Sicherheit

Landesweiter Prozess für mehr Sicherheit im Bahnverkehr

Mit Pilotprojekten zur Doppelbesetzung in Regionalzügen sorgt das Land gemeinsam mit den Bahnunternehmen für mehr Schutz von Fahrgästen und Personal.

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Ein Intercity steht in einem Bahnhof. (© picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa)
Symbolbild

Mit einem ersten Treffen aller Beteiligten und mit dem Start von Pilotprojekten für Doppelbegleitungen in Regionalzügen hat das Ministerium für Verkehr einen landesweiten Prozess für mehr Sicherheit im Bahnverkehr angestoßen. Ziel ist es, gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um Fahrgäste und Personal gleichermaßen besser zu schützen. Die Pilotvorhaben von Arverio, Deutscher Bahn und der Südwestdeutschen Landesverkehrsgesellschaft (SWEG) bilden dabei den Auftakt.

Klar ist: Die Sicherheit von Fahrgästen und Beschäftigten hat für uns alle oberste Priorität.
Verkehrsminister Winfried Hermann

Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: „Nach dem Sicherheitsgipfel in Berlin war es mir wichtig, mit allen Beteiligten in Baden-Württemberg in einen fundierten Austausch zu gehen. Klar ist: Die Sicherheit von Fahrgästen und Beschäftigten hat für uns alle oberste Priorität. Alle relevanten Akteure haben ihre Erfahrungen und Vorschläge eingebracht. Daraus werden wir ein Konzept entwickeln, das die Sicherheit im Zug und an den Bahnhöfen weiter erhöht. In den kommenden Wochen werden wir konkrete Maßnahmen ausarbeiten und auf den Weg bringen. Dazu gehören auch klare Anforderungen für die Zusammenarbeit mit der Polizei oder an die finanzielle Verantwortung des Bundes. Dass die Eisenbahnunternehmen kurzfristig mit Pilotvorhaben zu Doppelbesetzungen schon einen ersten Schritt umsetzen und das Land hierfür den Rahmen gesetzt hat, zeigt, wie wichtig allen das Thema ist. Für dieses Engagement und die schnelle Umsetzung möchte ich mich ausdrücklich bedanken.“

Austausch knüpft an Sicherheitsgipfel in Berlin an

Vertreterinnen und Vertreter der Verkehrsunternehmen, der Bundespolizei, des Innenministeriums, der Gewerkschaften, der Fahrgastvertretungen sowie der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg waren am Freitag auf Einladung von Verkehrsminister Winfried Hermann zum Austausch im Verkehrsministerium zusammengekommen. Der Austausch knüpft unmittelbar an die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels in Berlin an, zu dem die Deutsche Bahn nach dem tödlichen Übergriff auf einen Zugbegleiter bei Kaiserslautern eingeladen hatte. Dort hatten am 13. Februar Bund, Vertreter der Länder, Bahnunternehmen, Gewerkschaften und Sicherheitsbehörden weiteren Handlungsbedarf festgestellt und zusätzliche Maßnahmen vereinbart, etwa eine stärkere Präsenz von Sicherheitspersonal, den Einsatz von Bodycams und eine bessere technische Ausstattung für die Mitarbeitenden der Deutschen Bahn.

Aggressionen nehmen messbar zu

Baden-Württemberg hat bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit im Schienenpersonennahverkehr umgesetzt. Dazu gehören eine schrittweise Ausweitung des Einsatzes von Sicherheitspersonal, verpflichtende Deeskalations- und Sicherheitstrainings für das Zugpersonal sowie die nahezu flächendeckende Ausstattung der Züge mit Videotechnik. Zudem wurden Schwerpunktkontrollen bei Großveranstaltungen verstärkt, die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden intensiviert und ein flächendeckendes Messer- und Waffenverbot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eingeführt. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste auf einem hohen Niveau zu stabilisieren. „Gleichzeitig ist klar, dass weitere Schritte notwendig sind, um auf veränderte Herausforderungen zu reagieren und den Schutz von Fahrgästen und Beschäftigten weiter zu verbessern. Die Aggressionen im öffentlichen Raum nehmen leider messbar zu“, sagte Minister Hermann.

Verstärkte Präsenz von Personal im Zug

„Ein erster Schwerpunkt wird auf Pilotprojekten für Doppelbegleitungen liegen. Ziel ist es, durch eine verstärkte Präsenz von Personal im Zug die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen und gleichzeitig das Begleitpersonal besser zu schützen. Dabei gilt es aber behutsam vorzugehen“, so Hermann. Das Land wird dazu gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen verschiedene Modelle mit dem bestehenden Personal erproben, darunter Teams aus zwei Kundenbetreuenden oder gemischte Teams aus Kundenbetreuung und Sicherheitspersonal. Die doppelte Besetzung war deutlicher Wunsch der Gewerkschaften und vieler Beschäftigten. Das Land wird die Wirkung der Pilotprojekte fortlaufend bewerten und daraus konkrete Maßnahmen für dauerhafte Personaleinsatzkonzepte ableiten.

Umfassende Präventionsstrategie

Arno Beugel, Chief Operating Officer von Arverio Baden-Württemberg sagte: „Die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitenden ist uns seit Jahren ein wichtiges Anliegen, deshalb verfolgt Arverio eine umfassende Präventionsstrategie. Dazu gehören Schwerpunktkontrollen und eine enge Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden. Eine wichtige Präventionsmaßnahme ist unser Fortbildungsprogramm für Kundenbetreuerinnen und -betreuer, das mit verschiedenen Modulen wie Deeskalationstraining ein friedliches Miteinander im Zugverkehr fördern soll. Die positiven Kundenzuschriften bestätigen uns darin, dass dieser Weg funktioniert. Auch die Qualitätsmanagementsystem(QMS)-Auswertungen der NVBW spiegeln regelmäßig ein gutes Sicherheitsempfinden der Fahrgäste von Arverio wider.“

Zu den neuen Rahmenbedingungen des Landes ergänzt Arno Beugel: „Als weiteren Baustein im Rahmen der Prävention unterstützen wir das Vorhaben des Landes durch Pilotprojekte einen besseren Schutz im Nahverkehr zu ermöglichen. Wir werden – auf der Filstalbahn – zu bestimmten Zeiten eine Eins-zu-Eins-Besetzung ausprobieren. Dabei wird auf ausgewählten Zugverbindungen jeweils eine Kundenbetreuerin oder -betreuer durch einen Sicherheitsmitarbeitenden begleitet. Auch unsere Planungen zur Einführung von Bodycams für Kundenbetreuerinnen und -betreuer sind bereits weit fortgeschritten. Wir meinen, dass auch die Videokameras in unseren modernen Triebzügen zum Sicherheitsempfinden beitragen und zur Aufklärung von Vorfällen unverzichtbar sind.“

Prio-Ruf, Bodycams und Doppelbesetzung

„Jede Form von Gewalt gegen unsere Mitarbeitenden ist inakzeptabel. Um deren Sicherheit zu erhöhen, haben wir auf der Schwarzwaldbahn bereits 2023 den Einsatz mit Bodycams getestet. Seit 2025 können sie unsere Kolleginnen und Kollegen im Zug landesweit nutzen“, sagte Markus Kaupper, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio Baden-Württemberg. „Bodycams haben sich sehr gut bewährt. Um schnell und einfach Hilfe rufen zu können, sind unsere Kundenbetreuer darüber hinaus auf Wunsch mit dem sogenannten ‚Prio-Ruf‘ – einem Notfall-Druckknopf – ausgestattet. Nun werden wir ab März einen weiteren wichtigen Schritt gehen und – gemeinsam mit dem Land – auf unserer Schwarzwaldbahn sowie dem Regionalexpress Stuttgart – Ulm – Bodensee einen neuen Piloten für mehr Sicherheit für unsere Mitarbeitenden und Reisenden starten: die Doppelbesetzung im Nahverkehr“, so Kaupper.

Die Deutsche Bahn wird darüber hinaus weitere kurzfristige Maßnahmen umsetzen. So gilt bei DB Regio künftig bei der Ticketkontrolle das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung. Ab 1. März 2026 liegt es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen muss. Außerdem bekommen 2026 alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nahverkehr, Fernverkehr und an den Bahnhöfen Bodycams zur Verfügung gestellt. Die Nutzung soll freiwillig sein. Verstärkte Schulungen in Verhaltens- und Deeskalationstrainings sowie zusätzliche Kräfte der DB Sicherheit auf Bahnhöfen stehen ebenfalls auf der Agenda.

SWEG plant Doppelbesetzungen auf drei Strecken

Auch für die SWEG hat die Sicherheit ihrer Beschäftigten oberste Priorität. Tobias Harms, Vorsitzender der SWEG-Konzerngeschäftsführung: „Die SWEG duldet grundsätzlich keine Übergriffe auf ihr Personal und leitet bei gravierenden Vorfällen grundsätzlich auch juristische Maßnahmen ein, um das Personal zu schützen. Außerdem erhalten die Täter in den meisten Fällen Hausverbot. Die Mitarbeiter erhalten in regelmäßigen Abständen Schulungen und Trainings zu Deeskalation. Wir prüfen derzeit auch die Einführung von Bodycams für unsere Kundenbetreuerinnen und -betreuer.“ Die SWEG plant, als Pilotprojekt – vorerst begrenzt bis Ende 2026 – auf ausgewählten Strecken Doppelbesetzungen einzuführen. Zu den Strecken gehören die Europabahn zwischen Offenburg und Kehl, die Brenzbahn sowie die Donaubahn zwischen Ulm und Munderkingen.

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