Kunst und Kultur

Land kauft Lehmbruck-Konvolut für die Staatsgalerie Stuttgart an

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 Ein Restaurator arbeitet im Schauatelier der Staatsgalerie an der Statue „Die Große Sinnende“ von Wilhelm Lehmbruck. (Foto: © dpa)

Das Land hat gemeinsam mit der Museumsstiftung des Landes und der Kulturstiftung der Länder sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung für 3,9 Millionen Euro Werke von Wilhelm Lehmbruck angekauft. Damit wird einer der wichtigsten Bildbauer der Klassischen Moderne in der Staatsgalerie Stuttgart dauerhaft verankert.

Das Land Baden-Württemberg hat gemeinsam mit der Museumsstiftung des Landes und der Kulturstiftung der Länder sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung für 3,9 Millionen Euro Werke von Wilhelm Lehmbruck für die Staatsgalerie Stuttgart angekauft. Das Konvolut umfasst mit „Die große Sinnende“ und „Der Gestürzte“ zwei plastische Hauptwerke des Künstlers und der Plastik des 20. Jahrhunderts, die in der Dauerpräsentation der Staatsgalerie nahezu immer prominent ausgestellt waren.

Lehmbrucks Werke von großer Bedeutung für das Land

„Die Werke Wilhelm Lehmbrucks für die Staatsgalerie Stuttgart zu sichern, ist von großer Bedeutung für das Land Baden-Württemberg und für die deutsche Museumslandschaft insgesamt. Vier Skulpturen, zwei Zeichnungen und sechs Druckgraphiken von Wilhelm Lehmbruck sind bereits im Besitz der Staatsgalerie Stuttgart. Mit dem Ankauf von drei Plastiken und 69 Druckgraphiken und Zeichnungen gelingt es nun, einen der wichtigsten Bildbauer der Klassischen Moderne in der Staatsgalerie Stuttgart dauerhaft zu verankern“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski im Vorfeld der Eröffnung der Ausstellung „Wilhelm Lehmbruck – Variation und Vollendung“. Die Ausstellung ist vom 28. September 2018 bis 24. Februar 2019 in Stuttgart zu sehen. Sie wird ebenfalls von der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert.

Lehmbrucks Werke waren seit Jahrzehnten Leihgaben in der Staatsgalerie. „Als sich andeutete, dass die Erben Wilhelm Lehmbrucks über einen Verkauf der Werke nachdachten, war klar, dass die Landesregierung über die Museumsstiftung Baden-Württemberg alles tun würde, diese unersetzlichen Arbeiten für die Bürgerinnen und Bürger in der Staatsgalerie zu halten. Es war ein Kraftakt – und ich bin allen Beteiligten dankbar, dass wir den Ankauf gemeinsam möglich gemacht haben“, so Olschowski.

„In lang bewährter Zusammenarbeit mit der Museumsstiftung Baden-Württemberg haben wir die Staatsgalerie Stuttgart gerne dabei unterstützt, die langjährigen Dauerleihgaben für das Museum und damit für den öffentlichen Besitz zu erwerben. Ein Parallelankauf der Ernst von Siemens Kunststiftung rundet das Konvolut ab. Wir freuen uns, dass sich die Besucherinnen und Besucher nun selbst ein Bild von Wilhelm Lehmbrucks vielfältigem und beeindruckendem Schaffen machen können“, sagte Prof. Dr. Frank Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.

Der Ankauf sei nicht nur wichtig für das Land, weil er weltberühmte Werke eines der wichtigsten deutschen Bildhauers in die Sammlungen bringe, so Olschowski weiter – „er zeigt auch, dass die Politik bereit ist, sich in Zeiten des rasanten gesellschaftlichen Wandels für das künstlerische Erbe, für unser kulturelles Gedächtnis einzusetzen, sich zu ihm zu bekennen und Verantwortung zu übernehmen.“

Wilhelm Lehmbruck

Wilhelm Lehmbruck (1881 bis 1919) zählt zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Sein Oeuvre umfasst circa 100 Skulpturen, mehr als 1.000 Zeichnungen, 80 Gemälde und großformatige Zeichnungen und 200 Druckgraphiken.

Bereits seit 1949 stellte Anita Lehmbruck, die Witwe des Bildhauers, die bis zu ihrem Tod 1961 in Stuttgart lebte, der Staatsgalerie immer wieder Leihgaben aus dem Nachlass zur Verfügung. Seit den 1960er Jahren waren die nun erworbenen drei Plastiken „Die große Sinnende“, „Der Gestürzte“ und die „Porträtbüste Frau F. (Falk)“ sowie 69 Papierarbeiten als Dauerleihgaben in der Staatsgalerie. Sie wurden zu einem wichtigen Bestandteil der modernen Sammlung.
„Der Gestürzte“ ist eine Skulpturen-Ikone des 20. Jahrhunderts. Ein Werk, in dem die Größe und Anmut des Individuums und gleichzeitig seine schicksalhafte Geworfenheit auf einzigartige Weise zum Ausdruck kommt. Ein Sinnbild der conditio humana in der Moderne.

Wenn sich Werke in Privat- oder Unternehmensbesitz befinden, ist die Gefahr groß, dass sie auf dem internationalen Kunstmarkt verkauft werden – dort werden seit einigen Jahrzehnten höchste Preise erzielt. Solche Preise kann sich kein staatliches Museum leisten. Auf diese Weise gehen bedeutende Werke oft auf immer den öffentlichen Sammlungen und ihren Besuchern verloren. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung ist es nun gelungen, das Lehmbruck-Konvolut für die Staatsgalerie Stuttgart zu erwerben und dauerhaft zu sichern.

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