Haushalt

Erste Vermögensrechnung des Landes liegt vor

Berechne Lesezeit
  • Teilen

Die ab jetzt jährlich erscheinende Vermögensrechnung für Baden-Württemberg zeigt, was das Land besitzt, wie hoch die Schulden sind und welche Verpflichtungen für die Zukunft bestehen.

Die Landesregierung hat die erste Vermögensrechnung für Baden-Württemberg vorgelegt. Darin werden Vermögen und Schulden des Landes zum Stichtag 31. Dezember 2017 umfassend dargestellt. Künftig soll eine solche nach kaufmännischen Grundsätzen erstellte Bilanz jährlich veröffentlicht werden. Anhand mehrerer Vermögensrechnungen wird es möglich sein, die Entwicklung von Vermögen und Schulden abzulesen. „Wir machen damit zusätzlich transparent, wie sich die Haushaltspolitik des Landes auswirkt“, sagte Finanzministerin Edith Sitzmann. „Wir legen offen, was das Land besitzt, wie hoch die Schulden sind und welche Verpflichtungen für die Zukunft bestehen. Im Vergleich mehrerer Jahre können wir so finanzpolitisch nachhaltiges Handeln nachvollziehen.“

In den Jahren 2017 bis 2019 fließen in Baden-Württemberg insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro zusätzlich in den Abbau des Sanierungsstaus bei landeseigenen Gebäuden und Straßen. Der investive Teil dieser Mittel wird in einer Bilanz wie der Vermögensrechnung dargestellt. „Wir werden an kommenden Vermögensrechnungen ablesen, inwiefern sich die Investitionen auszahlen“, sagte die Ministerin.

Erkennbar auswirken werde sich die Tilgung von Kreditmarktschulden in Höhe von 1,25 Milliarden Euro in den Jahren 2018 und 2019. „Wir haben eine historische Trendwende erreicht, weil wir erstmals Kreditmarktschulden in relevanter Höhe zurückzahlen. Diese Trendwende wird in künftigen Vermögensrechnungen unterm Strich offensichtlich sein.“

Der Vermögensrechnung vorangegangen war eine Eröffnungsvermögensrechnung zum Stichtag 1. Januar 2017. Sie war die Grundlage für die nun veröffentlichte Bilanz, enthielt jedoch noch nicht alle Positionen. Zum Beispiel wurden nun die Rückstellungen für die Versorgung derjenigen Beschäftigten ergänzt, deren Aufgaben mit der Verwaltungsstrukturreform 2005 zur kommunalen Ebene wechselten. Die gesamten Pensions- und Beihilferückstellungen für die Versorgungsempfängerinnen und -empfänger wie auch die künftigen Ansprüche auf Versorgung und Beihilfe der aktiven Beamtinnen und Beamten wurden nach versicherungsmathematischen Grundsätzen berechnet. Sie liegen zum Stichtag 31. Dezember 2017 bei rund 176,56 Milliarden Euro.

„Das zeigt klar, wie wichtig unsere Vorsorge für die Pensionsverpflichtungen ist“, stellte Sitzmann fest. Innerhalb des einen Jahres zwischen den Stichtagen der Eröffnungsvermögensrechnung und der ersten Vermögensrechnung ist diese Vorsorge gewachsen. Die beiden Sondervermögen für die Finanzierung künftiger Pensionen waren in der Vermögensrechnung Ende 2017 6,28 Milliarden Euro schwer. Der damalige Marktwert belief sich zum Stichtag sogar auf 6,53 Milliarden Euro. Anfang 2017 hatten die Sondervermögen noch ein Volumen von 5,56 Milliarden Euro. Die Ministerin wies darauf hin, dass ab 2020 die Vorsorge angehoben werde: Für alle neu eingestellten Beamtinnen und Beamten würden dann jeweils 750 Euro monatlich zurückgelegt, derzeit sind es 500 Euro. Für neu eingestellte Beamtinnen und Beamte auf neu geschaffenen Stellen seien es in Zukunft 1000 Euro. „Jeder Euro, den wir jetzt für künftige Verpflichtungen zurücklegen, entlastet nachfolgende Generationen und erhält ihnen Gestaltungsspielräume“, so die Finanzministerin.

Die erste Vermögensrechnung des Landes Baden-Württemberg hat eine Summe von 232,75 Milliarden Euro. Auf der Aktiv-Seite sind beispielsweise Grundstücke und Gebäude des Landes bewertet (14,72 Milliarden Euro). Auch die Finanzanlagen wie Beteiligungen und Sondervermögen (insgesamt 18,24 Milliarden Euro) flossen mit ein. Auf der Passiv-Seite finden sich die Verpflichtungen des Landes. Neben den Verpflichtungen für Pensionen und Beihilfe gehören zum Beispiel Rückstellungen für zu erwartende Steuerrückerstattungen dazu (6,11 Milliarden Euro).

Stellt man die Passiva den Aktiva gegenüber, bleibt ein negatives Saldo von 162,87 Milliarden Euro. Für ein Flächenland wie Baden-Württemberg ist eine solche Summe nicht ungewöhnlich. Sie ist mit den Abschlüssen anderer Länder vergleichbar. Denn die handelsrechtlichen Grundsätze, nach denen die Vermögensrechnung erstellt wird, sehen zwar die Bildung von Rückstellungen für ungewisse künftige Verpflichtungen wie die Versorgungsansprüche vor. Künftige Steuereinnahmen werden aber nicht erfasst. Auch staatliche Leistungen wie Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie innere Sicherheit sind in der Vermögensrechnung nicht dargestellt.

Weitere Informationen

Für das Land Baden-Württemberg gilt das an Einnahmen und Ausgaben orientierte kamerale Haushalts- und Rechnungswesen. Nach der Landeshaushaltsordnung wird dem Staatshaushaltsplan eine Vermögensübersicht als Anlage beigefügt. Veränderungen des Vermögens und der Schulden sowie künftige Verpflichtungen werden grundsätzlich nicht dargestellt.

Die Vermögensrechnungen mit einem umfassenden Überblick über Vermögen und Schulden ergänzen das kamerale Haushaltssystem des Landes. Grundlage für die Vermögensrechnungen sind die Vorschriften des Handelsgesetzbuches unter Berücksichtigung der Besonderheiten öffentlicher Haushalte.

Weitere Meldungen

Eine Hand hält am 18.04.2016 an einer Tankstelle in Tübingen (Baden-Württemberg) einen Tankstutzen.
Verbraucherschutz

Hauk kritisiert deutsche Spritpreise

Wanderer gehen bei Reichelsheim durch den herbstlichen Odenwald (Hessen).
Forst

KI unterstützt Waldmanagement im Klimawandel

Hände eines Kioskmitarbeiters legen Geld in eine Kasse.
Steuern

Viele Mängel bei Kassenkontrollen in Barber-, Tattoo- und Nagelstudios

Ein Ingenieur kontrolliert in einem Labor mit einem Mikroskop einen Chip zum Einsatz in einen Quantencomputer.
Innovation

Land fördert 14 Prototypen für Zukunftstechnologien

Gewinnerteam Regional Cup Tübingen
Start-up BW

ELASTheal gewinnt den Regional Cup Tübingen

Eine Mitarbeiterin der Firma Lütze fertigt Bauteile für elektronische Steuerungen für Schienenfahrzeuge.
Innovation

Land fördert Technologie­kooperation mit der Ukraine

Logo und Schriftzug der „Agentur für Arbeit“ an einem Gebäude.
Arbeitsmarkt

Verhaltene Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Die NECOC-Versuchsanlage am KIT produziert festen Kohlenstoff aus klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid.
Wirtschaft

Land fördert innovatives Verfahren für klimaneutrale Produktion

Bescheidübergabe am 31. März 2026
Wirtschaft

Land stärkt Automotive-Standort im Rems-Murr-Kreis

Euro-Banknoten
Haushalt

Ratingagenturen bestätigen Spitzenbewertungen für das Land

Hand hält Smartphone mit geöffneter MeinELSTER+-App, die eine vorausgefüllte Steuererklärung und Abgabe per Klick zeigt, im hellen Bürohintergrund.
Steuern

Anmeldestart für Steuererklärung mit einem Klick

Straßenbaustelle an der B31 im Schwarzwald (Bild: © dpa).
Straßenbau

500 Millionen Euro für Straßenerhalt im Land

Bauarbeiter laufen in Stuttgart an Neubauten der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) vorbei. (Foto: © dpa)
Wohnraumförderung

Bau von 3.367 Sozialwohnungen bewilligt

Neue Herausforderungen für die Kriminaltechnik in Bayerns
Wirtschaft

Länder fordern Anpassung der Chemieagenda 2045

Die CO.VISION Co-Teams beim Kick-off-Treffen im März 2026 in Stuttgart auf einem Gruppenfoto.
Kreativwirtschaft

Neun interdisziplinäre Innovationsprojekte für kreative Transformation