Freihandel

Kritik an Verzögerungen bei Mercosur-Abkommen

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut hat im Bundestag Verzögerungen beim Mercosur-Abkommen kritisiert und eine vorzeitige Anwendung gefordert.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut

Deutliche Worte zu den Folgen der Entscheidung des Europäischen Parlaments, das Mercosur-Abkommen vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) überprüfen zu lassen, fand Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, am 29. Januar 2026 im Deutschen Bundestag. Im Rahmen einer Aktuellen Stunde zum Thema „Mercosur-Abkommen zügig anwenden – Europas Souveränität und Handlungsfähigkeit durch Freihandel stärken“, betonte sie, wie sehr Baden-Württemberg als exportorientiertes Land vom Freihandel mit den Mercosur-Staaten profitieren würde.

„Die Entscheidung im Europäischen Parlament in der vergangenen Woche war weit mehr als nur ein formaler Verfahrensschritt. Es ging um nichts Geringeres als um die wirtschaftliche Zukunft Europas, Deutschlands – und ausdrücklich auch um die Zukunft Baden-Württembergs. Ein Abkommen, über das mehr als 25 Jahre verhandelt wurde, wurde innerhalb weniger Minuten aufs Spiel gesetzt – nicht durch äußeren Druck, sondern durch ein Abstimmungsverhalten im Europäischen Parlament, das entweder von mangelndem Verständnis für die geopolitische Lage zeugt oder von der bewussten Verweigerung strategischer Verantwortung“, so die Wirtschaftsministerin. Europa habe sich dadurch selbst geschwächt und ins Abseits gestellt.

Die Tragweite werde, so Hoffmeister-Kraut, noch deutlicher, wenn man sich vorstelle, dass jeder zweite Euro in Deutschland mit Außenhandel erwirtschaftet werde. Hundertausende Arbeitsplätze hingen direkt oder indirekt davon ab, dass deutsche Unternehmen Zugang zu internationalen Märkten hätten. Baden-Württemberg stehe mit seinen starken wirtschaftlichen Beziehungen in die Mercosur-Staaten exemplarisch dafür, was auf dem Spiel stehe: „Wir spüren ganz konkret, was ein derartiges Abstimmungsverhalten wie wir es erleben mussten in der EU bedeutet: Zurückgestellte Investitions- und Diversifizierungsentscheidungen, risikobehaftete Lieferketten und verlorene Marktchancen gegenüber unseren Wettbewerbern. Wenn Handelskommen jahrzehntelang verhandelt und dann politisch blockiert werden, trifft das nicht ‚die Wirtschaft‘ im Abstrakten, es trifft die Menschen und unser Land mit voller Wucht“, betonte die Wirtschaftsministerin. Und das in einer Zeit tiefgreifender globaler Veränderungen in der die Vereinigten Staaten wieder stärker auf Abschottung und Eigeninteressen setzten und China seine wirtschaftliche Präsenz in der Welt massiv ausbaue.

„Das Weltwirtschaftsforum in Davos hat es unmissverständlich gezeigt: Europa braucht Partner, Europa muss aber auch partnerschaftsfähig sein. Doch leider zeigt sich in der europäischen Handelspolitik ein wiederkehrendes Muster: TTIP ist gescheitert, CETA wurde jahrelang blockiert und Mercosur nun zumindest vorerst verzögert. Statt über die strategische Bedeutung dieser Abkommen zu sprechen, dominieren immer dieselben Debatten über vermeintliche Standradsenkungen, nationale Einzelinteressen und politische Symbolfragen. Vieles erwies sich später als unbegründet. Aber der Schaden für die Handlungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit Europas war real“, kritisierte Hoffmeister-Kraut. Sie stelle sich angesichts dessen die Frage, mit wem die Europäische Union eigentlich noch Handelsabkommen schließen wolle, wenn selbst Abkommen mit engsten Wertepartnern blockiert würden.

„Wir profitieren wie kaum ein anderes Land in Europa vom gemeinsamen Binnenmarkt und vom offenen Welthandel. Daraus erwächst aber auch eine Verantwortung“, so die Wirtschaftsministerin. Umso ernüchternder, ja alarmierender sei es, dass ausgerechnet Stimmen deutscher EU-Abgeordneter dazu beigetragen hätten, dass nun eine EuGH-Prüfung zu weiteren Verzögerungen in der Umsetzung des Abkommens führe. „Diese Abgeordneten haben ein fatales politisches Signal gesendet, dass Europa selbst dann zögert, wenn es um langfristige, regelbasierte Partnerschaften mit demokratischen Staaten geht. Und sie haben politischen Rändern und Akteuren in die Hände gespielt. Das war ein schwerer Fehler. Das war unverantwortlich. Wer Verantwortung tragen will und Führungsstärke für sich reklamiert, der muss entscheiden und führen, wenn es darauf ankommt. Und nicht vertagen, blockieren und ausweichen“, forderte Hoffmeister-Kraut.

Am Ende ihrer Rede appellierte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin an die Bundesregierung, sich nun entschieden dafür einzusetzen, dass das Mercosur-Abkommen in eine vorläufige Anwendung überführt werde. „Deutschland braucht ein Europa, das gemeinsam handelt, das verlässlich ist, das seine wirtschaftliche Stärke nutzt, um auch global Gestaltungsmacht zu entfalten“.

Deutscher Bundestag: Rede von Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut am 29. Januar 2026 in einer aktuellen Stunde zum Mercosur-Abkommen

Weitere Meldungen

Die Hand einer jungen Frau hält eine Energiesparlampe, darin ist eine kleine Pflanze.
GreenTech

Mit Innovationen Zukunft gestalten

Eine Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett durch einen Flur.
Gesundheitssystem

Hildenbrand kritisiert Umsetzung der GKV-Reform

Ein Mitarbeiter scannt den Barcode eines Artikels für den Paketversand. (Bild: © dpa)
Wirtschaft

Hoffmeister-Kraut begrüßt Maßnahmen zum Bürokratieabbau

von links nach rechts: Kanzleramtsminister Thorsten Frei, Ministerpräsident Cem Özdemir und Staatssekretär Rudi Hoogvliet
Politisches Sommerfest

Stallwächterparty 2026 zum Thema Exportschlager

Portrait Dr. Simon Veser Amtsleiter Finanzamt Ludwigsburg
Verwaltung

Neuer Leiter des Finanzamts Ludwigsburg

Ein Landwirt betankt sein Gespann mit Gülle um diese anschließend auf einem Feld auszubringen. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Gentges fordert Aufstockung des Hilfspakets für Düngerpreise

Ein Mitarbeiter montiert im Porsche Werk in Stuttgart-Zuffenhausen eine Vorderachse mit Elektromotor.
Automobilwirtschaft

Spitzengespräch zur Stärkung des Automobilstandorts

Landgericht Ulm
Justiz

Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch auf der Kippe

Ein Ingenieur der Porsche AG vermisst für die Digitalisierung einen Panamera (Bild: © dpa).
Automobilwirtschaft

Wirtschaftsministerin lädt zu Spitzengespräch ein

Forschende im Forschungszentrum M3 des Universitätsklinikums Tübingen
Hochschulen

Schnellbau-Initiative bringt zusätzlichen Investitionsschub

Übergabe des Förderbescheids durch Staatssekretär Thomas Dörflinger (zweiter von rechts)
Wirtschaft

Rund 400.000 Euro für Digitalisierung im Handwerk

Symbolbild: Eine Frau sitzt an einem Dorfbrunnen. (Foto: © dpa)
Baukultur

Land fördert kommunale Gestaltungsbeiräte

BaWü-Labs GO!
Forschung

Zehn Jahre Reallaborförderung in Baden Württemberg

Staatssekretär Florian Haßler spricht beim Festakt zum Donauraum
Europa

Der Donauraum gehört zu unserer europäischen Identität

Bio-Musterregion Heidenheim plus
Landwirtschaft

Meisterbriefe für Nachwuchs im Molkereihandwerk