Schule

Leistungsstarke und besonders leistungsfähige Schüler fördern

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Schüler während des Physikunterrichts im Klassenraum (Bild: dpa)

Das Kultusministerium hat die Schulen im Land benannt, die ab 2018 an der Umsetzung einer Bund-Länder-Initiative zur Förderung leistungsstarker und potentiell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler beteiligt sein werden. Mit der Initiative soll die Qualität des Bildungswesens in Deutschland verbessert werden.

„Um bei der Qualität wieder an die Spitze zu kommen, ist es unerlässlich, dass wir uns auch wieder stärker den leistungsstarken Talenten in den Schulklassen zuwenden. Es geht dabei ausdrücklich nicht um Eliten, sondern um eine breit angelegte Begabtenförderung, denn kluge Köpfe gibt es an allen Schulen“, sagt Kultusministerin Susanne Eisenmann anlässlich der Bund-Länder-Initiative zur Förderung leistungsstarker und potentiell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler. Das Kultusministerium hat heute die 39 Schulen im Land benannt, die ab dem 1. Februar 2018 an der Umsetzung dieser bundesweiten Initiative in Baden-Württemberg beteiligt sein werden. Die auf eine Projektdauer von zehn Jahren angelegte Förderinitiative richtet sich schulartübergreifend an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 1 bis 10. Sie konzentriert sich auf die Fächer Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch und Englisch.

Beitrag zur qualitativen Weiterentwicklung des Bildungswesens

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse internationaler Bildungsvergleichsuntersuchungen soll die Förderinitiative einen Beitrag dazu leisten, das Bildungswesen in Deutschland qualitativ weiterzuentwickeln. „Unser Schulsystem steht derzeit bundesweit und auch in Baden-Württemberg vor Herausforderungen bei der Unterrichtsqualität und Leistungsfähigkeit. Die Initiative soll deshalb eine qualitative Schulentwicklung voranbringen, um leistungsfähige Schülerinnen und Schüler zu entdecken und gezielt zu fördern“, sagt Eisenmann.

Ziel der Initiative ist, Förderstrategien für leistungsstarke und potenziell besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler zu entwickeln und zu optimieren. Besonders in den Blick genommen werden dabei Kinder und Jugendliche aus weniger bildungsnahen Elternhäusern oder mit Migrationshintergrund. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Mädchen in den MINT-Fächern.

Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis

Die Initiative setzt auf eine enge Verzahnung von Schule und Wissenschaft und zeichnet sich dadurch aus, dass individuelle Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozesse durch praxisnahe Bildungsforschung begleitet werden. Im Fokus steht neben der Stärkung der Professionalität von Lehrerinnen und Lehrern auch die Verstärkung und qualitative Verbesserung von Beratungsangeboten. „Um auch international bei der Leistungsfähigkeit wieder an die Spitze zu gelangen, ist eine fundierte Bildungsforschung notwendig. So können wir Ansätze aus der Praxis evaluieren und auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Diese Erkenntnisse kommen dann allen Schulen zu Gute“, sagt Eisenmann.

Die Zielrichtung der Bund-Länder-Initiative füge sich damit hervorragend in das jüngst vorgestellte Qualitätskonzept Baden-Württembergs ein. Kern dieses Konzepts sei es, die Unterrichtspraxis künftig am aktuellen Stand der Wissenschaft und auf der Grundlage abgesicherter Erkenntnisse auszurichten und die Schulen auf dieser Basis bei ihrer qualitativen Schulentwicklung zu unterstützen. Deshalb sei geplant, bei der Umsetzung der Initiative auch die ab 2019 in Baden-Württemberg neu entstehenden Strukturen für eine datengestützte Schulentwicklung und zur Qualitätsberatung mit in das Konzept einzubeziehen.

„Leistungsstarke Schüler gibt es an allen Schularten“

An der Initiative nehmen bundesweit 300 Schulen teil – auf Baden-Württemberg entfallen gemäß Königsteiner Schlüssel 39 Schulen. Bei der Ausschreibung hat das Kultusministerium sieben regionale Cluster definiert, die die regionale Netzwerkbildung besonders begünstigen. Den Kern dieser Cluster bildet jeweils ein Gymnasium mit Hochbegabtenzug. Dabei wurde darauf geachtet, dass sich diese nicht in Universitätsstädten befinden, sondern eher im ländlichen Raum, um künftig eine bewusst ausgewogene Stadt-Land-Verteilung bei der Begabtenförderung zu entwickeln.

Um eine Teilnahme konnten sich in Baden-Württemberg allgemein bildende Schulen mit Standort in einer der sieben definierten Regionen bewerben. Landesweit nehmen ab Februar des kommenden Jahres 15 Grundschulen und 24 weiterführende Schulen (vier Haupt-/Werkrealschulen, vier Realschulen, vier Gemeinschaftsschulen und zwölf Gymnasien) an der Förderinitiative teil. „Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gibt es an allen Schularten. Deshalb freut es mich besonders, dass wir für die Förderinitiative Gymnasien, Realschulen, Gemeinschaftsschulen, Haupt- und Werkrealschulen sowie Grundschulen im Land gleichermaßen begeistern konnten“, betont die Ministerin. Die Vernetzung von Schulen unterschiedlicher Schularten ermögliche es, Erfahrungen und Expertise, die es bei der Begabtenförderung bereits gebe – zum Beispiel bei den Gymnasien mit einem Hochbegabtenzug – auch anderen Schulen zugänglich zu machen.

Wesentlich war daher bei der Auswahl der Schulen neben der Bereitschaft zur Veränderung und zur Entwicklung schulischer und außerunterrichtlicher Förderstrategien die räumliche Nähe der Schulen zueinander, um aktiv am Aufbau einer auch schulartübergreifenden Netzwerkstruktur mitzuwirken. Aufgrund der Bedeutung der Übergänge soll der Kooperation zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen eine besondere Bedeutung zukommen.

Die zehnjährige Initiative beginnt im Schuljahr 2017/18 und besteht aus zwei Phasen, die jeweils auf fünf Jahre angelegt sind. Die erste Phase zielt darauf ab, schulische Strategien und Konzepte zur Förderung leistungsstarker und potentiell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler zu entwickeln beziehungsweise weiterzuentwickeln. Dabei sollen die Schulen von Wissenschaftlergruppen beraten und unterstützt werden. Eine entsprechende Ausschreibung zur Bildung zweier interdisziplinärer Forschungsverbünde seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung läuft derzeit. Kern der zweiten Phase ist der Transfer der Ergebnisse. Die in der ersten Phase beteiligten Schulen sollen dabei als Multiplikatoren für andere Schulen fungieren.

Weitere Informationen

Die Umsetzung der Förderinitiative wird von Bund und Ländern zu gleichen Teilen mit insgesamt 125 Millionen Euro finanziert. Der Bund übernimmt die Kosten der Forschungsförderung sowie die Kosten für den bundesweiten Projektträger. Die Länder tragen die Kosten für die erforderliche Unterstützung der teilnehmenden Schulen sowie für die zusätzlichen Beratungs- und Betreuungsaufgaben. Baden-Württemberg leistet dabei einen Beitrag von jährlich 648.000 (erste Projektphase) und 972.000 Euro (zweite Projektphase).

Der offizielle Start der gemeinsamen Initiative von Bund und Ländern ist der 1. Februar 2018. Im Januar 2018 lädt das Bundesministerium für Bildung und Forschung alle 300 bundesweit beteiligten Schulen zu einer Kick-off-Veranstaltung nach Berlin ein.

Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Bund-Länder-Initiative

Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Bund-Länder-Initiative mit Zeitplan (PDF)

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