Quartiersentwicklung

Mielich besucht Preisträger des Ideenwettbewerbs Quartier 2020

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Logo der Strategie „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten.“: Umrisse von Menschen, Tieren und Häusern in Form des Buchstabens Q (Bild: Sozialministerium Baden-Württemberg)

Staatssekretärin Bärbl Mielich hat vier Preisträger des Ideenwettbewerbs Quartier 2020 besucht. Dort informierte sie sich über die Fortschritte der preisgekrönten alters- und generationengerechten Quartiersentwicklung. Man benötige lebendige und verlässliche Nachbarschaften, in denen Menschen Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen, so Mielich.

Emmendingen, Lahr, der Landkreis Karlsruhe mit der Gemeinde Bad Schönborn und Sinsheim – diese Kommunen gehören zu den Gewinnern des Ideenwettbewerbs Quartier 2020 und warten mit spannenden und erfolgreichen Quartiersprojekten auf. Staatssekretärin Bärbl Mielich machte an allen vier Standorten Station und informierte sich über die Fortschritte der preisgekrönten alters- und generationengerechten Quartiersentwicklung.

„Auf den Tag heute habe ich mich richtig gefreut“, so Staatssekretärin Mielich. „Als Juryvorsitzende war ich letztes Jahr begeistert von der hohen Resonanz, aber auch von der Bandbreite, Kreativität und Qualität der Bewerbungen. Heute nun zu sehen, wie die Ideen mit Leben gefüllt werden und wie viele Akteure gemeinsam an der Umsetzung arbeiten, hat mich tief beeindruckt.“

Lebendige und verlässliche Nachbarschaften, in denen Menschen Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen, seien notwendig, um den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft zu stärken. „Die vier Preisträger mit ihren zum Teil ganz unterschiedlichen Ansätzen zeigen, dass es für eine erfolgreiche Quartiersarbeit kein Patenrezept gibt. Hand in Hand mit Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Bürgerschaft wurden individuelle Wege erarbeitet“, so Mielich.

Der Ideenwettbewerb und das Thema Quartiersentwicklung treffe den Nerv der Kommunen. „Ich werde von Landräten, Bürgermeistern, Gemeinderäten und Engagierten im ganzen Land angesprochen, die sich den demografischen Herausforderungen stellen wollen“, sagte Mielich weiter. Die Entwicklung von lebendigen und sorgenden Gemeinschaften sei eine der drängenden Zukunftsaufgaben.

Die vier Stationen der Quartierstour

  • Gemeinde Emmendingen
    „Älter werden in den Ortschaften“: Die fünf Ortschaften Kollmarsreute, Maleck, Mundingen, Wasser und Windenreute stehen dabei mit ihrer jeweiligen Identität im Fokus. Eine gute Infrastruktur, Mobilität und Nahversorgung, aber auch Betreuung und Pflege sind dabei wichtige Themen. Veranstaltungen haben, in enger Zusammenarbeit mit den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern, spürbar mehr Bewusstsein für das Thema geweckt und die Beteiligung der älteren Menschen verstärkt. Zu den frischen Impulsen in der Gemeinde gehören zum Beispiel Mitfahrbänke, neue Begegnungsmöglichkeiten und lebhafte Diskussionen, wie das nachbarschaftliche Miteinander gestärkt werden kann.
    „Ich freue mich außerordentlich darüber, dass von den zahlreichen Einreichungen beim Ideenwettbewerb unser Emmendinger Projekt ausgewählt wurde. Um angesichts des demografischen Wandels Emmendingen mit seinen fünf Ortschaften so lebenswert zu erhalten und fit für die Zukunft zu machen, sind wir im regen Dialog mit den Seniorinnen und Senioren. Dank der Unterstützung werden wir unter anderem dem Wunsch nach neuen Begegnungsformen vor Ort nachkommen können", so Oberbürgermeister Stefan Schlatterer.
  • Stadt Lahr
    „Neues Quartier Lahr-West“: Wie plant man auf sozial vernünftigem Wege ein modernes neues Wohnquartier am Standort einer bewohnten Wohnungssiedlung aus den 1960er Jahren? Die Antwort darauf lässt sich nicht als städtischer Planungsträger allein finden. Aus diesem Grund ist die Stadt Lahr in enge Zusammenarbeit mit der Wohnbau Stadt Lahr GmbH und dem Caritasverband Lahr e.V. getreten, um alle betroffenen Gruppen und Akteure in einem kooperativen Planungsverfahren von Beginn an vereinen zu können. Ein Hauptbestandteil dieser Kooperation ist die aktive Einbeziehung der betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner.
    „Dass die Herstellung von günstigem Wohnraum eine der drängenden Aufgaben der momentanen Stadtentwicklung darstellt, ist uns allen bewusst“, sagt Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller. „Hier haben wir nicht nur die Möglichkeit, diesen dringend benötigten zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, sondern gleichzeitig auch noch die Chance, die Lebensqualität der in den alten Miethäusern lebenden Lahrerinnen und Lahrer um ein Vielfaches zu verbessern. Ein besonderes Anliegen ist mir hierbei die Bezahlbarkeit der Mieten für die jetzigen Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten und die sehr eng verflochtene Nachbarschaft im Quartier zu halten.“
    Der Caritasverband Lahr e.V., der mit dem Don-Bosco-Stadtteilzentrum bereits ein wichtiger Bestandteil des Stadtquartiers ist, fungiert als wichtiges Bindeglied. So wurden neben wöchentlichen Sprechstunden auch Arbeitsgruppen gebildet, die zu den Themen Wohnen, Wohnumfeld und Infrastruktur die Wünsche, Anregungen, aber auch Sorgen der Quartiersgemeinschaft herausarbeiten und darlegen.
    Die gemeinsamen Arbeitsergebnisse münden in einem städtebaulichen Planungswettbewerb, in dessen Preisgericht auch Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Akteure sowie der Bewohner sitzen werden.
  • Landkreis Karlsruhe und die Gemeinde Bad Schönborn
    Der Landkreis Karlsruhe war einer der aktivsten Landkreise im Ideenwettbewerb. Neben den drei Preisträgern haben sich weitere Städte und Gemeinden auf den Weg zu einer alters- und generationengerechten Quartiersentwicklung gemacht. Der Landkreis Karlsruhe unterstützt und fördert die Aktivitäten aller Kommunen. Durch Fachtage und Veranstaltungen stärkt er den Austausch und das gemeinsame Lernen.
    Im Ideenwettbewerb wurde der Landkreis Karlsruhe selbst mit der Gemeinde Bad Schönborn ausgezeichnet. Die Gemeinde setzt auf eine intensive Bürgerbeteiligung, um die Lebensqualität der älteren Bevölkerung zu stärken und insbesondere die in die Kurgemeinde zuziehenden älteren Menschen in die Gemeinschaft zu integrieren. Zwei Quartierslotsinnen – eine für jeden Ortsteil – sind als aktivierende Ansprechpartnerinnen unterwegs, um diese Integrationsarbeit im direkten Kontakt zu fördern. „Dem generationenübergreifenden bürgerschaftlichen Zusammenwirken im Verbund mit der sozialen Infrastruktur vor Ort gehört die Zukunft in der kommunalen Quartiersentwicklung“, sagte die stellvertretende Sozialdezernentin Margit Freund.
  • Stadt Sinsheim
    Die Stadt Sinsheim hat sich mit ihrer Idee eines systematischen und strukturierten Quartiersentwicklungsprozesses einer besonderen Herausforderung gestellt. Die Stadt mit insgesamt 36.000 Einwohnern hat zwölf verschieden strukturierte Stadtteile mit eigenen Ortsverwaltungen, in denen die Seniorenarbeit ganz unterschiedlich ausgeprägt ist. Mittels einer Sozialraumanalyse und unter Beteiligung aller Ortsvorsteher wurden vier Modell-Stadtteile identifiziert, in denen jetzt Quartiersentwicklungsprozesse mit dem Fokus Pflege, Unterstützung und Wohnen im Alter gestartet werden.
    Ein ausgewählter Stadtteil ist Weiler mit rund 1.900 Einwohnern und einem hohen Anteil älterer Mitbürger. Hier hat das Pflegeheim „Haus Burgblick“ Vorbildcharakter, da es bereits begonnen hat, sich in das Quartier zu öffnen. Im Rahmen des Projektes „Aktiv 60 plus“ öffnet das Heim jeden Dienstag und Donnerstag seine Türen. Quartiers- und Heimbewohner spielen gemeinsam bei Kaffee und Kuchen Bingo oder kegeln. Es gibt ein Nostalgiekino, und die Alltagskompetenz wird mit Gedächtnistraining und Spielen gestärkt. In dem Projekt „Alt trifft Jung“ singt der Chor der Heimbewohner „Die Burgblick Nachtigallen“ gemeinsam mit dem Grundschulchor und Kindern des Kindergartens „Regenbogen“. Besonders freuen sich die älteren Menschen im Heim über die monatlichen Besuche des Kindergartens „Gänseblümchen“ zum Geburtstagssingen.
    Diese Quartiersangebote sind auch deshalb beispielhaft, weil sie durch die intensive Kooperation des Pflegeheims, des Fördervereins für Senioren Weiler e.V., des VdK-Ortsverbands Weiler und der Stadt Sinsheim entstanden sind.
    Oberbürgermeister Jörg Albrecht freut sich über dieses gelungene Quartiersprojekt: „ Hier sieht man, dass durch vereinte Bemühungen vieler engagierter Menschen Dinge auf den Weg gebracht werden, die unseren älteren Mitmenschen ein hohes Maß an Lebensqualität in ihrer gewohnten Umgebung, in ihrem Quartier bieten.“

Landesstrategie „Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten.“

Mit der Landesstrategie „Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten.“ unterstützt und begleitet das Ministerium für Soziales und Integration Kommunen und zivilgesellschaftliche Akteure bei einer alters- und generationengerechten Quartiersentwicklung. Dabei wird das Quartier über die städtebauliche Dimension hinaus betrachtet. Quartiere sind vor allem auch lebendige soziale Räume, in die Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen. Die Grenzen eines Quartiers sind nicht klar fixiert. Vielmehr ist es ein Bezugsrahmen, mit dem sich die Menschen identifizieren – das kann beispielsweise ein Straßenzug, eine Nachbarschaft, ein Stadtteil oder ein ganzes Dorf sein. Dort sollen alle Menschen die Chance haben, mit hoher Lebensqualität und Teilhabe – auch bei Unterstützungs- und Pflegebedarf – in ihrem gewohnten Umfeld selbstbestimmt zu leben.
Die Landesstrategie bietet in den Bereichen Beratung, Förderung, Vernetzung und Qualifizierung vielfältige Angebote.

Quartier 2020 – Gemeinsam.Gestalten.

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