Glücksspiel

87 Prozent der Süchtigen spielen am Automaten

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Eine Hand wirft Geld in einen Spielautomaten in einer Spielhalle.

87 Prozent der spielsüchtigen Menschen bevorzugen das Spielen an Automaten in Spielhallen und Gaststätten, so das Ergebnis einer Studie. Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha fordert deshalb eine bundesweit einheitliche Sperrdatei für Spielhallen, mit deren Hilfe sich Betroffene selbst sperren lassen können.

87 Prozent der spielsüchtigen Menschen bevorzugen das Automatenspiel in Spielhallen und Gaststätten als Spielform. Das hat eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim ergeben, die vom Ministerium für Soziales und Integration gefördert wurde. Sozialminister Manne Lucha fordert deshalb eine bundesweit einheitliche Sperrdatei für Spielhallen, mit deren Hilfe sich Betroffene selbst sperren lassen können.

„Die Ergebnisse der Studie sind ein dramatisches Warnsignal, das wir nicht übersehen können. Das gewerbliche Automatenspiel hat enormes Suchtpotenzial. Neun von zehn pathologischen Spielerinnen und Spielern spielen am Automaten. Diesen Menschen müssen wir dringend ein wirksames Instrument geben, damit sie vor den negativen Folgen ihrer Sucht geschützt sind. Wir brauchen deshalb dringend eine bundesweit einheitliche und für alle Glücksspielformen geltende Sperrdatei, mit deren Hilfe sich Betroffene selbst sperren lassen können“, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha heute in Stuttgart.

Eine solche Regelung müsse dringend bei der nächsten Novellierung des Glücksspieländerungsstaatsvertrags aufgenommen werden. Vor diesem Hintergrund begrüßte Lucha auch die heutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Das Karlsruher Urteil bestätigt, dass die Bundesländer strenge Regeln für den Betrieb von Spielhallen aufstellen dürfen.

Ausschluss bei Spielen mit hohem Suchtpotenzial

Lucha sagte weiter, dass standortbezogene Sperren in einzelnen Spielhallen, wie sie beispielsweise im Landesglücksspielgesetz Baden-Württemberg vorgesehen sind, für den Schutz der Süchtigen bei Weitem nicht ausreichten. Bei diesen müsste nämlich in jeder einzelnen Spielhalle eine gesonderte Sperre erfolgen. Daher seien insbesondere im Spielhallenbereich adäquate Maßnahmen für einen konsequenten Spielausschluss notwendig, wie es sie bei anderen Spielen mit hohem Suchtpotenzial bereits gebe – etwa in Spielbanken oder bei Sportwetten.

Spielsüchtige zeigen weitere Abhängigkeiten

Das Mannheimer Forscherteam hat in der Studie außerdem die hohe Belastung der Glücksspielsüchtigen durch weitere substanzbezogene Abhängigkeiten untersucht. Demnach sind 80 Prozent der Befragten nikotinabhängig, 28 Prozent haben eine Alkoholabhängigkeit. Bei beiden Gruppen fand sich außerdem eine erhöhte Risikobereitschaft, es wurden also höhere Einsätze auch bei geringen Gewinnaussichten getätigt.

Wie wichtig Prävention, Jugendschutz und effektive Zugangskontrollen sind, zeigt auch die in der Studie ermittelte Tatsache, dass die Suchterkrankung später umso schwerer ausgeprägt war, je jünger die Spielerinnen und Spieler beim ersten Kontakt mit dem Glücksspiel waren.

Wissenschaftliches Projekt zur Erforschung des pathologischen Glücksspiels

In Deutschland sind etwa 0,3 bis 0,5 Prozent der Erwachsenen bis 64 Jahre pathologische Glücksspielerinnen und Glücksspieler. Etwa noch einmal so viele Personen spielen Glücksspiele in einer problematischen Weise. Allein in Baden-Württemberg sind daher rund 30.000 Menschen von Glücksspielsucht unmittelbar betroffen. Da Glücksspielsucht häufig mit finanziellen Schwierigkeiten und Schulden einhergeht, leiden auch die Angehörigen wie Partnerinnen und Partner sowie Kinder unter den Folgen einer Glücksspielsucht, so dass mittelbar noch weit mehr Menschen betroffen sind.

Aus diesem Grund hat das baden-württembergische Sozialministerium ein wissenschaftliches Projekt zur Erforschung des pathologischen Glücksspiels durch die Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim gefördert. Geleitet wurde die Studie von dem emeritierten Professor Karl Mann, dem ehemaligen Lehrstuhlinhaber für Suchtforschung am ZI und ärztlichen Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin und heutigen Seniorprofessor der Universität Heidelberg. Ziel der Studie war eine detaillierte Analyse von Betroffenen und die Ableitung diagnostischer Kriterien als Basis für neue Ansätze in der Behandlung und Prävention des pathologischen Glücksspiels.

Die Ergebnisse der Studie wurden am 23. Dezember 2016 in der Fachzeitschrift European Psychiatry veröffentlicht.

Durchgeführt wurde die Studie in Kooperation mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, dem Therapiezentrum Münzesheim im Kraichgau, der AHG Klinik Münchwies im Saarland sowie 22 Beratungsstellen in Baden-Württemberg. Weitere beteiligte Institutionen waren das Universitätsklinikum Mainz, das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin Greifswald sowie die Universität Lübeck.

Hauptbericht „Glücksspielsucht und verwandte Störungen“ (PDF)

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von links nach rechts: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Georg Kräusslich, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Prof. Dr. Irena Kogan, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung; Prof. Dr. Largus Angenent, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen; Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Prof. Dr. Robert Zeiser, Medizinische Fakultät der Universität Freiburg
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