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Antisemitismus
  • 27.04.2018

„Antisemiten bedrohen uns alle“

Antisemitismus bedroht die gesamte Gesellschaft und muss entschlossen bekämpft werden. Das sagte der neue Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus, Michael Blume. Bei Antisemitismus handle es sich um eine besonders gefährliche Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die Rassismus und Verschwörungsglauben vereine.

In seiner Antrittsrede an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg machte der neue Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus, Michael Blume, deutlich, dass Antisemitismus eine Gefahr für die gesamte Gesellschaft ist. „Antisemiten bedrohen uns alle“, betonte er.

Gefährliche Verbindung von Verschwörungsglauben und Hass

Antisemitismus verbinde Rassismus und Verschwörungsglauben zu einer besonders gefährlichen Variante von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, sagte Blume. „Hier vernetzen sich vor unseren Augen antisemitische Mythen rechter, linker und religiöser Herkunft über alle Kontinente, Kulturen und Religionen hinweg zu einem längst globalen, gefährlichen Gemisch.“ Dieser Rückgriff auf Verschwörungsmythen mache den Antisemitismus so gefährlich. Das Internet als „Brandbeschleuniger“ verstärke und verbreite den Antisemitismus digital-sozial.

Michael Blume warnte davor, den Antisemitismus zu verharmlosen und als bloße „antisemitische Verschwörungstheorien“ abzutun. Theorien seien überprüfbar und widerlegbar, Mythen dagegen könnten nicht empirisch überprüft werden. „Lassen Sie uns aufhören, Verschwörungsmythen wie ernsthafte Theorien zu behandeln und stattdessen in Medien und Wissenschaft wieder klarziehen, dass jeder ein Recht auf seine eigene Meinung, aber niemand ein Recht auf die Leugnung von Fakten hat!“

Antisemitismus bekämpfen bedeutet Minderheitenschutz

„Im Weltbild von Antisemiten herrscht keine gute Macht und kein Grund für ein Vertrauen in die Welt, sondern eine böse Superverschwörung. Zu dieser zählen dann außer Juden, beziehungsweise ,Zionisten‘, auch immer Demokraten, Justiz und Medien sowie weitere ethnische und religiöse Minderheiten“, erklärte Blume. Deshalb richte sich Antisemitismus immer, aber selten nur gegen Juden. „Wenn wir den Antisemitismus bekämpfen, schützen wir nicht nur jüdisches Leben – wir schützen menschliches Leben überhaupt! Und umgekehrt: Lassen wir den Antisemitismus weiter wuchern, dann wendet er sich schließlich gegen uns alle.“

Mithilfe der Zivilgesellschaft

Mit Erschrecken habe er festgestellt, dass der Antisemitismus auch in Deutschland wieder stärker geworden sei, sagte Blume. So ist es in Baden-Württemberg zu mehreren antisemitischen Vorfällen gekommen, unter anderem wurde die Synagoge in Ulm von Unbekannten beschädigt.

In seiner Arbeit als Landesbeauftragter gegen Antisemitismus sei er auf die Mithilfe der Zivilgesellschaft angewiesen, so Blume. Er allein könne wenig ausrichten, vielmehr müsse jeder und jede Einzelne mit gutem Beispiel voran gehen. Die gesellschaftlichen Kräfte sollten sich in ihrem Kampf gegen Rassismus vernetzen: „Die Antisemiten nutzen das Internet, um sich weltweit zu vernetzen – warum sollten wir in Staat und Zivilgesellschaft dem nicht eine reale Vernetzung der Aufklärung entgegensetzen?“ Denn niemand werde als Rassist oder Antisemit geboren, so Blume.

Bessere Erfassung von antisemitischen Vorfällen

Vielerorts fehle es an Haltung und an Fachleuten, die „wenigstens den gröbsten, jetzt auch digitalen Antisemitismus“ rechtzeitig erkennen könnten, so Blume. Er forderte deshalb, die Gesetze und die polizeiliche Kriminalstatistik zu ändern, um neuartige Formen des Antisemitismus besser erfassen und ahnden zu können.

Blume fordert in seiner Rede außerdem, ethnisches und religiöses Mobbing an Schulen früher zu erkennen. Lehrer und Eltern müsse man im Umgang mit Antisemitismus stärken, so Blume. Er setzt sich dafür ein, die Erinnerungskultur und -pädagogik an den Schulen weiterzuentwickeln. Ferner sollte man jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger bewusst auch in die Integrations-, Flüchtlings- und Schularbeit einbeziehen. „Lassen Sie uns Überlebende der Gewalt und Aussteiger aus den Wahnwelten des Verschwörungsglaubens an die Öffentlichkeit und vor allem an die Schulen holen!“

Laut Blume brauche der interreligiöse Dialog und der deutsch-israelitische Austausch eine Förderung über alle Konfessionsgrenzen hinweg. Er wünscht sich den Ausbau und die Vernetzung der Forschungen zu Antisemitismus und Antiziganismus sowie anderen Formen der Menschenverachtung. Analog zur Drogenprävention schlug Blume eine Prävention gegen Hass vor: „Wir haben doch schon eine gute Drogenprävention – wann gibt es auch eine gute Hassprävention?“

2019 wird Blume dem Landtag einen ersten Bericht zum Kampf gegen den Antisemitismus vorlegen. „Ich habe eine leise aber kraftvolle Hoffnung: Dass irgendwann, hier an dieser Stelle, eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger eine Abschiedsrede halten kann, weil es keine Beauftragten gegen Antisemitismus mehr braucht. Aber Gott sei Dank leben wir genau im richtigen Land für ausdauernde, furchtlose und auch kreative Arbeit. Ich würde sogar sagen, genau dafür ist Baden-Württemberg auserwählt!“, sagte Blume.

Staatsministerium: Beauftragter gegen Antisemitismus

Neuer Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitimus

Antrittsrede des Beauftragten gegen Antisemitismus (PDF)

Quelle: /red


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