Nahverkehr

Mehr regionale Bahnverbindungen nach Start von Stuttgart 21

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Seitenansicht eines Doppelstockzuges.

Das Verkehrsministerium und die Bahn haben das Konzept für den Regionalverkehr in den Stuttgarter Netzen für die Zeit nach Inbetriebnahme des neuen unterirdischen Durchgangsbahnhofs in der Landeshauptstadt vorgestellt. Die wesentlichen Ziele lauten: Mehr und besseres Angebot mit vielen neuen Doppelstockzügen und hoher Pünktlichkeit.

Verkehrsminister Winfried Hermann sagte am Dienstagabend, 11. Oktober 2022 in Stuttgart bei einer Veranstaltung zum neuen Fahrplankonzept nach der Inbetriebnahme des neuen Stuttgarter Tiefbahnhofs: „Damit sich alle darauf einstellen können, kommunizieren wir – schon drei Jahre vor der planmäßigen Inbetriebnahme – das vorgesehene Konzept. So können auch Landkreise und Städte ihren Busverkehr darauf abstimmen. Das neue Angebot soll vor allem zuverlässig sein, mit wesentlich mehr Zügen. Das ist der richtige Weg, um mehr Fahrgäste zu gewinnen.“

Mehr und schnellere Verbindungen

Der neue Fahrplan dürfte viele verspätungsgeplagte Fahrgäste etwas aufatmen lassen. Denn der überwiegende Teil des Fernverkehrs zwischen Stuttgart und Ulm wird dann über die Neubaustrecke rollen. Deshalb kann im Filstal ein besser vertaktetes und dichteres MEX-Angebot zwischen Geislingen, Göppingen und Stuttgart angeboten werden. Die Metropolexpress-Züge (MEX) fahren dann konsequent alle 30 Minuten direkt nach Stuttgart, ein Umsteigen ist nicht mehr notwendig. Der stündliche Regionalexpress, der schnell zwischen Stuttgart und Ulm verkehrt, bleibt bestehen.

Die „Paradestrecke“ der neuen, bis zu 200 Kilometer pro Stunde (km/h) schnellen Doppelstockzüge wird der zukünftige Interregio-Express (IRE) sein, der stündlich von Karlsruhe über Stuttgart an den Bodensee verkehrt. Für Karlsruhe ergibt sich dadurch neben der Schwarzwaldbahn eine weitere direkte Verbindung an das beliebte Urlaubsziel. Auch für Pendler ergibt sich ein deutlich attraktiveres Fahrtangebot.

Infrastrukturprojekt liegt laut DB im Zeitplan

Als Vertreter der Deutschen Bahn AG sagte Dr. Florian Bitzer: „Stuttgart 21 und der Digitale Knoten Stuttgart ermöglichen vom ersten Tag der Inbetriebnahme an nicht nur deutliche Verbesserungen im Fernverkehr und bei der S-Bahn: Beim Regionalverkehr wird eine Vervielfachung der Nachfrage prognostiziert.“

Das Gesamtprojekt sei auf gutem Wege. Die inzwischen vorgetriebenen gut 50 Kilometer Tunnel in Stuttgart müssen noch mit Schienen und Signaltechnik ausgebaut und ausgiebig getestet werden, auch der Stuttgarter Hauptbahnhof ist noch eine Großbaustelle. Dabei wird digitale Stellwerkstechnik eingebaut, die als Leuchtturmprojekt der „Digitalen Schiene Deutschlands“ gilt. Einige Bestandteile des neuen Schienenknotens werden erst stufenweise in Betrieb gehen. Um die Potenziale des neuen Bahnknotens voll ausschöpfen zu können, werden in der Folge die Zulaufstrecken weiter ausgebaut und die Strecken in der Region bis über die Endpunkte der S-Bahn hinaus mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet.

2,5 Milliarden Euro für 130 neue Fahrzeuge und digitale Ausrüstung

Alle bestehenden Fahrzeuge werden für die neue Technik umgerüstet und mit der elektronischen Zugsteuerung ETCS (European Train Control System) ausgestattet. Auch werden 130 neue Doppelstockzüge den Betrieb im Digitalen Knoten aufnehmen, die das Land Baden-Württemberg im Frühjahr 2022 beim Hersteller Alstom bestellt hat. „Diese Fahrzeuge werden für den Regionalverkehr einen neuen Standard setzen, mit viel Komfort für alle Reiseanlässe“, erklärte Minister Hermann. Bis zu 200 km/h schnell werden sie sein, pro Fahrzeug 380 Sitzplätze anbieten und mit bis zu vier Fahrzeugen zusammengekuppelt fahren können.

„Bis ein Fahrplan in der DB-App oder auf Fahrplantabellen sichtbar wird, ist es ein weiter Weg: Von der für Infrastruktur zuständigen DB Netz AG über die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg als Planungsorganisation des Landes bis hin zu den Landkreisen müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen“, sagte Minister Hermann. „Die Bahn hat die Übersicht über die Infrastruktur und die verfügbaren Kapazitäten, das Land plant und bestellt Regionalzüge und die Landkreise planen ihre Busangebote so, dass gute Anschlüsse zum Zugverkehr bestehen“, erläuterte ein Vertreter der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW).

Auch andere Regionen profitieren

Auch zwischen Tübingen und Stuttgart wird das Angebot weiter ausgedehnt. Vier Züge pro Stunde werden künftig – jeweils hälftig direkt über den Flughafen oder über Plochingen – in die Landeshauptstadt verkehren. Damit wird dem deutlichen Zuwachs an Fahrgästen Rechnung getragen. Auch das Remstal profitiert vom unmittelbaren Anschluss an den Stuttgarter Flughafen. Heute benötigen Fahrgäste, die von Schorndorf zum Flughafen fahren möchten, mit der S-Bahn 64 Minuten. Nach Inbetriebnahme des Bahnhofs am Stuttgarter Flughafen voraussichtlich im Dezember 2027 kann die Reisezeit mit dem IRE auf 36 Minuten verkürzt werden – ohne Umstieg. Auch die Regionen Ostalb und Hohenlohe werden vom Angebotsausbau profitieren: Reisende können künftig den Stuttgarter Flughafen alle zwei Stunden ebenfalls direkt erreichen, der IRE von Stuttgart nach Aalen fährt dann weiter bis Crailsheim. 

Deutliches Signal in Richtung Berlin

Die vorgesehene Ausweitung des Zugangebots sei allerdings „nur möglich, wenn die Zuweisungen für den Schienennahverkehr über die sogenannten Regionalisierungsmittel erhöht werden. Bislang war die Finanzplanung für das wachsende Zugangebot solide, das hat sich in den vergangenen Monaten leider drastisch geändert. Deshalb ist eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel – nicht zuletzt wegen der drastisch gestiegenen Energiekosten – dringend notwendig. Diese Mittel stehen den Ländern zur Bestellung des regionalen Zugverkehrs durch eine Regelung im Grundgesetz zu“, mahnte Minister Hermann. „Denn niemand will, dass bald schon Züge abbestellt werden müssen, weil uns die Kosten davonlaufen und der Bund dabei zusieht.“

Regionalverkehr-Projekt Stuttgart-Ulm

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