Weinbau

Einsatz von Kaliumphosphonaten im Bio-Weinbau gefordert

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Die Weinberg-Steillagen mit mittelalterlichen Trockenmauern am Neckar bei Lauffen (Baden-Württemberg). (Bild: Bernd Weißbrod / dpa)

Baden-Württemberg fordert zusammen mit Luxemburg, Österreich und Tschechien, Landtags- und Europaparlamentariern sowie den Bio- und Weinbau-Verbänden neben Kupfer auch wieder den Einsatz von Kaliumphosphonaten 2017 im Bio-Weinbau. Die EU-Kommission dürfe nicht billigend in Kauf nehmen, dass die Bio-Weinbaubetriebe in Mitteleuropa mangels geeigneter Maßnahmen zur Regulierung von Krankheiten die Produktion aufgeben, so Landwirtschaftsminister Peter Hauk.

In den letzten Jahren wurde die Produktion ökologisch erzeugter Weine in Europa und in Deutschland Schritt für Schritt ausgebaut. Es ist ein stabiler und kontinuierlich wachsender Markt für Bio-Weine entstanden, mit weiterem Wachstumspotential. Diese positive Entwicklung ist jedoch aufgrund großer Probleme im Pflanzenschutz gefährdet.

„Wenn wir den Ökowinzern in Mitteleuropa unter den spezifischen Witterungsbedingungen eine dauerhafte Perspektive bieten wollen, müssen auch die Rahmenbedingungen bei der Bekämpfung von Rebkrankheiten stimmen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Brüssel. Die Teilnehmer des Gesprächs aus Luxemburg, Tschechien, Österreich und Deutschland, die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, Herr Norbert Lins und Herr Martin Häußling sowie Herr Reinhold Pix, Abgeordneter des Landtags von Baden-Württemberg, und die deutschen Bio- und Weinbau-Verbände, die auf Einladung von Minister Peter Hauk in Brüssel an einem Gespräch mit Herrn Direktor Diego Canga Fano von der EU-Kommission zur schwierigen Situation im Öko-Weinbau teilgenommen hatten, stimmten dieser Aussage zu.

Die mitteleuropäischen Weinbauregionen begrüßten deshalb das Angebot der EU-Kommission, im Januar 2017 eine wissenschaftliche Tagung zur Thematik „Kupferalternativen” durchzuführen und fordern, das Thema Phosphonateinsatz im europäischen Expertengremium (EGTOP) erneut zu behandeln.

„Auch die Initiative der EU-Kommission, verstärkt Forschungsprojekte zur Bekämpfung der Rebkrankheiten im Bio-Weinbau unterstützen zu wollen, ist ein positives Signal für den Bio-Weinbau, das die Betriebe dringend benötigen“, betonte Minister Hauk.

Die Ursachen für die entstandene Krisensituation in den Bio-Weinbaubetrieben waren zum einen die starken Niederschläge im Jahr 2016 sowie zum anderen die Tatsache, dass Kaliumphosphonate aktuell im Bio-Weinbau nicht mehr zur Bekämpfung der Rebenperonospora eingesetzt werden dürfen. Kaliumphosphonat war bis 2013 über viele Jahre hinweg als Pflanzenstärkungsmittel erlaubt. Auf EU-Ebene wurde diese Stoffgruppe danach als Pflanzenschutzmittel gelistet und ist damit aus der Anwendung für Biobetriebe herausgefallen.

Damit habe man den ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben in den niederschlagsreichen mitteleuropäischen Regionen den Boden für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Rebflächen in schwierigen Jahren entzogen, so der Minister. Nur mit Kupfer könnten in solchen Jahren die Rebenperonospora in Mitteleuropa nicht ausreichend bekämpft werden. Außerdem stünden bislang keine wirksamen weiteren Alternativen zur Kupfer- und Phosphonatanwendung zur Verfügung.

„Es ist deshalb notwendig, die Phosphonate für den Öko-Weinbau für gezielte Anwendungen wieder zuzulassen“, forderte Hauk.

Diese Position unterstützen u. a. der Präsident von EKOVÍN Tschechien, Herr Dr. Milan Hluchy, der Vizepräsident des luxemburgischen Weinbauverbandes, Herr Aly Leonardy und der Direktor des österreichischen Weinbauverbandes, Herr Josef Glatt. Außerdem der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Herr Norbert Weber, und der Geschäftsführer von Ecovin Deutschland, Herr Ralph Dejas. Darüber hinaus die Vorsitzenden von Ecovin Baden und Ecovin Württemberg, Herr Paulin Köpfer und Herr Andreas Stutz, der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg, Herr Hermann Hohl, und der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, Herr Peter Wohlfarth, sowie Herr Dr. Sebastian Hill vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband. Auch Herr Dr. Michael Koehler, Referatsleiter ‚Wein, Bier, Getränkewirtschaft‘ im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, unterstützte die Position der Regionen. „Wir sind alle nach Brüssel gekommen, um Lösungen zur Bewältigung der Probleme im ökologischen Weinbau mit der EU-Kommission zu erarbeiten“, betonten die Gesprächsteilnehmer.

In einer konzertierten Aktion appellierten alle Beteiligten an die EU-Kommission, ihre Position zu den Phosphonaten grundlegend zu überdenken. Es ist notwendig, Phosphonate kurzfristig, z. B. zonal in den mitteleuropäischen Weinbauregionen, zuzulassen. Auch eine befristete Zulassung wäre möglich, bis weitere Kupferalternativen entwickelt sind und in der Praxis eingesetzt werden können.

„Außerdem brauchen wir Unterstützung, um die Forschung im Bereich Kupferalternativen insgesamt voranzutreiben und um mittelfristig weitere praxistaugliche Alternativen zu haben“, betonten die Gesprächsteilnehmer.

Hintergrundinformationen:

Der Falsche Mehltau der Weinrebe ist ein feuchteliebender Pilz, der im Weinbau Ertragsverluste bis hin zum Totalausfall verursachen kann.

Die anhaltenden Niederschläge und ausreichend hohen Temperaturen 2016 sorgten in Mitteleuropa für optimale Infektionsbedingungen. Diese Witterungsbedingungen werden auch in den nächsten Jahren immer wieder eintreten.

Während im konventionellen Weinbau eine Vielzahl unterschiedlicher Mittel zur Verfügung steht, ist der ökologische Weinbau bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus stark eingeschränkt. Die bis 2013 im Bioweinbau als Pflanzenstärkungsmittel traditionell angewandten Phosphonate waren eine gute Ergänzung im Kampf gegen den Falschen Mehltau. Derzeit sind im Ökologischen Weinbau nur auf Kupfer basierende Pflanzenschutzmittel gegen diesen Erreger zugelassen. Während in anderen europäischen Weinbaugebieten die Aufwandmenge an Kupfer, die pro Jahr und Hektar ausgebracht werden darf, auf sechs Kilogramm beschränkt ist, sind in Deutschland lediglich maximal drei Kilogramm Kupfer bzw. im Ausnahmefall vier Kilogramm  pro Hektar und Jahr zulässig. Diese Einschränkung stammt aus der Zeit, als Phosphonate im Bioweinbau noch eingesetzt werden durften. In Deutschland ist jedoch wegen Umweltaspekten die Kupferanwendung eingeschränkt.

In Mitteleuropa wurde deshalb die Doppelstrategie „Kaliumphosphonat in Verbindung mit Kupfereinsatz” entwickelt und über Jahre erfolgreich eingesetzt.

Allerdings hatte das von der EU-Kommission mit einer Bewertung beauftragte Fachgremium EGTOP (Expert Group for Technical Advice in Organic Production) 2014 eine negative Bewertung zu Kaliumphosphonat abgegeben. Diese hat dazu geführt, dass Kaliumphosphonat nicht mehr im Anhang der EU-Öko-Verordnung gelistet ist und daher im Ökoweinbau aktuell nicht eingesetzt werden darf.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Weinbau in Baden-Württemberg

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