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Weinbau
  • 21.06.2016

Starke Niederschläge führen zu Schwierigkeiten im Weinbau

  • Die Weinberg-Steillagen mit mittelalterlichen Trockenmauern am Neckar bei Lauffen (Baden-Württemberg) (Quelle: © dpa).

    Bild: © dpa

Die anhaltenden Niederschläge der letzten Wochen haben zu einer Krisensituation bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus der Rebe (Rebenperonospora bzw. Blattfallkrankheit der Rebe) in den Bioweinbaubetrieben in Baden-Württemberg und in Deutschland geführt. Weinbauminister Peter Hauk fordert kurzfristige Hilfen und Perspektiven für die Weinbaubetriebe.

„Wegen der Witterungssituation in den letzten Wochen ist es vielfach unmöglich, mit den bestehenden Bekämpfungsverfahren die Rebflächen im ökologischen Weinbau gesund zu erhalten. Bund, Länder und Verbände müssen deshalb gemeinsam die Betriebe unterstützen“, sagten Weinbauminister Peter Hauk und Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes bei einem Gespräch mit den Öko- und Weinbauverbänden am Montag in Weinsberg. Der deutsche Weinbaupräsident Weber betonte, dass Hilfsmaßnahmen in allen deutschen Anbaugebieten erforderlich sind. Minister Hauk hatte gestern, im Nachgang zu dem Gespräch in Weinsberg, mit der rheinlandpfälzischen Umweltministerin das weitere Vorgehen abgestimmt.

Die Ursachen für die schwierige Situation in den Bioweinbaubetrieben sind zum einen die starken Niederschläge der letzten Wochen und zum anderen, dass Kaliumphosphonate aktuell im Bioweinbau nicht mehr zur Bekämpfung der Rebenperonospora eingesetzt werden dürfen. Der Einsatz von Kaliumphosphonaten war bis 2013 als Pflanzenstärkungsmittel erlaubt. Auf EU-Ebene wurde diese Stoffgruppe danach als Pflanzenschutzmittel gelistet und ist damit aus der Anwendung für Biobetriebe herausgefallen. Damit hat man den ökologisch wirtschaftenden Weinbaubetrieben in den niederschlagsreichen mitteleuropäischen Regionen den Boden für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Rebflächen in schwierigen Jahren entzogen. Nur mit Kupfer kann in solchen Jahren die Rebenperonospora in Deutschland nicht ausreichend bekämpft werden. Baden-Württemberg wird deshalb zusammen mit den Verbänden einen neuen Vorstoß in Brüssel machen, um mittelfristig die Zulassung von Kaliumphosphonat zu erreichen. Diese auf europäischer Ebene erforderliche Rechtsanpassung wird aus heutiger Sicht allerdings kurzfristig nicht möglich sein.

Situation und Vorgehensweise in Baden-Württemberg

„Der Ökoweinbau ist bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus der Rebe in einer Krisensituation, die die Betriebe selbst nicht zu vertreten haben und die es in dieser Form bislang so nicht gab“, sagte Minister Peter Hauk am Montag in Weinsberg. „Biobetriebe, die aufgrund der aktuellen Situation stark gefährdete Teilflächen des Betriebs aus der Bioproduktion herausnehmen und mit Kaliumphosphonat behandeln, sind aufgefordert, dies zuvor an das Staatliche Weinbauinstitut in Freiburg beziehungsweise an die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg zu melden sowie die Ökokontrollstelle zu informieren.“ Der Minister stellte klar: „Weine die aus Trauben dieser Flächen produziert werden, dürfen nach aktueller Rechtslage nicht als Bioweine vermarktet werden.“

Der Minister sicherte zu, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, die behandelten und daher aus der Ökoproduktion herausgenommenen Flächen möglichst bald wieder in den Betrieb zu integrieren. Voraussetzung sei die entsprechende Meldung der herausgenommenen Flächen an die zuständigen Landesbehörden, die ihrerseits die Notwendigkeit der spezifischen Pflanzenschutzmaßnahmen auf diesen Flächen bestätigen beziehungsweise dies im Rahmen einer gemeinsamen Versuchsdurchführung wissenschaftlich begleiten. Zudem seien die Pflanzenschutzmaßnahmen exakt zu dokumentieren. In Baden-Württemberg sind die ökologisch bewirtschafteten Rebflächen insgesamt massiv von der Rebenperonospora befallen, es zeigt sich aber auch ein zum Teil heterogenes Bild. Der Befall ist sehr stark lagen- und sortenabhängig. Die pilzresistenten Rebsorten, die teilweise in Biobetrieben angebaut werden, sind zum Beispiel nicht betroffen.

Im Rahmen des Arbeitskreises „Rebschutz-Ökoweinbau“, der am Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Beratungsdienst Ökologischer Weinbau des Landes im Mai eingerichtet wurde, wurden bereits viele Flächen und Lagen identifiziert, die mit Kaliumphosphonat behandelt werden müssen, um einen Totalausfall der Ernte zu vermeiden und die angrenzenden Flächen zu schützen. Diese Flächen und weitere kritische Flächen können in ein Versuchsprojekt der Weinbauanstalten in Freiburg und Weinsberg einbezogen werden.

Die Ökoweinbaubetriebe in Baden-Württemberg werden deshalb aufgefordert, alle in Bezug auf Peronosporabefall kritischen Flächen, die mit Kaliumphosphonat behandelt werden müssen, umgehend zu melden. Die Meldung soll auf Basis der betrieblichen Flurstücksliste der Weinbaukartei erfolgen und zwar für das Anbaugebiet Baden an das Staatliche Weinbauinstitut in Freiburg und für das Anbaugebiet Württemberg an die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg. Die Weinbauanstalten werden die Sachgebiete Weinbau und Pflanzenschutz an den Regierungspräsidien sowie die Weinbauberatung über die gemeldeten Flächen informieren und die Abstimmung zu den Sondermaßnahmen herbeiführen. Die Betriebe sind dafür verantwortlich, parallel auch ihre jeweilige Ökokontrollstelle über die Herausnahme von Flächen zu informieren. Die Bekämpfungsmaßnahmen auf den gemeldeten Flächen können umgehend durchgeführt werden.

Langfristige Strategien

Neben der kurz- und mittelfristigen Maßnahmen zur Unterstützung des Ökoweinbaus in der Krisensituation müssen die Forschungsprojekte zur Bekämpfung der Rebenperonospora weiter vorangetrieben werden. Die Weinbauanstalten in Freiburg und Weinsberg arbeiten etwa an neuen Kupferformulierungen zur Verbesserung der Wirkungssicherheit von Kupfer und testen verschiedene Pflanzenstärkungsmittel. Auch die Doppelstrategie „Kaliumphosphonat in Verbindung mit Kupfereinsatz“ muss intensiv weiterbearbeitet werden. Ebenso muss die Züchtung und der Anbau pilzwiderstandsfähiger Rebsorten weiter vorangetrieben werden, um langfristig einen Strategiewechsel „weg von direkten Bekämpfungsmaßnahmen hin zu resistenten Sorten“ zu ermöglichen. Baden-Württemberg unterstützt bereits seit Jahren intensiv die Resistenzzüchtung bei Reben und weitere Forschungsprojekte. „Wir fordern deshalb den Bund auf, den weinbautreibenden Bundesländern zusätzliche Finanzmittel für diese Arbeiten zur Verfügung zu stellen“, sagte Hauk.

Bekämpfung des Falschen Mehltaus

Die anhaltenden Niederschläge und ausreichend hohen Temperaturen sorgten in den vergangenen Wochen auch immer wieder für optimale Infektionsbedingungen für den Falschen Mehltau der Weinrebe. Dies führte im Bioweinbau zu einem massiven Befall der Blätter und Gescheine mit dem Erreger. Vielfacht droht ein kompletter Ernteverlust.

In Baden-Württemberg wirtschaften circa 200 Betriebe auf circa 1.300 Hektar (fünf Prozent der Rebfläche von insgesamt circa 27.000 Hektar in Baden-Württemberg) ökologisch. Aufgrund der prognostizierten Wetterlage ist auch weiterhin mit optimalen Infektionsbedingungen und zu einer Verschärfung der Situation zu rechnen. Um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern sind wiederholte Anwendungen von Pflanzenschutzmittel unverzichtbar. Während dem konventionellen Weinbau eine Vielzahl unterschiedlicher Mittel zur Verfügung steht, ist der ökologische Weinbau bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus stark eingeschränkt. Derzeit sind im ökologischen Weinbau nur auf Kupfer basierende Pflanzenschutzmittel gegen den Erreger zugelassen. Neben der limitierten Auswahl ist außerdem die Aufwandmenge an Kupfer, die pro Jahr und Hektar ausgebracht werden darf, auf drei Kilogramm beschränkt. Nur in Notfallsituationen, wie sie beispielsweise dieses Jahr vorliegt, kann diese Menge per Ausnahmegenehmigung auf vier Kilogramm pro Hektar erhöht werden. Diese Genehmigung wurde erteilt.

Die Weinbauländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz unterstützen das Ziel der Verbände, die Deckelung der maximalen Kupfermenge bis auf das europäische Niveau anzuheben.


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