Gesundheit

40 Jahre Aidshilfen in Baden-Württemberg

Seit 40 Jahren stehen die Aidshilfen in Baden-Württemberg für Solidarität, Aufklärung und Prävention. Was einst als Netzwerke zur Selbsthilfe begann, ist heute ein landesweites Angebot für sexuelle Gesundheit.

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Ein mit dem HI-Virus infizierter Mann hält eine rote Schleife als Symbol der Solidarität mit HIV-Positiven und Aids-Kranken.
Symbolbild

In diesem Jahr feiern die Aidshilfen in Baden-Württemberg ihr 40-jähriges Bestehen. Die Jubiläen der Aidshilfen stehen für Jahrzehnte erfolgreicher Aufklärung, Prävention und Solidarität. Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen erneut. Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet von erneut steigenden HIV-Zahlen.

Mitte der 1980er-Jahren erreichte die damals neue Immunschwächekrankheit Aids auch Deutschland und löste große Unsicherheiten und Ängste aus. Erste Fälle traten in Baden-Württemberg vor allem in Großstädten wie Stuttgart oder Karlsruhe auf. Menschen aus den betroffenen Communities bildeten Netzwerke zur Selbsthilfe und organisierten sich im ganzen Land in lokalen Gruppen.

Zentren für sexuelle Gesundheit

Aus diesen Initiativen gingen im Laufe der Zeit die heutigen Aidshilfen und Zentren für sexuelle Gesundheit hervor. Die AIDS-Hilfe Stuttgart, ZeSIA – Zentrum für sexuelle Gesundheit, Identität und Aufklärung in Karlsruhe, Spotlight Pforzheim und das Zentrum für sexuelle Gesundheit | Aidshilfe Freiburg – Offenburg e.V. wurden im Jahr 1985 gegründet; die AIDS-Hilfe Schwäbisch Gmünd besteht seit 30 Jahren. Auch der öffentliche Gesundheitsdienst reagierte und nimmt bis heute im Sinne der Bevölkerungsmedizin Beratungen und Testungen nach gesetzlicher Grundlage als Pflichtaufgabe wahr.

Die Ziele sind: der Stigmatisierung durch Politik und Gesellschaft entgegenzuwirken, Menschen mit HIV zu unterstützen und die Bevölkerung zu informieren und aufzuklären.

Wo früher die Selbsthilfe im Mittelpunkt stand, bieten die Aidshilfen inzwischen zusätzlich ein breites Angebot zur sexuellen Gesundheit, Bildung und Prävention an – zum Beispiel die Checkpoints für Tests und Beratung zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Steigenden Neuinfektionszahlen mit Aufklärung entgegentreten

Manne Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg sagte: „Ich gratuliere herzlich zu 40 Jahren Aidshilfen in Baden-Württemberg und danke allen, die diesen großen Erfolg ermöglicht haben. Aber auch nach über 40 Jahren Kampf gegen HIV haben wir noch nicht alle unsere Ziele erreicht. Wir möchten uns auch zukünftig dafür einsetzen, die Strukturen zur Bekämpfung von HIV und Aids und den Zugang zu gerechter und diskriminierungsfreier Prävention zu ermöglichen und zu erleichtern. Im Hinblick auf wieder steigende Zahlen bei HIV-Neuinfektionen ist insbesondere Aufklärungs- und Präventionsarbeit bei Jugendlichen wichtig, um die Gesundheitskompetenz zu steigern und der Weiterverbreitung von sexuell übertragbaren Infektionen und HIV entgegenzutreten.“

Dies ist dringend nötig, denn die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen in der weltweiten Bekämpfung von HIV, beispielsweise das für kommendes Jahr angekündigte Ende von UNAIDS – dem Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/Aids – drohen die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zunichtezumachen.

Das Land Baden-Württemberg fördert die Aidshilfen und Checkpoints trotz angespannter Haushaltslage und dadurch nötiger Einsparungen in vielen Bereichen, um niedrigschwelligen Zugang zu Beratungen, Testungen und Hilfen zu ermöglichen.

Vorurteile gegen Menschen mit HIV weiter hoch

„40 Jahre Aidshilfe in Baden-Württemberg ist ein riesiger Erfolg! Unsere Mitglieder haben es geschafft, Unwissen und Angst in Aufklärung und Solidarität zu wandeln. Dank der medizinischen Fortschritte ist HIV heute gut behandelbar und vermeidbar. Wir kämpfen aber weiterhin gegen hartnäckige Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV“, sagt Claudius Desanti, Geschäftsführer der Aidshilfe Baden-Württemberg. „Und wir stehen vor neuen, auch finanziellen Herausforderungen. Nur wenn die Aidshilfen in Baden-Württemberg von den Kommunen und vom Land weiterhin verlässlich mit den notwendigen Mitteln unterstützt werden, können wir Neuinfektionen – und damit auch Ängste, Scham und Vorurteile – effektiv verhindern.“

Laut RKI wird die Anzahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland sowie bei Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland mit HIV infiziert haben, für das Jahr 2024 auf 2.300 geschätzt und liegt damit etwa um 200 Neuinfektionen höher als 2023. In Deutschland leben laut Schätzungen insgesamt etwa 97.700 Menschen mit HIV, davon circa 10.300 in Baden-Württemberg.

Die aktuellen Zahlen des RKI unterstreichen die Wichtigkeit, im Kampf zur Eindämmung (und gegen die Weiterverbreitung) von HIV dranzubleiben, weshalb die Beratungsstellen für sexuell übertragbare Infektionen (STI) (PDF) des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Baden-Württemberg niedrigschwellige Beratungen und Testungen in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten (wie zum Beispiel HIV, Syphilis, Hepatitis B und C, Chlamydien, Gonokokken et cetera) flächendeckend anbieten. Dieses Präventionsangebot kann anonym für alle im Land lebenden Menschen unabhängig von Herkunft, kulturellem Hintergrund oder Sprachkenntnissen in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus werden aufsuchende Präventionsarbeit in zielgruppenspezifischen Settings (wie zum Beispiel Schulen) oder Aufklärungskampagnen zur Förderung der sexuellen Gesundheit durchgeführt.

HIV dank moderner Therapien heute gut behandelbar

Die gute Nachricht: HIV ist dank moderner Therapien heute gut behandelbar, und Menschen mit HIV können dadurch ein langes, gesundes Leben führen. Die Therapie schützt außerdem vor Übertragung beim Geschlechtsverkehr. Im Alltag kann HIV ohnehin nicht übertragen werden. Eine besondere Rolle spielt auch die Prävention mittels Präexpositionsprophylaxe (PrEP). Hierbei schützen sich Menschen vor HIV, indem sie vorbeugend ein Medikament einnehmen. Der Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bleibt dabei dennoch zu beachten.

Der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember wird seit 1988 begangen und erinnert an die Rechte von Menschen mit HIV, ruft zu Solidarität auf und bekämpft Vorurteile durch Aufklärung. In diesem Jahr wird der Tag von neuen, hier dargestellten Unsicherheiten begleitet. Der Welt-Aids-Tag soll das Bewusstsein für HIV und Aids in der Gesellschaft schärfen – und dies gemeinsam. Gerade jetzt.

Weitere Informationen zum HIV und Prävention sowie konkrete Unterstützungsangebote finden sich auf der Webseite des Landesverbands Aidshilfe Baden-Württemberg und vor Ort bei den regionalen Aidshilfen in Baden-Württemberg. Die vielfältige Arbeit der Aidshilfen in Baden-Württemberg wird zusätzlich in der neuen Jahresbroschüre des Landesverbands (PDF) dargestellt. Die Broschüre kann auf der Website heruntergeladen werden.

Checkpoint Baden-Württemberg: Checkpoints für Beratung und Tests zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen

Quelle:

Gemeinsame Pressemitteilung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration und der Aidshilfe Baden-Württemberg

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