Artenschutz

Maßnahmenplan zum Schutz des Auerhuhns wirkt

Im Frühjahr 2025 wurden insgesamt 103 balzende Auerhähne an Balzplätzen gezählt. Die eher niedrige Bestandssituation verweist weiterhin auf die angespannte Lage des Auerhuhns im Schwarzwald hin.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Ein Auerhuhn steht im Wald.

„Das diesjährige Balzplatzmonitoring des Auerhuhns im Schwarzwald ist abgeschlossen. Im Frühjahr 2025 wurden insgesamt 103 balzende Auerhähne an Balzplätzen gezählt. Das ist immer noch ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, denn im Jahr 2024 konnten 111 Hähne gezählt werden. Trotzdem sind die Akteure im Auerhuhnschutz vorsichtig optimistisch, dass sich der dramatische Rückgang in den Jahren 2012 bis 2022 nicht weiter fortzusetzen scheint. Klar ist aber auch, dass das Auerhuhn noch lange nicht über dem Berg ist und die Auerhuhn-Besätze im Schwarzwald weiterhin gefährdet sind. Daher müssen wir weiter dran bleiben und die Maßnahmen des Auerhuhn-Aktionsplans konsequent umsetzen“, sagte der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich der Veröffentlichung der diesjährigen Ergebnisse der Balzplatzzählungen in Stuttgart.

Die seit den 1980er Jahren während der Balzzeit jährlich durchgeführten Zählungen gelten als wichtigste Methode zur Bestandserfassung. Sie werden in enger Zusammenarbeit von der Jägerschaft, der Anstalt des öffentlichen Rechts ForstBW, der Landesforstverwaltung, Privatwaldbesitzern, dem Nationalpark Schwarzwald, Ornithologen, dem Verein Auerhuhn im Schwarzwald sowie ehrenamtlichen Personen durchgeführt. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) führt die an den einzelnen Standorten gezählten Hähne zusammen und dokumentiert die Beobachtungen.

Aus dem diesjährigen Gesamtergebnis lässt sich ablesen, dass zumindest in Teilbereichen, in denen die Auerhuhnpopulation im Schwarzwald zwischen 2012 und 2022 auf ein Drittel einbrach, der Rückgang sich nicht weiter in dieser Dramatik fortsetzt. Dies ist für alle Beteiligten ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Mit 103 gezählten balzenden Auerhähnen liegt der Bestand auf ähnlich hohem Niveau-Korridor wie in den drei Vorjahren (2022: 97; 2023: 106; 2024: 111 Hähne). Die aktuell insgesamt dennoch eher niedrige Bestandssituation verweist weiterhin auf die angespannte Lage des Auerhuhns im Schwarzwald und unterstreicht die große Bedeutung der konsequenten Umsetzung von Schutzmaßnahmen, um das Aussterben dieses für den Schwarzwald typischen Vogels zu verhindern.

„Für den Schutz des Auerhuhns ist die konsequente Umsetzung der Maßnahmen unerlässlich. Die Belange des Auerhuhns sollten bei der Definition der Betriebsziele künftig eine deutlich größere Rolle spielen – im Staatswald, im Kommunalwald und auch im Privatwald“, sagte Simon Boos, verantwortlich für das Auerwild beim Landesjagdverband Baden-Württemberg. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg und die Auerwild-Hegegemeinschaften setzen sich auch weiterhin mit Nachdruck für den Erhalt des Auerhuhns im Schwarzwald ein. Seit dem vergangenen Jahr läuft in enger Zusammenarbeit mit dem Verein Auerhuhn im Schwarzwald e.V. ein gemeinsames Projekt zur Professionalisierung des Prädatorenmanagements. Ziel ist es, den Druck durch Beutegreifer wirksam zu reduzieren und damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser bedrohten Art zu leisten. Die Jägerschaft beteiligt sich dabei mit viel Engagement und kontinuierlichem Einsatz.

Eine erste Evaluation des Maßnahmenplans 2023-2028 zum Aktionsplan Auerhuhn habe bestätigt, dass nun deutlich mehr Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. „Die Anstrengungen insbesondere der Waldbesitzer werden damit belohnt. So konnte durch Habitat verbessernde Maßnahmen das Wiederaufleben von Balzplätzen, an seit Jahren verwaisten Standorten, beobachtet werden“, erklärte Dr. Joy Coppes, Wildbiologe im FVA-Wildtierinstitut. Diese positiven Beispiele seien durch wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre unterlegt und wichtige Signale dafür, dass die Schutzmaßnahmen des Maßnahmenplans greifen, aber auch, dass sie konsequent fortgesetzt und weiterentwickelt werden müssten.

Auerhuhn

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) gilt als Charaktervogel des Schwarzwalds. Es ist auf der Roten Liste der Brutvogelarten geführt und gilt bei uns als vom Aussterben bedroht. Traditionell werden die Hähne im Frühjahr an Balzplätzen gezählt und somit der Populationstrend bereits seit den 1980er Jahren fast lückenlos dokumentiert. Diese und weitere über das Jahr zusammengetragene Auerhuhn-Monitoringdaten liefern wichtige Erkenntnisse darüber, in welchen Bereichen aktuell Auerhühner vorkommen. Auf dieser Datenbasis können die Ansprüche der Art berücksichtigt und Schutzmaßnahmen gezielt umgesetzt werden.

Das Auerhuhn ist auf strukturreiche, lichte Wälder angewiesen. Im Schwarzwald sind diese Lebensräume zunehmend durch anthropogene Störungen, zuwachsende Waldbestände und zunehmende Prädatorendichten bedroht. Genau hier setzt der Maßnahmenplan 2023-2028 an. In drei Handlungsfeldern (Lebensraumgestaltung, Störungsreduktion und Prädatorenmanagement) werden konkrete Maßnahmen benannt, die zum Erhalt der Auerhuhnpopulation umgesetzt werden müssen.

Landesjagdverband: Auerwildprojekt

Weitere Meldungen

Landkreis Ravensburg
Gemeinsamer Antrag 2026

Ergebnisse des Flächenüber­wachungssystems einsehbar

Salbei-Glatthafer-Wiese auf einer Böschung im Frühsommer (Foto: © Dr. Tillmann Stottele)
Arten- und Klimaschutz

Wettbewerb „Straßenoasen“ geht in die nächste Runde

Neuer begrünter Mittelstreifen auf einem Teilstück der Straße „Waldsteige“ in Mosbach
Flächenmanagement

Mosbach erhält Prämie für Maßnahme „Waldsteige“

Forstleute untersuchen, wie gesund die Fichte ist.
Forst

Gesellenbriefe für Forstwirtinnen und Forstwirte

Nest der Asiatischen Hornisse
Landwirtschaft

Mehr Förderung bei Nestentfernungen von Asiatischer Hornisse

Blühstreifen statt Straßenbegrenzungsgrün
Naturschutz

Land erfasst 25.000 Hektar Straßenbegleitgrün

Eine Laborantin untersucht Lebensmittel im Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. (Foto: © dpa)
Verbraucherschutz

Jahresbericht der amtlichen Lebensmittelüberwachung

Ein Mitarbeiter einer Biogasanlage von Naturenergie Glemstal befüllt die Anlage mit Biomasse.
Landwirtschaft

Novelle zum EEG 2027 verschenkt Potenzial der Bioenergie

Firma WMB Ventilatoren GmbH in Obersontheim
Ländlicher Raum

Jetzt noch für „Spitze auf dem Land!“ bewerben

Landesgartenschau Ellwangen 2026
Ländlicher Raum

Positive Halbzeitbilanz der Landesgartenschau 2026

Ein Ausbilder im Garten- und Landschaftsbau (r.) erklärt einem angehenden Gärtner (l.) das Einpflanzen einer Dachbegrünung. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Meisterbriefe für Floristen und Gärtner

Ein Hauskaninchen wartet in seinem Stall in einem Gartengeschäft auf einen neuen Besitzer.
Tierschutz

Schülerinnen und Schüler machen sich für Tiere stark

Eine Zauneidechse (Bild: © dpa)
Naturschutz

1,1 Millionen Euro für Naturschutzprojekte

Flurneuordnung Hildrizhausen
Ländlicher Raum

7,5 Millionen Euro für Zukunftsforum Oberkochen

Einsatzkräfte der Feuerwehr errichten am Nonnenbach in Bad Saulgau im Ortsteil Moosheim einen Damm mit Sandsäcken gegen das Hochwasser.
Krisenvorsorge

Gemeinsam gesellschaftliche Resilienz stärken