Schienenverkehr

340 Millionen Euro für Digitalen Knoten Stuttgart

Das Land treibt zusammen mit dem Verband Region Stuttgart die Digitalisierung seiner Schienenfahrzeuge für den Digitalen Knoten Stuttgart voran. Es erhält dafür vom Bund eine Förderung von knapp 340 Millionen Euro.

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Illustration eines Zuges. Dieser fährt an einem Schild mit der Aufschrift "Digitaler Knoten Stuttgart" vorbei.

Das Land Baden-Württemberg treibt zusammen mit dem Verband Region Stuttgart die Digitalisierung seiner Schienenfahrzeuge für den Digitalen Knoten Stuttgart voran und erhält dafür vom Bund eine Förderung von knapp 340 Millionen Euro. Konkret wurden der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg (SFBW) 195 Millionen Euro und der S-Bahn Stuttgart, deren Aufgabenträger der Verband Region Stuttgart ist, rund 144 Millionen Euro für die digitale Ausrüstung ihrer Fahrzeuge vom Eisenbahn-Bundesamt bewilligt.

Eisenbahn der Zukunft

Baden-Württemberg ist Vorreiter bei der Digitalisierung der Schiene in Deutschland. „Durch die Umrüstung der Fahrzeuge zeigen wir, dass wir es mit der Eisenbahn der Zukunft ernst meinen“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann. Die Gesamtkosten für die Ausrüstung der Fahrzeuge der SFBW betragen insgesamt knapp 270 Millionen Euro. Um das Projekt umsetzen zu können, hat das Land den Restbetrag von gut 70 Millionen Euro selbst in die Hand genommen. „Die Bundesförderung hilft, alle Fahrzeuge mit der notwendigen Technik auszurüsten, um das Potenzial der Infrastruktur in der gesamten Region Stuttgart voll auszuschöpfen. Die Umsetzung des Digitalen Knoten Stuttgart wäre ohne das gute Zusammenspiel von Bund, Land, Region und der Deutschen Bahn nicht möglich gewesen. Wir erwarten, dass der Bund die Digitalisierung der Schiene weiter konsequent vorantreibt. Wir brauchen endlich einen Realisierungsplan für ganz Baden-Württemberg. Denn auch andere Regionen im Land müssen langfristig digital werden: Ohne digitale Steuerung können nicht so viele Züge in kürzeren Abständen fahren, wie es für den Klimaschutz und mehr Fahrgäste notwendig wäre“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann.

Der Geschäftsführer der SFBW, Thomas Glaß, ergänzte: „Die SFBW ist stolz darauf, mit ihren Fahrzeugen Teil dieses Zukunftsprojekts zu sein. Sie gehören bundesweit zu den ersten, die vollumfänglich den digitalisierten Betrieb aufnehmen. Wir freuen uns, dass auch die Bestandsfahrzeuge durch die Umrüstung ihren Beitrag leisten werden. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für eine höhere Leistungsfähigkeit der Infrastruktur und für ein fahrgastfreundliches Störfallmanagement.“

Verbesserungen nur mit konsequenter Digitalisierung

Auch der Verband Region Stuttgart als Aufgabenträger der S-Bahn Stuttgart zeigte sich erfreut über das Ergehen der Förderbescheide. Dr. Alexander Lahl, Regionaldirektor des Verbands Region Stuttgart, sagte: „Der S-Bahn-Verkehr steht aktuell unter großem Druck – das spüren die Fahrgäste jeden Tag. Klar ist aber auch: Ohne einen konsequenten Schritt in Richtung Digitalisierung werden wir die notwendigen Verbesserungen nicht erreichen. Der digitale Zugbetrieb und perspektivisch teilautomatisiertes Fahren sind der zentrale Hebel, um die Stabilität zu erhöhen, Kapazitäten besser zu nutzen und das Angebot wieder verlässlich zu machen. Wir danken dem Bund ausdrücklich für die Unterstützung bei der Umrüstung der Fahrzeuge – sie ist ein entscheidender Beitrag dafür, dass die S-Bahn in der Region wieder dauerhaft leistungsfähig wird.“

„Die S-Bahn ist die Lebensader der Region“, fügte Dr. Matthias Glaub, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn Stuttgart bei der DB Regio AG, hinzu. „Der digitale Zugbetrieb verbunden mit teilautomatisiertem Fahren steigert die Kapazitäten auf unseren Strecken, wodurch der S-Bahn-Verkehr stabilisiert und Platz für Angebotsausweitungen geschaffen wird. Wir freuen uns, dass uns der Bund bei der notwendigen Umrüstung der Fahrzeuge unterstützt. Denn diese Zukunftstechnologie ist Voraussetzung dafür, dass die Menschen hier in der Region wieder verlässlich mit der S-Bahn in ihrem Alltag mobil sind.“

Tatsächlich ist der Digitale Knoten Stuttgart europaweit das erste Projekt, in dem ein ganzer Bahnknoten samt Zulaufstrecken großflächig digitalisiert wird. Die im Projekt gesammelten Erkenntnisse sollen die Grundlage für den weiteren Roll-out der digitalen Zugbeeinflussung bilden, welche nach und nach die veraltete Technik ablösen wird.

Leuchtturmprojekt für neue Technik

Mit dem Programm „Digitale Schiene Deutschland“ wird die Deutsche Bahn AG das gesamte deutsche Streckennetz mit neuer Leit- und Sicherungstechnik namens ETCS (European Train Control System) und digitalen Stellwerken (DSTW) ausstatten. Mit dem Digitalen Knoten Stuttgart wird erstmals ein großer Eisenbahnknoten in Deutschland mit der Technik ausgestattet. Die Region Stuttgart ist aus gutem Grund das erste Großprojekt dieser Art: Die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes in der Region Stuttgart stößt mittlerweile an ihre Grenzen. Mit neuer Leit- und Sicherungstechnik sollen auf der im Zuge von Stuttgart 21 in weiten Teilen neu gebauten Infrastruktur mehr Züge mit weniger Verspätungen fahren.

Durch die Bundesförderung wird die Ausrüstung von 118 Bestandsfahrzeugen der Zug-Typen Flirt 3 und Talent 3 sowie die Ausrüstung von 130 neuen Doppelstockfahrzeugen des Typs Coradia Max des Landes Baden-Württemberg unter anderem mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS, dem hochautomatisierten Fahren (ATO GoA 2 – Automatic Train Operation Grade of Automation 2) und dem neuen Bahnfunkstandard FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) finanziert. Die ETCS-Umrüstung wird bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Die S-Bahn Stuttgart erhält Fördermittel für die digitale Fahrzeugumrüstung ihrer 215 Bestandsfahrzeuge.

Umrüstung bereits im Gange

Während die Abstimmungen zur Förderung noch im Gange waren, wurde durch den Projektpartner Alstom bereits im Jahr 2021 mit der Umrüstung der Fahrzeuge begonnen. Am Standort Hennigsdorf bei Berlin wurden die sogenannten „First-of-Class“-Fahrzeuge entwickelt, auf deren Basis die Serienumrüstung der SFBW-Bestandsfahrzeuge in Villeneuve in der Schweiz stattfindet. Dort findet bereits die Umrüstung der Baureihe 430 der S-Bahn Stuttgart statt. Die ETCS-Umrüstungen sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Die von Alstom in Katowice (Polen) gebauten neuen Doppelstocktriebwagen werden bereits mit der digitalen Technik ausgeliefert.

Die digitale Fahrzeugausrüstung ist für die Inbetriebnahme von „Stuttgart 21“ zwingend, da das Herzstück des „Digitalen Knoten Stuttgarts“ direkt mit einer ausschließlichen ETCS-Ausstattung an den Start gehen wird. Da die Fahrzeuge neben der digitalen Fahrzeugausrüstung auch noch die konventionellen Zugbeeinflussungssysteme im Fahrzeug haben, haben die Verzögerungen bei der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 keine Auswirkungen.

Schiene der Zukunft

Durch den hochautomatisierten Betrieb mit ETCS entfallen die herkömmlichen Signale am Streckenrand, die Kapazität kann gesteigert werden. ETCS bildet als Trägersystem auch die Voraussetzung, um mit Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführern hochautomatisiert zu fahren. Im hochautomatisierten Fahrbetrieb mit ATO ist der Triebfahrzeugführer weiterhin permanent im Führerstand und kann jederzeit eingreifen, während das Beschleunigen und Bremsen automatisch funktioniert. So wird der Schienenverkehr effizienter und pünktlicher, mehr Fahrten ermöglicht und erheblich zum Klimaschutz beigetragen.

Die Unterstützung des Bundes ermöglicht es, ein neues Zeitalter der Eisenbahn einzuleiten. Nun müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die digitale Technik auch über Stuttgart hinauszutragen und flächendeckend umzusetzen.

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