vermittlung und Pflege der Literatur im alemannischen Sprachraum verdient gemacht und durch die Einrichtung literarischer Gedenk- und Museumsorte in Baden-Württemberg Räume des Schreibens, des Lesens und Erinnerns geschaffen. Er gründete die „Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg“, die beim Deutschen Literaturarchiv in Marbach angesiedelt ist und ohne die auch das Hebel-Museum in Hausen im Wiesental kaum möglich gewesen wäre.

Freiburgs Regierungspräsident Carsten Gabbert leitete die fachkundige Jury, die literarisch versierte Expertinnen und Experten aus dem alemannischen Sprachraum Österreichs, der Schweiz, Frankreichs und Baden-Württembergs vereint.

Zu den bisherigen Preisträgern des Johann-Peter-Hebel-Preises gehören Monika Helfer, Pierre Kretz, Sibylle Berg, Christoph Meckel, Michael Köhlmeier, Albert Schweitzer, Max Picard, Otto Flake, Claude Vigée, Carl Jacob Burckhardt, Martin Heidegger, Marie Luise Kaschnitz, Elias Canetti, Emma Guntz, Arno Geiger, Arnold Stadler, Karl-Heinz Ott und Lukas Bärfuss.

Annette Pehnt

Annette Pehnt, geboren 1967 in Köln, studierte und arbeitete in Irland, Schottland, Australien und den USA. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Freiburg im Breisgau und in Hildesheim, wo sie seit 2018 das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft leitet. 2001 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Ich muß los“, für den sie unter anderem mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet wurde. 2002 erhielt sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt den Preis der Jury für einen Auszug aus dem Roman „Insel 34“, 2008 den Thaddäus-Troll-Preis sowie die Poetikdozentur der Fachhochschule Wiesbaden und 2009 den Italo Svevo-Preis. Weitere Auszeichnungen waren 2012 der Solothurner Literaturpreis und der Hermann Hesse Preis, 2017 der Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg, 2020 der Rheingau-Literaturpreis und 2023 der Große Preis des Deutschen Literaturfonds für das Gesamtwerk. Im vergangenen Jahr war Annette Pehnt Stipendiatin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia. Zuletzt erschienen der preisgekrönte Roman „Die Schmutzige Frau“ (Piper 2023) und der Erzählband „Einen Vulkan besteigen“ (Piper 2025). Darüber hinaus schrieb Annette Pehnt mehrere Kinderbücher, unter anderem „Der Bärbeiß“ (Hanser 2013).

Friedrich Pfäfflin

Friedrich Pfäfflin wurde 1935 in Oberreichenbach im Schwarzwald geboren. Nach seiner Ausbildung als Verlagsbuchhändler arbeitete er für verschiedene Verlage, unter anderem für den Kösel-Verlag und den Hanser-Verlag. 25 Jahre lang hatte er die Leitung der Museumsabteilung am Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar inne. Friedrich Pfäfflin hat durch Gründung der Arbeitsstelle für literarische Museen und Gedenkstätten in Baden-Württemberg die Literaturlandschaft in Baden-Württemberg nachhaltig geprägt. Als Herausgeber der Reprint Ausgabe „Die Fackel“ von Karl Kraus hat er internationale Anerkennung gefunden. Für sein Engagement wurde er 1995 in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. Er erhielt den Ehrendoktor der Literaturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig und 2019 die Ehrenbürgerschaft der Universität Innsbruck.

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