Ländlicher Raum

Digitales Modellprojekt zur ärztlichen Versorgung auf dem Land

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v.l.n.r.: Wolfgang Bachmann, Klaus Burger, Minister Peter Hauk, Andrea Bogner-Unden, Christoph Spellenberg und Dr. med. Friedrich Gagsteiner (Foto: Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz)

Der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, hat einen Förderbescheid für das medizinische Modellprojekt PatientDigital an die ärztliche Berufsvertretung Gesundheitsnetz Süd übergeben. Das Modellprojekt hat die Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Versorgung des Ländlichen Raums zum Ziel.

„Eine besondere Herausforderung für die Erhaltung der Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raums ist die Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Versorgung für alle Patientinnen und Patienten. Wir brauchen innovative Lösungen, die den Menschen nützen. Die Nachbesetzung der Allgemein- und Facharztpraxen wird in den ländlichen Städten und Gemeinden zunehmen schwieriger. Bund, Länder und Kommunen müssen daher in Kooperation mit der ärztlichen Selbstverwaltung konsequent daran arbeiten, das Medizinstudium, die Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt auch die medizinischen Infrastrukturen vor Ort an die Bedürfnisse der künftigen Mediziner anzupassen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, im Nachgang zur Übergabe eines Förderbescheids für das medizinische Modellprojekt PatientDigital an die ärztliche Berufsvertretung Gesundheitsnetz Süd.

Für das Modellprojekt mit einer Laufzeit von Mitte 2017 bis Mitte 2019 wurden Gesamtkosten von 300.000 Euro kalkuliert. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fördert das Vorhaben aus Landesmitteln mit 50 Prozent.

Ärztemangel in ländlichen Regionen

Hauk erklärte, dass viele junge Ärzte den Blick auf die spannende und vielseitige Arbeit als Landarzt verlieren würden. Auf der Wunschliste stünden beispielsweise ein Anstellungsverhältnis statt unternehmerischer Selbstständigkeit, flexible Arbeitszeitregelungen, ein Arbeitsplatz für den Partner möglichst am gleichen Ort, aber auch vielfältige kulturelle Angebote und Einkaufsmöglichkeiten im näheren Umfeld. Viele Praxen in ländlichen Regionen könnten aktuell nicht nachbesetzt werden, so dass die verbleibenden Praxen mehr Patientinnen und Patienten behandeln müssten.

„Wir brauchen auf künftig eine umfassende und verlässliche ärztliche Versorgung auf dem Land. Auch wenn die Telemedizin hierbei viele Chancen bietet, so gibt es viele, vor allem auch ältere Patienten, die den Arzt ihres Vertrauens Auge in Auge sprechen möchten. Neben einer Landarztquote, die gezielt diejenigen Medizinstudenten unterstützt, die sich nach Abschluss des Studiums auf dem Land niederlassen möchten, müssen Lösungen gefunden werden, die die Ärzte dort entlastet, wo keine persönliche Anwesenheit von Nöten ist. Gleichzeitig müssen den Patienten unnötige Wegstrecken zu ihrem Arzt erspart werden“, so Hauk.

„Ich freue mich, dass ich zusammen mit dem ‚Gesundheitsnetz Süd‘ ein vielversprechendes Modellvorhaben auf den Weg bringen kann, das mit Hilfe der Digitalisierung dazu beitragen kann, die ärztliche Versorgung im Ländlichen Raum in Zukunft effizienter und patientenfreundlicher zu gestalten“, betonte der Minister.

Digitale Patientenkarte zur Vereinfachung der Abläufe im Gesundheitswesen

Kernstück des Praxisversuchs sei ein Online-Gesundheitskonto, das jedem Patienten persönliche gehöre und das mit einer digitalen Patientenkarte gekoppelt werde. Mit dieser bereits fertig entwickelten Patientenkarte.Online könne der Patient Gesundheitsinformationen jeglicher Art (zum Beispiel Behandlungspläne, Laborberichte und -befunde, Arztbriefe, Röntgenbilder, Überweisungen, Arztrechnungen, Rezepte) in digitaler Form erhalten beziehungsweise diese umgekehrt dem (weiterbehandelnden) Arzt, dem Krankenhaus, dem Physiotherapeuten, der Apotheke und so weiter zur Verfügung stellen.

„Ich hoffe, dass die Patientenkarte.Online Abläufe im Gesundheitswesen vereinfachen und beschleunigen wird und sowohl für die Patienten und die behandelnden Ärzte als auch für die sonstigen Akteure des Gesundheitswesens im Ländlichen Raum ein spürbarer Mehrwert geschaffen wird“, so Hauk.

Die bereits fertig entwickelte Patientenkarte.Online ist bisher noch keinem Praxistest unterzogen worden. Deshalb ist das Modellprojekt PatientDigital deutschlandweit ein Novum und eine große Chance, die bestehenden, zum Teil recht schwerfälligen und bürokratischen Strukturen im Gesundheitswesen effizienter zu gestalten und innovativ weiter zu entwickeln.

Weitere Informationen

Im Rahmen des Modellvorhabens werden die notwendigen Voraussetzungen für eine großflächige Anwendung der Patientenkarte.Online geschaffen. Daher kann das System nach einem erfolgreichen Praxistest weiter genutzt und auf andere Gebiete Baden-Württembergs und Deutschlands übertragen werden.

Dem Modellversuch Patient-Digital wird die Gebietskulisse des Landkreises Sigmaringen zugrunde gelegt, in dem der Anteil der über 60-jährigen Ärzte nach einer Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg aus dem Jahr 2015 bereits einen Stand von 40 Prozent erreicht hat.

Träger des Modellversuchs ist die ärztliche Standesorganisation Gesundheitsnetz Süd eG mit Sitz in Ehingen, die mit anderen ärztlichen Berufsvertretungen kooperieren wird.

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