Kultur

Delegationsreise nach Namibia ist Auftakt für gemeinsame Projekte

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Wissenschaftsministerin Theresia Baue (l.) und Namibias Bildungsministerin Katrina Hanse-Himarwa (r.) bei der Übergabe von zu Kolonialzeiten geraubter Kulturgüter.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat zum Ende der Delegationsreise nach Namibia Bilanz gezogen. Der Anlass der Reise war ein doppelter: die Rückgabe der Bibel und Peitsche Hendrik Witboois, Kämpfer gegen den Kolonialismus und Nationalheld sowie – in die Zukunft gewandt – der Auftakt der Namibia-Initiative des Landes. An den sechs wissen­schaftlichen und kulturellen Kooperationsprojekten sind Museen, Hochschulen und Archive beider Länder beteiligt.

„Die Erlebnisse in Namibia haben uns darin bestätigt, dass es richtig war, nicht länger mit der Rückgabe der Bibel und Peitsche Hendrik Witboois zu warten. Es war nicht zu früh, sondern überfällig, dieses Signal zu geben und unsere Aufrichtigkeit zu demonstrieren. Damit gehen wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Versöhnung. Auf dieser Basis werden wir gemeinsam mit namibischen Partnern Kooperationsprojekte in Wissenschaft und Kultur realisieren und die Kolonialgeschichte gemeinsam aufarbeiten. Wir schlagen ein neues Kapitel auf und begründen eine enge Partnerschaft für die Zukunft“, sagte Wissenschafts- und Kunstministerin Theresia Bauer.

In der vergangenen Woche haben die Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst und Wissenschaft in Windhoek erfolgreiche Gespräche geführt und die gemeinsamen Projekte auf den Weg gebracht. Die Gespräche fanden unter der Leitung von Staatssekretärin Petra Olschowski statt, die auch den Runden Tisch Namibia des Ministeriums leitet. Dort werden die Projekte der Initiative koordiniert. Alle Projekte werden im Tandem von namibischen und baden-württembergischen Einrichtungen durchgeführt. „Mit der Namibia-Initiative verbinden wir unsere Archive, Museen und Universitäten. Hier kommen Institutionen und Menschen zusammen, die bisher – auch innerhalb Namibias – noch nie zusammengearbeitet haben. Es entstehen neue Formen der Kooperation und Netzwerke zwischen Wissenschaft und Kultur, die auch die Herkunftsgesellschaften einbinden“, so Bauer. Für die Namibia-Initiative stellt das Ministerium in einem ersten Schritt 1,25 Millionen Euro zur Verfügung.

Bewusstsein schaffen für koloniale Vergangenheit

Besondere Beachtung fand die fachlich hochkarätige Besetzung der baden-württembergischen Delegation – mit Prof. Dr. Inés de Castro, Leiterin des Linden-Museums Stuttgart, Prof. Dr. Sandra Richter, Leiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Elke aus dem Moore, Leiterin der Akademie Schloss Solitude, Dr. Nicole Bickhoff, Vize-Präsidentin des Landesarchivs, Prof. Dr. Bernd-Stefan Grebe und Prof. Dr. Johannes Grossmann von der Universität Tübingen, Prof. Dr. Bernd Kortmann von der Universität Freiburg sowie Prof. Dr. Reinhart Kößler und Prof. Dr. Susanne Kuß von der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

„Ich bin sehr dankbar, dass sich alle Delegationsteilnehmer mit so großem Engagement eingebracht haben. Wir sind in dieser Woche mit unseren namibischen Partnern einen großen Schritt vorangekommen auf dem Weg die koloniale Vergangenheit gemeinsam aufzuarbeiten. Ich bin überzeugt, dass diese Expertise und Leidenschaft die Namibia-Initiative zu einem Erfolgsmodell machen kann, die auch strukturbildend wirkt“, betonte Bauer. An der Reise nahmen auch der Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, Prof. Dr. Markus Hilgert, die Abgeordneten Brigitte Lösch und Gabi Rolland und die Leiterin der Abteilung Außenbeziehungen der Stadt Stuttgart, Nadia vom Scheidt, teil.

Nächster Schritt: Sammlungen aufarbeiten und zugänglich machen

„Unser gemeinsames Ziel ist es, die Geschichte der Kolonialzeit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dazu werden die Projekte der Namibia-Initiative ihren Beitrag leisten“, betonte die Ministerin und nannte beispielhaft gemeinsame Ausstellungen und Präsentationen in Museen, das Erforschen der Sammlungsobjekte mit den Herkunftsgesellschaften, die Zusammenarbeit der Archive bei der Auswertung von Quellen, die Erforschung der Rolle der deutschen Kolonialliteratur, die Verbindung der Kunstszenen, Studierenden­austausch wie auch die Verortung des Themas im Schulunterricht – dazu sollen gemeinsam Unterrichtsmaterialien für Schüler und Lehrer erstellt werden.

„Von entscheidender Bedeutung im Umgang mit unserem kolonialen Erbe sind Transparenz und Offenheit. Das bedeutet gut aufgearbeitete und präsentierte Sammlungen, die auch darüber informieren, was in Namibia und an anderen Orten geschehen ist. Wir werden die Sammlungen in unserer Museen und Hochschulen daher systematisch aufarbeiten und die Ergebnisse online zugänglich machen“, sagte Ministerin Bauer zu. Dies werde Ausgangspunkt für weitere Dialoge und Zusammenarbeit sein.

Namibia-Initiative und Witbooi-Bibel & Peitsche

Partner auf baden-württembergischer Seite sind das Linden-Museum, das Landesarchiv Baden-Württemberg, die Universität Tübingen, die Universität Freiburg und deren Arnold Bergstraesser Institut (ABI) sowie die Pädagogische Hochschule Freiburg, das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Akademie Schloss Solitude. Partner auf namibischer Seite sind die Universität von Namibia, das Nationalmuseum, das Nationalarchiv, die wissenschaftliche Gesellschaft, die Museums Association of Namibia, Heritage Watch sowie Vertreterinnen und Vertreter der Herkunftsgesellschaften Nama und Herero.

Familienbibel und Peitsche des Nama-Anführers Hendrik Witbooi (1830 bis 1905) wurden im Jahr 1893 von deutschen Truppen erbeutet. Die beiden Gegenstände waren 1902 als Schenkung in das heute von Land und Stadt Stuttgart getragene Linden-Museum gekommen. Die Rückgabe war die erste Restitution kolonialer Kulturgüter aus einem Museum in Baden-Württemberg.

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst: Bilder der Delegationsreise zum Herunterladen

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