Hochschulen

Mit „Bonuspunkten“ aus dem Job das Studium verkürzen

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Studierende in der Universitätsbibliothek

Um relevante Kompetenzen aus dem Beruf auf das Studium anrechnen zu lassen, soll eine bundesweit einzigartige Anrechnungsdatenbank „andaba“ an der Hochschule Aalen fortgeführt, weiterentwickelt und verstetigt werden. Dadurch kann die Studienzeit verkürzt werden.

Nach einer Berufsausbildung noch studieren – dauert viel zu lang? In Baden-Württemberg können Berufstätige, die studieren wollen, im Job erworbene relevante Kompetenzen auf ihr Studium anrechnen lassen. Damit dies künftig transparent und noch zügiger geschehen kann, soll die bundesweit einzigartige Anrechnungsdatenbank „andaba“ an der Hochschule Aalen fortgeführt, weiterentwickelt und verstetigt werden. Das teilten die Projektpartner – neben dem Wissenschaftsministerium sind das der Arbeitgeberverband Südwestmetall, der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag und künftig auch der HAW BW e.V. – anlässlich des Besuches von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer an der Hochschule Aalen mit.

Mit Kompetenzen aus dem Beruf das Studium verkürzen

„Kompetenzen aus dem Beruf können auch für ein Studium wertvoll sein und angerechnet werden. Sie können damit – wie in einem Bonuspunkte-Programm – dazu beitragen, die Studienzeit zu verkürzen“, erklärte Wissenschaftsministerin Bauer. „Die Anrechnungsdatenbank ist ein exzellentes Modell, das Transparenz für Anrechnungsentscheidungen schafft und zur Durchlässigkeit im Bildungswesen beiträgt.“

Stefan Küpper, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, erklärte: „Damit die Durchlässigkeit des Bildungssystems wirklich genutzt und unnötige Wiederholungen in der Bildungsbiografie vermieden werden können, braucht es vergleichbare Standards und praxisnahe Handlungshilfen zur Anrechnung bereits erworbener Qualifikationen und Kompetenzen. Die Anrechnungsdatenbank leistet genau das und ist damit ein wichtiger Baustein, um alle Potentiale in der Fachkräftesicherung optimal zu nutzen.“

Christian O. Erbe, Vize-Präsident des BWIHK Tags: „Beruflich Qualifizierten darf nicht abverlangt werden, über bereits nachgewiesenes Wissen noch einmal geprüft zu werden. Im Sinne von ‚recognition of prior learning‘ müssen schon vorhandene Kompetenzen berücksichtigt werden. Die Prüfungsordnungen sehen eine Anrechnung von zuvor erbrachten Leistungen in der Regel vor. In der Praxis sind diese Verfahren jedoch immer noch zu schwierig, zu uneinheitlich und zu intransparent. Hier setzt die Datenbank an. Sie ist ein wichtiger Puzzlestein für die Durchlässigkeit des Bildungssystems.“

Professor Dr. Bastian Kaiser, Vorsitzender des HAW BW e.V., befürwortet das Angebot der andaba zur Anrechnung von beruflich erworbenen Kompetenzen. Damit sei ein effizientes Instrument geschaffen worden, das die Durchlässigkeit des Bildungssystems befördere: „Der Anteil an Studierenden mit einer Berufsausbildung ist mit 36 Prozent an den HAW sehr hoch. Diese Lösung für eine transparente Dokumentation liegt im Interesse der HAW und kann ein Studium an einer HAW für Bildungsaufsteiger noch attraktiver machen.“ Er fügt an, dass die Rektorenkonferenz ihre Unterstützung durch die finanzielle Beteiligung des HAW BW e.V. zum Ausdruck bringe.

Anrechnungsdatenbank „andaba“

In der Datenbank werden Entscheidungen über Anrechnungen von beruflich erworbenen Kompetenzen qualitätsgesichert dokumentiert. Aktuell sind über 1.500 Entscheidungen aus verschiedenen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Studiengängen in der Datenbank erfasst. Das Projekt des Landes sorgt bundesweit für Interesse und ist etwa als Best-Practice-Beispiel beim Projekt Nexus der Hochschulrektorenkonferenz aufgeführt.

Die Datenbank bietet erstmals die Möglichkeit, Entscheidungen zentral abrufbar zu haben. Damit wird der Aufwand bei wiederholt auftretenden Anrechnungsanträgen reduziert. Zudem unterstützt die Datenbank den Anrechnungsprozess selbst durch ein vereinfachtes Verfahren. So gelangen Anträge auf Anrechnung – beispielsweise im Fach Mechatronik an der Hochschule Aalen – zentral bei der Leitung des Zulassungs- und Anerkennungsamts an. Nach Prüfung der formalen und inhaltlichen Kriterien kann der Anrechnungsbescheid in einem vereinfachten Verfahren erfolgen. Das schlankere und transparente Verfahren nutzt Hochschulen wie Studierenden.

Studierende und Studienbewerber profitieren von der Datenbank, weil sie mit ihrer Unterstützung besser und treffsicherer beraten werden und die Anrechnungsfälle schneller entschieden werden können. Sie können sich zudem über die öffentliche Website zum Thema Anrechnung informieren. Auf ihr werden Anrechnungsentscheidungen von pauschalen Anrechnungsmodellen veröffentlicht, um die Transparenz für den Übergang zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu erhöhen. Die Datenbank unterstützt zudem die Studienberatung an der Hochschule.

Erfolgreiches gemeinsames Projekt

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und dem Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag mit insgesamt 300.000 Euro. Vor kurzem wurde die Verlängerung der Anschubfinanzierung des Projekts um ein Jahr beschlossen, finanziert durch die bisherigen Finanzpartner sowie durch die Hochschulen Aalen und Furtwangen sowie der HAW BW e.V. Nach der Pilotierungsphase soll das Projekt verstetigt werden.

Weitere Meldungen

Visualisierung vom Anbau der Frauenklinik am Universitätsklinikum Tübingen Ansicht West
Vermögen und Bau

Frauenklinik am Universitäts­klinikum Tübingen wird erweitert

Eine Frau bedient das Portal ELSTER der deutschen Steuerverwaltungen zur Abwicklung der Steuererklärungen und Steueranmeldungen über das Internet.
Steuern

Digitale Steuererklärung wird deutlich einfacher

Verkehrsunfallbilanz 2025
Verkehrsunfallbilanz 2025

Straßenverkehr in Baden-Württemberg wird immer sicherer

Eine muslimische Einwanderin sitzt mit anderen Personen am Tisch und schaut sich während des Englischunterrichts Blätter mit Grammatikaufgaben an.
Integration

Lucha kritisiert Zulassungsstopp bei Integrationskursen

Stuttgart Neckarpark
Wohnraumoffensive

Land unterstützt Kommunen mit Bau-Turbo

Gruppenbild anlässlich der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und der ukrainischen Region Lwiw
Absichtserklärung

Baden-Württemberg und Lwiw vertiefen wirtschaftliche Zusammenarbeit

Visualisierung Campus St. Alban
Innovationspreis

Zehn Preise für kirchliche Wohnprojekte

DEHOGA Cup
Start-up BW

Kleinblatt GmbH aus Stuttgart gewinnt den DEHOGA CUP

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte) bei seiner Ansprache beim Närrischen Staatsempfang der Landesregierung vor dem Neuen Schloss in Stuttgart
Fastnacht

Närrischer Staatsempfang der Landesregierung

Forscher im Forschungszentrum M3 des Universitätsklinikums Tübingen
Innovation

Land fördert Digitales Innovationszentrum am Uniklinikum Freiburg

Forschung

4,2 Millionen Euro für Quantentechnologie-Demonstratoren

Justizministerin Marion Gentges (Vierte von links) mit dem Team des Projekts „DIE MUTMACHER“
Justiz

Begleithunde unterstützen in Strafprozessen

Ein Windrad ist auf der Holzschlägermatte bei Freiburg zu sehen.
Erneuerbare Energien

Mehr Windkraft für Baden-Württemberg

PV-Anlage auf dem Landtag in Stuttgart
Erneuerbare Energien

Photovoltaik-Ziel bereits vorab erreicht

Ein Clown der Narrenzunft Rottenburg läuft beim großen Umzug des Weißnarrentreffens in Villingen-Schwenningen durch die Innenstadt (Quelle: dpa).
Verbraucherschutz

Produktkontrollen für ein unbe­schwertes Feiern des Faschings