Im neuen Förderprogramm CO.VISION der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg hat eine unabhängige Fachjury neun Innovations- und Kooperationsprojekte zur Förderung ausgewählt. Das Programm stärkt gezielt die Zusammenarbeit zwischen Akteurinnen und Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft mit Unternehmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen anderer Branchen. Im Fokus stehen anwendungsnahe Pilotprojekte mit hohem Innovationspotenzial, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation aktiv mitgestalten. CO.VISION wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg.
Neue Partnerschaften zwischen Kreativwirtschaft, Unternehmen und Forschung
Die ausgewählten Vorhaben verdeutlichen, wie kreative Leistungen und Anwendungen, Designkompetenz und technologische Innovation zusammenwirken können – von nachhaltigem Bauen über inklusive Digitalisierung bis hin zu KI-gestützten Vermittlungs- und Archivlösungen.
„CO.VISION zeigt, wie wichtig kreative Expertise für die Entwicklung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle ist. Die ausgewählten Projekte verbinden Branchen, Perspektiven und Kompetenzen zu starken Partnerschaften an wichtigen Schnittstellen. Dadurch entstehen neue Formen der Wertschöpfung, die Unternehmen voranbringen und Baden-Württemberg als Wirtschafts- und Innovationsstandort stärken“, sagte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus.
Carl Bergengruen, Geschäftsführer der MFG Baden-Württemberg ergänzte: „Die Kultur- und Kreativwirtschaft entwickelt innovative Medienlösungen, Methoden und gestalterische Ansätze, die in vielen Branchen neue Impulse setzen können. Mit CO.VISION nutzen wir genau dieses Potenzial und vernetzen Kultur- und Kreativschaffende mit Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft.“
Begleitprogramm bis November
Die Projektteams erhalten für ihre Kooperation bis zu 20.000 Euro pro Team. Bis Ende November 2026 setzen sie ihre Pilotprojekte um. Parallel nehmen sie an einem begleitenden Programm teil. Es umfasst Coachings und Workshops mit externen Expertinnen und Experten, eine Zwischenpräsentation der ersten Ergebnisse im Juni und eine Abschlussveranstaltung im November. Dort tauschen sich die Teams aus und entwickeln ihre Ansätze weiter.
Die geförderten CO.VISION-Pilotprojekte im Überblick
- Dr. Oussama Mubarak, Semiaddict und Dr. Katrin Dort, Stadtarchiv Karlsruhe
- ArchivRAG entwickelt eine intelligente Suchlösung für historische Audio- und Videoarchive. Mithilfe eines KI-gestützten Wissensgraphen werden Personen, Orte und Ereignisse automatisch erkannt und miteinander verknüpft. Dadurch lassen sich komplexe historische Zusammenhänge einfacher recherchieren – nicht nur per Stichwort, sondern kontextbasiert. Ziel ist eine deutlich verbesserte Zugänglichkeit von Archivmaterial für Forschung, Medien und Öffentlichkeit.
- Innovationsfelder: Künstliche Intelligenz | Kultur & Geschichte | Digitale Infrastruktur
- Jörg Petri, New Digital Craft GmbH und Johannes Müller, LBT Landauer Betonteile GmbH
- Coalymer 3.0 überführt einen innovativen, Kohlenstoffdioxid(CO₂)-speichernden Betonprototyp in die industrielle Serienfertigung. Der „Coalymer Stool“ besteht aus zementfreiem Geopolymerbeton mit Pflanzenkohle und bindet mehr CO₂, als bei seiner Herstellung entsteht. Ziel ist es, Materialinnovation, Design und industrielle Produktion so zusammenzuführen, dass nachhaltige Produkte für den Garten- und Landschaftsbau marktfähig weiterentwickelt werden.
- Innovationsfelder: Nachhaltiges Bauen | Kreislaufwirtschaft | Materialinnovation
- Felix Bastam, Erdmännchen & Bär GmbH und Heinz Bölling, SPOO Group GmbH – mit Sven Seuffert-Uzler, Offene Hilfen gGmbH
- Freizeit für alle entwickelt ein barrierearmes digitales Buchungsportal für Kultur- und Freizeitangebote für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Diese Angebote werden nicht nur sichtbarer und zugänglicher, auch die organisatorische Einbindung wird erleichtert. Die notwendige Organisation und Begleitung durch die Behindertenhilfe wird digital unterstützt und deutlich einfacher. Die Plattform entsteht partizipativ mit einer Co-Design-Gruppe aus Menschen mit Behinderungen und Fachkräften und verbindet digitale Innovation mit konkreter sozialer Teilhabe.
- Innovationsfelder: Inklusion | Digitale Teilhabe | Kulturelle Teilhabe
- Dr. Mostafa Aboughaly, Studio More Architekten PartGmbB und Thorsten Hempel, Werkhalle Mannheim – mit Fraunhofer IAO, Stadt Mannheim & Nighttime Foundation
- Green Sound-proofing entwickelt ein nachhaltiges, gestalterisch anspruchsvolles Lärmschutzsystem für Innenstädte. Statt rein funktionaler Wände entsteht ein modularer, skalierbarer und kreislauffähiger Lärmschutz, der zugleich als urbanes Möbel oder architektonisches Element funktioniert. Ziel ist es, Nachtkultur, Gastronomie und Anwohnerschutz besser in Einklang zu bringen und ein modellhaftes System für Kommunen zu schaffen.
- Innovationsfelder: Stadtentwicklung | Nachhaltige Architektur | Urbane Resilienz
- Matthias Dübon, Dübon Engineering GmbH und Agalya Jebens, Skyspirit GmbH
- KI-netic Spirit verbindet industrielle Robotik mit interaktiver Kunst. Eine neu entwickelte, KI-basierte Motion-Control-Technologie ermöglicht es, komplexe Bewegungen von Schwarmrobotern über Text-Prompts oder Musik zu steuern. Ziel ist es, künstlerische Installationen einfacher, intuitiver und kostengünstiger programmierbar zu machen – und damit neue Formen interaktiver Kunst zu ermöglichen.
- Innovationsfelder: Künstliche Intelligenz | Robotik | Digitale Kunst
- Riccardo Gäckle, Lukas Schönauer, Niclas Wiebe, Herotion GmbH & Maximilian Schmierer, B.REX GmbH
- MyMilo ist eine interaktive, spielerische App, die krebskranke Kinder während und nach der Therapie zu mehr Bewegung motiviert. Medizinisch fundierte Trainingsinhalte werden mit Game-Design, Storytelling und einer animierten dreidimensionale Figur verbunden. Dadurch wird Therapie nicht als Pflicht, sondern als positives und motivierendes Erlebnis erfahrbar. Grundlage bildet eine bereits durchgeführte medizinische Studie sowie eine MDR-Zertifizierung als Medizinprodukt der Klasse 1.
- Innovationsfelder: Gesundheit | Prävention | Gamification
- Dmytro Cherkashyn, Institute for Security and Safety GmbH & Henning Fromme, VICCON GmbH
- VisibleRisk entwickelt eine immersive Virtual-Reality-Simulation für Sicherheitstrainings in Umspannwerken. Seltene, aber hochkritische Risiken werden realitätsnah erlebbar gemacht – inklusive szenariobasiertem Notfalltraining und strukturierter Lückenanalyse. Ziel ist es, Entscheidungsverantwortliche praxisnah auf komplexe Bedrohungsszenarien vorzubereiten und damit die Resilienz kritischer Energieinfrastruktur zu stärken.
- Innovationsfelder: Cyber, Service, Sicherheit | Kritische Infrastruktur | Immersives Training
- María Vallecillos Soldado, KulturRegion Stuttgart & Christopher Binder, freier Medienkünstler/Medienpädagoge
- Die mobile Zockerbude bringt Gaming, Medienbildung und kulturelle Teilhabe in den öffentlichen Raum. Ein umgebauter Bauwagen tourt durch die Region Stuttgart und bietet digitale Spiele, Workshops und kreative Challenges, zum Beispiel zum Themenfeld „Stadt der Zukunft“. Ziel ist es, Chancen und Risiken von Gaming gemeinsam mit Kindern, Eltern und Kommunen zu reflektieren – spielerisch, niedrigschwellig und generationenübergreifend.
- Innovationsfelder: Medienbildung | Partizipation | Digitale Kultur
CO.VISION
CO.VISION ist ein landesweites Förderprogramm der MFG Baden-Württemberg für branchenübergreifende Innovation. Es bringt Akteurinnen und Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft mit Start-ups, kleinen und mittleren Unternehmen sowie weiteren Partnern zusammen, um gemeinsam neue Lösungen für zentrale Zukunftsfragen zu entwickeln. Gefördert werden interdisziplinäre Pilotprojekte in fünf Zukunftsfeldern – von Mobilität über Materialien bis zu Cyber-Sicherheit. Neben einer finanziellen Förderung von bis zu 20.000 Euro erhalten die Projekte fachliche Begleitung, Vernetzungsmöglichkeiten und öffentliche Sichtbarkeit. Das Programm wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert.
MFG Baden-Württemberg
Die MFG Baden-Württemberg ist eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg und des Südwestrundfunks. Aufgabe der MFG ist die Förderung der Filmkultur und -wirtschaft und der Kultur- und Kreativwirtschaft. Mit bedarfsorientierten Programmen und Projekten unterstützt die MFG Baden-Württemberg in ihrem Geschäftsbereich MFG Kreativ Kultur- und Kreativschaffende im Südwesten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Vernetzungs- und Vermittlungsaktivitäten sowie im Kompetenzfeld Digitale Kultur.
Quelle:
MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg














