Gesundheit

Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke eindämmen

Die Stechmücken-Saison hat begonnen. Neben heimischen Arten breitet sich die tagaktive Asiatische Tigermücke aus. Sie kann tropische Infektionskrankheiten übertragen.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Eine asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sitzt auf einem Finger und sticht zu.

Mit dem Sommerbeginn sind wieder die ersten Stechmücken aktiv. Neben heimischen Arten breitet sich zunehmend auch die tagaktive, stichfreudige Asiatische Tigermücke aus, die tropische Infektionskrankheiten übertragen kann. Baden-Württemberg kämpft seit Jahren aktiv gegen die Tigermücke an und versucht, die Populationen weiter einzudämmen. Auf der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) am 11. und 12. Juni 2025 in Weimar hat Baden-Württemberg einen Vorschlag eingebracht, damit die Abgabe von sogenannten Bti-Tabletten zur biologischen Bekämpfung niederschwellig möglich ist. Derzeit ist dies nur durch sachkundige Personen, etwa in Apotheken, möglich, was das Verfahren deutlich erschwert. Dieser Vorschlag erhielt die Zustimmung aller Bundesländer und wurde einstimmig beschlossen. Der Bund ist nun aufgefordert, die entsprechende Änderung im Bundesrecht vorzunehmen.

Risiko für Infektionen steigt

Der klimawandelbedingte Temperaturanstieg begünstigt die Ausbreitung der Tigermücke in immer mehr Städten und Gemeinden wärmerer Regionen des Landes, wie entlang des Oberrheingrabens, am Bodensee, am Mittleren Neckar und in der Rhein-Neckar-Region. „Die Asiatische Tigermücke ist nicht nur lästig, sondern stellt auch eine potenzielle Gefahr für die menschliche Gesundheit dar“, so Staatssekretärin Dr. Ute Leidig.

Die Asiatische Tigermücke kann tropische Infektionserreger wie das Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Virus übertragen. Eine Infektion in Baden-Württemberg ist jedoch nur möglich, wenn eine Tigermücke zuvor eine Blutmahlzeit bei einem infizierten Reiserückkehrenden aufgenommen hat. Bei mehrtägig hohen Tagesdurchschnittstemperaturen können sich die Erreger in der Mücke vermehren und durch weitere Stiche übertragen werden. Bisher gab es noch keine lokalen Übertragungen tropischer Krankheitserreger in Baden-Württemberg. Mit dem Klimawandel und der damit verbundenen Temperaturerhöhung steigt auch das aktuell geringe Risiko für lokale Infektionen.

Nach der Rückkehr aus tropischen und subtropischen Ländern besonders gut auf Mückenschutz achten

Das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Reiserückkehrende aus tropischen und subtropischen Ländern in den ersten 14 Tagen nach ihrer Rückkehr auf Mückenschutz achten sollten, um das Risiko lokaler Übertragungen zu verringern. Bedeckende Kleidung, Anti-Mücken-Mittel sowie Mückennetze oder engmaschige Fenstergitter bieten einen wirksamen Schutz. „Bei unklarem Fieber mit Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens nach Auslandsreisen, Gelenkschmerzen oder Ausschlag sollte der Hausarzt oder die Hausärztin kontaktiert werden. Durch den Klimawandel müssen wir mit dem Auftreten bisher bei uns nicht vorkommender Erkrankungen rechnen“, erklärt der Klimaschutzbeauftragte der Landesärztekammer, Dr. Robin Maitra.
 
Entsprechende Sprays oder Lotions, so genannte Repellentien mit den Wirkstoffen DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin, schützen effektiv vor Stichen. „Beim Aufenthalt an der frischen Luft sollte darauf geachtet werden, Hautstellen durch Kleidung zu bedecken oder Repellentien anleitungsgerecht aufzutragen. Entsprechende Produkte sowie eine umfassende Beratung erhalten Sie in der Apotheke“, betont Dr. Martin Braun, Präsident der Landesapothekerkammer. 

Wasserbehälter im Freien verschlossen halten

Kann sich die Tigermücke ungestört in Baden-Württemberg ausbreiten, steigt das Risiko für lokale Übertragungen. Deshalb ist die Bekämpfung durch das Vermeiden möglicher Brutstätten und die regelmäßige Wartung von Wasserbehältern wichtig. In betroffenen Gebieten kann jede und jeder dazu beitragen. Die stark an den Menschen angepasste Tigermücke nutzt fast jede kleine Wasseransammlung auf Balkon, Hof oder Garten – etwa in Gießkannen, in Blumentopf-Untersetzer, in herumliegendem Kinderspielzeug oder in Regentonnen. Heimische Mücken bevorzugen dagegen meist offene, fließende Gewässer. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sollten Wasserbehälter im Freien verschlossen, regelmäßig entleert oder entfernt werden. Vogeltränken und Hundenäpfe sollten wöchentlich geleert und mit frischem Wasser gefüllt werden. Wasserbehältnisse, die nicht regelmäßig entleert werden können, sollten alle 14 Tage mit den sogenannten Bti-Tabletten behandelt werden. Das Landesgesundheitsamt hat dazu eine informative Broschüre (PDF) erstellt.

Asiatische Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke ist deutlich zierlicher als heimische Stechmücken. Mit einer Körpergröße von nur 3 bis 8 Millimeter ist sie kleiner als eine 1-Cent-Münze. Der Name „Tigermücke“ kann irreführend sein, denn das Insekt ist tiefschwarz mit weißer Musterung am gesamten Körper. Ein auffälliges Erkennungsmerkmal ist der weiße Streifen auf Hinterkopf und Rücken sowie die fünf weißen Streifen an den Hinterbeinen, wobei das letzte Beinglied vollständig weiß ist. Meldungen der Asiatischen Tigermücke können über die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. erfolgen, entweder durch Einsendungen von guterhaltenen Tieren oder gut erkennbaren Fotos.

Gesundheitsamt Baden-Württemberg: Stechmücken + Arbovirosen

Weitere Meldungen

Erläuterungen für Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte) und Umweltministerin Thekla Walker (rechts)
Nationalpark

Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald

Weg im ländlichen Raum
Ländlicher Raum

Land unterstützt Modernisierung Ländlicher Wege

Ein Fahrradfahrer fährt auf einer Fahrradstraße.
Radverkehr

Neue Radwege im Land

In einer braunen Biomülltonne liegen Lebensmittel.
Ernährung

Zweite Runde der Lebensmittelretter-Challenge startet

Kernkraftwerk Philippsburg ohne Türme (Aufnahme vom 03.06.2020)
Kernkraft

Offene Brandabschottungen im Kernkraftwerk Philippsburg

Ein Mann setzt sich eine Spritze mit Heroin in den Arm.
Sicherheit

Zahl der Drogentoten leicht zurückgegangen

Chemisches Symbol für Polonium
Strahlenschutz

Fundstück enthält kein Polonium-210

Blick über Hohenlohe
Landwirtschaft

Hauk kritistiert EU-Wiederherstellungsverordnung

Eine Hand hält am 18.04.2016 an einer Tankstelle in Tübingen (Baden-Württemberg) einen Tankstutzen.
Verbraucherschutz

Hauk kritisiert deutsche Spritpreise

Wanderer gehen bei Reichelsheim durch den herbstlichen Odenwald (Hessen).
Forst

KI unterstützt Waldmanagement im Klimawandel

Erster Wolf im Süden Sachsen-Anhalts entdeckt
Naturschutz

Fähe im Enztal-Territorium als sesshaft nachgewiesen

Polizisten kontrollieren ein Auto.
Verkehrssicherheit

Autoposerszene bundesweit im Fokus

Gewinnerteam Regional Cup Tübingen
Start-up BW

ELASTheal gewinnt den Regional Cup Tübingen

Logo und Schriftzug der „Agentur für Arbeit“ an einem Gebäude.
Arbeitsmarkt

Verhaltene Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Die NECOC-Versuchsanlage am KIT produziert festen Kohlenstoff aus klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid.
Wirtschaft

Land fördert innovatives Verfahren für klimaneutrale Produktion