In der zweiten Förderrunde des POPLÄND-Programms Perspektive Pop 2.0 stärkt das Land die kreative Arbeit professionellen Popmusikerinnen und Popmusikern sowie Festival-, Club- und Konzertveranstaltende in Baden-Württemberg mit Projektförderungen in Höhe von insgesamt rund 345.000 Euro. Eine fünfköpfige Fachjury wählte aus 160 eingegangenen Anträgen elf Musikprojekte sowie 14 Festivals und Newcomer-Konzertreihen für eine Förderung aus. Dabei wurden urbane Pop-Zentren wie Mannheim und Stuttgart ebenso berücksichtigt wie Gegenden ohne substantielle Popinfrastruktur wie etwa Tuttlingen, Simmersfeld oder Wangen im Allgäu.
Kunststaatssekretär Arne Braun sagte: „Die Rückmeldungen zur ersten Förderrunde haben gezeigt, wie wertvoll Perspektive Pop 2.0 für die Szene ist. Mit dem Programm unterstützen wir entscheidende Professionalisierungsschritte und stärken gezielt den Aufbau und Erhalt einer lebendigen Livemusik-Infrastruktur im Land. Gleichzeitig schaffen wir verlässliche Freiräume, um neue Ideen und finanziell anspruchsvolle Projekte auf hohem Niveau umzusetzen und um sich auch überregional zu positionieren. Besonders freut mich, dass in der Förderrunde 2026 deutlich mehr Anträge aus eher ländlichen Regionen und auch Bewerbungen mit clubkultureller Bedeutung eingegangen sind. So erreichen wir noch besser die Breite der Szene.“
Pop als Gesamtkunstwerk
Insgesamt zeigte die Förderrunde 2026: Musik wird immer häufiger nicht mehr isoliert gedacht, sondern von Beginn an zusammen mit Bild und Bühne als Einheit konzipiert – etwa durch audio-reaktive Lichtinstallationen, Animationsbranding oder multimediale Release-Strategien.
Die Jury hob die außergewöhnliche Spannbreite künstlerischer Reife in der Förderrunde 2026 hervor: Auf der einen Seite stehen Künstlerinnen und Künstler, die mit ihrem ersten Album oder ihrer ersten EP überhaupt einen professionellen Schritt wagen – auf der anderen Seite Projekte von Musikerinnen und Musikern, die längst ein nationales Publikum erreichen und mit insgesamt fast einer Million monatlicher Hörerinnen und Hörer belegen, dass Baden-Württemberg popkulturelle Strahlkraft besitzt.
Newcomer mitdenken – als strukturelles Prinzip
Angesichts der Vielzahl an Anträgen hat die Jury bei der Beurteilung von Konzepten für Veranstaltungen besonders genau hingeschaut, ob und wie Newcomer aktiv mitgedacht werden. „Wir verstehen das Festival nicht als Selbstzweck, sondern als Plattform.“ Konzepte, die Nachwuchskünstlerinnen und -künstler sichtbar machen, ihnen faire Bedingungen bieten und sie in professionelle Kontexte einbetten, wurden daher besonders gewürdigt. „Newcomer-Förderung beginnt eben nicht erst bei der Einzelproduktion – sie braucht auch Bühnen, die diesen Namen verdienen“, so die diesjährige Jury über ihre Auswahl.
Jurymitglieder 2026
- Laurin Basler (Ulm), Leiter der popbastion.ulm (RegioNet-Mitglied für die Region Donau-Iller)
- Zora Brändle (Mannheim), Vorsitzende von Clubkultur Baden-Württemberg e. V., Leiterin Delta Konzerte bei der halle02 Heidelberg
- Walter Ercolino (Stuttgart), Leiter des Pop-Büros Region Stuttgart und der About Pop, Vorstand von pop.bw
- Sarah Petrasch (Reutlingen), geschäftsführende Vorständin des Kulturzentrums franz.K (ausgezeichnet mit dem POPLÄND Award 2025 und dem APPLAUS-Preis 2025)
- Christian Pertschy (Freiburg), Leiter des Popbüros Südlicher Oberrhein, Geschäftsführer der Jazz & Rock Schulen Freiburg, Vorstand von pop.bw
Perspektive Pop 2.0
Das Förderprogramm Perspektive Pop 2.0 ist ein Ergebnis des Popdialogs 2023/2024 und wurde 2025 im Rahmen der POPLÄND-Initiative des Kunstministeriums initiiert. Es wird jährlich in zwei Programmlinien für Musikerinnen und Musiker (Linie A) und Livemusik-Veranstaltungen (Linie B) ausgeschrieben. Eine neue Förderrunde wird voraussichtlich Anfang 2027 ausgeschrieben.
Beispiele aus der Projektauswahl 2026
- Fördersumme: 13.700 Euro
- SOFFIE releast im Herbst ihr Debüt-Album. Auf 12 Tracks möchte die Indie-Pop-Künstlerin zeigen, dass sie zu sich selbst gefunden – und dabei ihren ganz eigenen Sound entwickelt hat. SOFFIE möchte kompromisslos sie selbst sein. Das bedeutet: laut und doch sanft, ehrlich und doch optimistisch, emotional und doch tanzbar. SOFFIEs Debütalbum bündelt all das, was SOFFIE über sich und ihre Kunst gelernt hat. Sie erzählt Geschichten von Selbstzweifeln, Mut und dem Gefühl, endlich angekommen zu sein – bei sich selbst.
- Fördersumme: 15.000 Euro
- 2026 wird ein yara-Jahr. Nach dem Erfolg ihrer Single „Legohaus", diversen Spotify-Playlistplatzierungen, Support-Shows für Mola, Udo West und andere, dem Release ihres Debütalbums im Sommer 2026 und einem vollgepackten Festival-Sommer machen die yaras ab Juli nahtlos weiter: mit neuen Songs und einer neuen EP, die im Januar 27 veröffentlicht werden soll und den Soundtrack ihrer ausgedehnten GSA-Tour 26/27 liefern wird.
- Fördersumme: 15.000 Euro
- Rave InToxication bringt elektronische Clubveranstaltungen in das Mobilat Heilbronn. In experimentellen „Newcomer Nights“ sollen lokale Newcomer in professionellen Strukturen auftreten können. Ziel ist es, neue Formate der Clubkultur zu etablieren, Diversität und Awareness erlebbar zu machen, lokale Talente zu fördern und neue Zielgruppen anzusprechen.
- Fördersumme: 15.000 Euro
- Mit dem Perspektive Pop 2.0-Förderung wird das MAIFELD DERBY Future Lab realisiert. Das Projekt umfasst die Durchführung der Veranstaltung Maifeld Derby „Holidays Dehäm Amüsement", sowie die Qualifizierung eines nachhaltigen Teams für eine mögliche Rückkehr des MAIFELD DERBY als mehrtägiges Festival in Mannheim. Das Projekt unterstützt die Durchführung des kuratierten, anspruchsvollen, nationalen und internationalen Programms, qualifiziert Ehrenamtliche und Nachwuchs hinter der Bühne und sichert damit das gesammelte Know-how für zukünftige Produktionen.
- Fördersumme: 14.950 Euro
- Seba Kaapstad produziert ein Album mit acht Songs zwischen R&B, Hip-Hop, Afrobeats und elektronischer Musik. Die Texte und Melodien von Zoe Modiga und Ndumiso Manana setzen sich künstlerisch mit aktuellen globalen Entwicklungen auseinander und stellen mit ihrer afrikanischen Perspektive einen Kontrast zu den europäisch anmutenden Beats von Sebastian Schuster und Philip Scheibel dar. Gastmusikerinnen und -musiker wie Philo Tsoungui und Frank Kuruc bereichern das Klangspektrum. Drei Singles erscheinen vorab zusammen mit Video-Snippets, die das transkulturelle Hörerlebnis visuell abrunden.
- Fördersumme: 15.000 Euro
- Uffmucke ist eine mobile Konzertreihe, die leerstehende Wirtshäuser im Landkreis Tuttlingen temporär in kulturelle Spielorte verwandelt. Initiiert und umgesetzt wird das Projekt von KUKAV e. V. und der Kunst- und Kulturzeitschrift „das netz" in Kooperation mit lokalen Partnern. Im Förderzeitraum werden in ausgewählten leerstehenden Gasthäusern Konzerte mit regionalen und überregionalen Künstlerinnen und Küpnstlern realisiert. Ziel ist es, zeitgenössische Livemusik in den ländlichen Raum zu bringen, kulturelle Teilhabe zu stärken und leerstehende Gebäude als Orte der Begegnung neu zu aktivieren.















