Kultur

Dialog zur Kulturpolitik für die Zukunft

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Bei der zweiten großen öffentlichen Veranstaltung im Rahmen des Dialogprozesses „Kulturpolitik für die Zukunft“ standen Selbstverortung und Selbstverständnis der Kultureinrichtungen und die Chancen und Notwendigkeiten der Transformation im Mittelpunkt.

„In einer Zeit, in der viele Menschen empfinden, dass die Dynamik des Wandels zunimmt, dass alte Gewissheiten brüchig werden und scheinbar Selbstverständliches mit Fragezeichen versehen wird, kommt Kunst und Kultur eine besondere Rolle zu. Unsere Kultureinrichtungen bieten Räume, um Veränderungen zu reflektieren, Fragen zu stellen und gemeinsame Werte zu buchstabieren. Aber auch die Kultureinrichtungen müssen sich der Frage stellen nach ihrer eigenen Verortung und ihrem Selbstverständnis, um in einer zunehmend heterogenen Gesellschaft relevant zu bleiben. Wir wollen unsere Kultureinrichtungen in diesem Prozess, der Transformationen und die Suche nach neuen Bündnissen einschließt, begleiten und unterstützen“, sagte Kunstministerin Theresia Bauer in Stuttgart bei der zweiten großen öffentlichen Veranstaltung im Rahmen des Dialogprozesses „Kulturpolitik für die Zukunft“. Im Fokus standen Selbstverortung und Selbstverständnis der Kultureinrichtungen und die Chancen und Notwendigkeiten der Transformation.

Europaweit sei zu beobachten, dass das Vertrauen der Menschen in ihre Institutionen zurückgehe, dass Zukunftsängste artikuliert und auch geschürt würden und dass grundlegende Werte wie Rechtstaatlichkeit, Menschenrechte, Kunst- und Wissenschaftsfreiheit hinterfragt würden. Werte wie Toleranz und Respekt im Umgang mit Vielfalt würden von nationalistischen Bewegungen als „unpatriotisch“ umgedeutet und Kultureinrichtungen, die für diese Werte stehen, diskreditiert.

„Wir brauchen Kunst und Kultur heute mehr denn je“

„All dies lässt nur einen Schluss zu: Wir brauchen Kunst und Kultur heute mehr denn je“, unterstrich die Ministerin. „Kunst kann Orte schaffen, an denen sich Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven begegnen, um in einen Dialog über Verwerfungen und Sorgen, aber auch über Zukunftsvisionen und Gestaltungsräume zu treten. Sie kann einen Weg öffnen, den Ungewissheiten der Zeit, in der wir nun einmal leben, offen und bereit für Veränderungen zu begegnen – und dabei Haltung zu zeigen. Und sie kann Toleranz und Empathie ermöglichen, einfach dadurch, dass sie den Betrachter oder Zuhörer andere Perspektiven einnehmen, erfahren, verstehen lässt“, so die Ministerin weiter. Das Land stehe seinen Kultureinrichtungen verlässlich zur Seite – wie exemplarisch das Bekenntnis für die großen Sanierungen der Staatsoper in Stuttgart und des Badische Staatstheaters zeige.

Impulse bei der Dialogveranstaltung setzten der österreichische Zukunftsforscher Prof. Dr. Reinhold Popp mit seinem Vortrag „Demographischer Wandel und kulturelle Transformation“ und die Kulturmanagerin Dr. Vera Allmanritter, die über „Kulturelle Transformation – Impulse für den Kunst- und Kulturbereich“ sprach. In Workshops wurde weitergedacht, wie die Kunst- und Kultureinrichtung der Zukunft aussehen kann – oder soll.

Dialog „Kulturpolitik für die Zukunft“ stößt auf große Resonanz

Seit dem Auftakt des Dialogprozesses zur ´Kulturpolitik für die Zukunft` im Juni 2018 haben bereits eine Vielzahl von Arbeitsgesprächen und Formaten in den vier Themenforen stattgefunden – mit großer Resonanz von Kulturschaffenden und Kulturinteressierten. „Es ist beeindruckend, wie viele Menschen sich bereits mit großem Engagement in unseren Dialog eingebracht haben. Damit sind wir auf einem sehr guten Weg“, so Olschowski. Ziel sei es, bis zum Ende der Legislaturperiode Handlungsempfehlungen für die Kulturpolitik zu entwickeln.

Aus den Ergebnissen der Diskussionen mit Künstlerinnen und Künstlern, den Kunsteinrichtungen und dem Publikum werde das Kunstministerium die Grundlagen einer Kulturpolitik für das nächste Jahrzehnt entwickeln. „Gemeinsam werden wir über Strategien der Kulturpolitik und der Kulturförderung nachdenken. Dabei werden wir im Prozess auch unsere Maßnahmen und damit die bestehende Kulturpolitik überprüfen“, betonte Olschowski. Anhand von Modellprojekten sollen im Dialogprozess neue kulturpolitische Handlungsfelder definiert und am Ende Maßnahmen und neue Förderinstrumente vorgestellt werden.

Zukunftsthemen themenorientiert und spartenübergreifend diskutieren

„Von zentraler Bedeutung ist, dass wir themenorientiert und spartenübergreifend Zukunftsthemen diskutieren. Wir führen keine Einzelmaßnahmendebatte für einzelne Einrichtungen“, unterstrich Olschowski. Die vier Themenfelder, die in den kommenden zwei Jahren in verschiedenen Arbeitsformaten bearbeitet und diskutiert werden, sind: „Digitale Welten“, „Neue gesellschaftliche Bündnisse für Kunst und Kultur“, „Strategien der Transformation von Kulturinstitutionen – Neue Wege für Öffnung, Vermittlung und Verortung von Kultur“ sowie „Kunst und Kultur in ländlichen Räumen“.

Kulturpolitik ist Gesellschaftspolitik

„Kunst und Kultur sind unverzichtbar für ein demokratisches, tolerantes, empathisches, offenes und friedliches Zusammenleben. Kulturpolitik ist deshalb auch Gesellschaftspolitik, die alle angeht“, betonte die Staatssekretärin abschließend.

Dialog zur „Kulturpolitik für die Zukunft“

Kunstministerin Theresia Bauer und Kunststaatssekretärin Petra Olschowski haben im Juni 2018 den umfangreichen, partizipativen Dialog zur „Kulturpolitik für die Zukunft“ gestartet und gehen damit ein zentrales kulturpolitisches Vorhaben der Landesregierung an. Der Prozess ist auf zwei Jahre angelegt:

Herbst 2018 bis Ende 2019

Arbeitsphase mit Dialogveranstaltungen und Workshops

Große öffentliche Veranstaltungen der vier Themenforen:

  • 23. Januar 2019: Strategien der Transformation, Stuttgart
  • 28. März 2019: Kunst und Kultur in ländlichen Räumen, Ettlingen
  • 15. Juli 2019: Neue Gesellschaftliche Bündnisse, Mannheim
  • 10. Oktober 2019: Digitale Welten, Karlsruhe

Sommer 2020

Abschlussveranstaltung, Veröffentlichung Endbericht

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst: Kulturpolitik für die Zukunft

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