Lärmschutz

Motorradlärm eindämmen und nachträgliche Manipulation erschweren

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Polizist kontrolliert ein Motorrad (Foto: © dpa)

Motorräder haben nur einen geringen Anteil am Verkehrsaufkommen. Trotzdem sind sie auffällig oft der Grund für Beschwerden. Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein fordert daher strengere Vorschriften bei der Typenzulassung. Ein Problem seien aber auch illegale Veränderungen an den Motorrädern, die zu mehr Lärm führten, so Marwein.

„Lärm von Motorrädern zählt vor allem in den Frühlings- und Sommermonaten zu den häufigsten Umweltproblemen. Obwohl Motorräder am gesamten Verkehrsaufkommen nur einen geringen Anteil haben, sind sie auffällig oft Gegenstand von Beschwerden“, so Thomas Marwein, Beauftragter der Landesregierung für den Lärmschutz. „Bemerkenswert an dieser Situation ist, dass nur ein kleiner Anteil der Motorradfahrer und -fahrerinnen durch ihre Fahrweise und technische Manipulationen besonders viel Lärm verursachen. “

Das enorme Lärmpotenzial von Motorrädern ist auf deren hohe Drehzahl in Kombination mit großen Motorleistungen zurückzuführen. Zusätzlich problematisch ist, dass lärmmindernde Maßnahmen bauartbedingt nur schwer realisierbar sind. Zudem sind alle gesetzlichen Lärmgrenzwerte und Messverfahren EU-weit einheitlich geregelt. 

Verbesserungsbedarf bei den Lärmschutzvorschriften

Zu Beginn letzten Jahres wurden die Lärmvorschriften für die Typengenehmigung neuer Motorradmodelle zwar nochmals von der EU verschärft, allerdings gibt es hier noch immer Verbesserungsbedarf. „Es bleiben tiefgreifende Defizite, die rasch behoben werden müssen. Unter anderem muss möglichst der gesamte real fahrbare Geschwindigkeits- und Drehzahlbereich der Motorräder bei der Prüfung abgedeckt werden. Laxe Vorschriften zur Genehmigung von neuen Motorradmodellen in der Vergangenheit bringen es mit sich, dass laute Motorräder vorschriftenkonform und damit vollkommen legal bis zu ihrer Verschrottung genutzt werden können,“ so Marwein. 

Ein weiteres Problem sind illegale Veränderungen von Fahrzeugen oder Zubehörbauteilen. Beispielsweise können bei den zunehmend verbauten elektronisch steuerbaren Klappenauspuffanlagen durch „Chip-Tuning“ die vom Hersteller in der Betriebssoftware vorgenommen Einschränkungen leicht ausgehebelt werden. Bei Vor-Ort-Kontrollen durch die Polizei können solche Veränderungen der Steuersoftware gar nicht, oder nur schwer aufgedeckt werden. Abhilfe könnten aus der Computertechnik bekannte kryptographische Verfahren schaffen, die unautorisierte Veränderungen der Steuersoftware verhindern.

Rücksichtsvolle Fahrweise

„Ein weiterer wichtiger Ansatz, neben strengeren und präzisen Vorschriften der Typengenehmigung, ist die Stärkung der Motivation für eine rücksichtsvolle Fahrweise,“ erklärte Marwein. In Baden-Württemberg wurde hierzu in den vergangenen zwei Jahren ein neues Konzept entwickelt und erfolgreich in der Praxis erprobt. Es besteht aus einem Leitpfostenzählgerät mit integriertem Mikrofon und einem Dialogdisplay mit Geschwindigkeitsmessfunktion. Werden Motorräder erkannt, wird eine Schallpegelmessung ausgelöst und bei Überschreitung eines definierten Pegels wird der Hinweis „Leiser!“ eingeblendet. Wird der Pegelwert eingehalten, wird wie bei allen anderen Fahrzeugen nur die Geschwindigkeit mit „Langsam!“ oder „Danke“ bewertet. Die Erfahrungen an den Modellstrecken, derB 39 zwischen Löwenstein und Mainhardt und an der L 151 bei Todtmoos, zeigen, dass die Motorradfahrer und -fahrerinnen darauf reagieren.

„So konnte der Anteil besonders lauter Motorräder deutlich gesenkt werden und auch im Mittel haben Geschwindigkeit und Lärmpegel abgenommen. Erfreulicherweise zeigt sich auch bei einem zeitlich längeren Einsatz kein Gewöhnungseffekt mit einer damit ansonsten einhergehenden Wirkungsminderung,“ fasste Marwein die Ergebnisse zusammen. „Die wichtigsten Maßnahmen um Motorradlärm effektiv zu reduzieren, sind neben der Stärkung der Motivation für eine rücksichtsvolle Fahrweise vor allem die Verschärfung und die präzisere Auslegung der Vorschriften der Typengenehmigung. Dies voranzutreiben liegt in der Zuständigkeit der EU. Wenn so der Lärm effektiv ein-gedämmt wird und nachträgliche Manipulationen erschwert werden, ist viel gewonnen.“ 

Weitere Meldungen

Ein Motorradfahrer fährt auf einer Landstraße. (Bild: dpa)
Verkehrssicherheit

Bundesweiter Aktionstag „sicher.mobil.leben“

Zahlreiche Menschen sind auf einem Radweg bei Sonnenschein auf ihren Fahrrädern und E-Roller unterwegs.
Radverkehr

STADTRADELN 2026 startet

Absperrung auf einer Straße. Im Hintergrund eine Autobrücke.
Kommunaler Straßenbau

Land unterstützt Kommunen beim Umbau der Straßeninfrastruktur

Minister Hermann und die Bine von bwegt klatschen sich ab
Nahverkehr

bwegt-Wanderweg Tübingen-Rottenburg eröffnet

Polizeistreife bei Verkehrsunfall
Polizei

Bilanz des europaweiten Speedmarathons 2026

Ein Fahrradfahrer fährt auf einer Fahrradstraße.
Radverkehr

Neue Radwege im Land

Weg im ländlichen Raum
Ländlicher Raum

Land unterstützt Modernisierung Ländlicher Wege

Polizisten kontrollieren ein Auto.
Verkehrssicherheit

Autoposerszene bundesweit im Fokus

Bescheidübergabe am 31. März 2026
Wirtschaft

Land stärkt Automotive-Standort im Rems-Murr-Kreis

Ein Zug fährt an einem mit Häusern übersäten Hügeln durch eine grüne Landschaft.
Schienenverkehr

Grundlage für Erhalt der Panoramabahn vereinbart

Straßenbaustelle an der B31 im Schwarzwald (Bild: © dpa).
Straßenbau

500 Millionen Euro für Straßenerhalt im Land

Icon eines Gesetzbuches mit aufgedrucktem Paragrafenzeichen.
Verkehr

Landesmobilitätsgesetz macht gute Mobilität einfacher

Ein Mann geht mit Kinderwagen und Hund auf einem Gehweg in Heidelberg.
Fußverkehr

Land startet Modellprojekt für barrierefreie und sichere Gehwege

Verkehrsminister Winfried Hermann
Online-Dialog

Online-Dialog mit Verkehrsminister Winfried Hermann

Das Bild zeigt den Raum unter einer Brücke. Links ist ein Fluss zu sehen und daneben ein Waldweg.
Straßenbrücken

Land nutzt versiegelte Flächen für Tiere und Pflanzen