Gesundheit

Bundesweit einzigartiges KI-Reallabor für Gesundheits­versorgung startet

Das KI-Reallabor Gesundheit Baden-Württemberg am Bosch Health Campus öffnet sich für externe Akteure. Ziel ist es, Innovationen schneller und regulatorisch sicher in die Gesundheitsversorgung zu bringen.

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Eine Ärztin und eine Therapeutin sitzen mit einem medizinischen Stethoskop am Tisch und machen mit einem Laptop und einem Mobiltelefon medizinische Notizen.
Symbolbild

Nach rund einjähriger Aufbauphase öffnet sich das KI-Reallabor Gesundheit Baden-Württemberg am Bosch Health Campus für externe Akteurinnen und Akteure. Ziel ist es, Innovationen schneller und regulatorisch sicher in die Gesundheitsversorgung zu bringen und Baden-Württemberg als führenden Gesundheits- und Innovationsstandort weiter zu stärken. Die Landesregierung schafft damit einen geschützten Testraum für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz und macht ihn für Unternehmen, Versorgungseinrichtungen und die Öffentlichkeit zugänglich.

Gute Ideen schneller aus der Entwicklung in die Versorgung bringen

„Unser Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen. Die Menschen werden älter, der Fachkräftemangel nimmt zu und die Nachfrage nach medizinischen Leistungen steigt. Künstliche Intelligenz wird diese Probleme nicht allein lösen. Sie kann aber helfen, knappe Ressourcen gezielter einzusetzen und die Versorgung der Menschen langfristig zu sichern. Unser Ziel ist es deshalb, gute Ideen schneller aus der Entwicklung in die Versorgung zu bringen – verantwortungsvoll, sicher und mit einem konkreten Mehrwert für Patientinnen und Patienten“, sagte Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand am 31. Juli 2026.

„Das alte Gesundheitssystem stößt an finanzielle und personelle Grenzen. KI hat das Potenzial, die Funktionsfähigkeit und auch die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems wieder herzustellen. Deshalb brauchen wir die Möglichkeit, schnell und praxisorientiert KI zu testen, wie dies in unserem Reallabor jetzt möglich ist“, sagte Prof. Dr. med. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus.

Das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg fördert den Aufbau und Betrieb des KI-Reallabors Gesundheit Baden-Württemberg seit 2025 mit rund einer Million Euro jährlich. In den vergangenen Monaten wurde die Infrastruktur am Bosch Digital Innovation Hub des Bosch Health Campus in Stuttgart aufgebaut. Nun nimmt das Reallabor unter dem Namen „SAINDBOX – AI Health Sandbox BW“ den Betrieb auf.

Baden-Württemberg greift die europäische KI-Verordnung auf

Mit dem KI-Reallabor Gesundheit Baden-Württemberg nimmt das Land bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Das Vorhaben zahlt auf das mit der europäischen KI-Verordnung (EU AI Act) verfolgte Ziel ein, einen Raum für regulatorisches Lernen zu schaffen. Entwicklerinnen und Entwickler, Gesundheitsberufe, Wissenschaft, Aufsichtsbehörden und Gesellschaft können gemeinsam Erfahrungen einbringen, Barrieren identifizieren und Lösungen entwickeln.

„Die SAINDBOX ist mehr als eine Testumgebung. Wir bringen KI-Entwickelnde, Gesundheitsversorgung und regulatorische Expertise frühzeitig an einen Tisch. So können Fragen zu Datenzugang, Regulierung und Implementierung parallel zur technologischen Entwicklung bearbeitet werden – genau dort, wo sie in der Praxis entstehen“, sagt Prof. Dr. Oliver G. Opitz, Leiter des Bosch Digital Innovation Hubs am Bosch Health Campus und Kopf des KI-Reallabors.

KI-gestützte Patientensteuerung als zentraler Anwendungsfall

Bereits in der Entwicklungsphase wurde das Konzept des KI-Reallabors Gesundheit Baden-Württemberg anhand von verschiedenen Anwendungsszenarien, beispielsweise einer KI-gestützten Informationsgewinnung aus Papierakten weiterentwickelt. Ein zentrales Projekt ist derzeit die Entwicklung einer Anwendung zur KI-gestützten Patientensteuerung. Sie soll Menschen schneller und einfacher zur passenden Versorgungsebene lotsen. Erprobt wird die Lösung zunächst in der hausärztlichen Versorgung, der Kinder- und Jugendmedizin als Beispiel für die fachärztliche Versorgung sowie in der Notaufnahme.

Der konkrete Mehrwert für das Gesundheitswesen ist eines der wichtigsten Kriterien für die Auswahl der so genannten Use Cases, also der verschiedenen Anwendungsszenarien. Dabei wird das KI-Reallabor Gesundheit Baden-Württemberg von einem externen Beirat unterstützt. Der SAINDBOX-Beirat wählt zweimal jährlich eine begrenzte Anzahl an Use Cases für eine regulatorische Begleitung von bis zu zwölf Monaten aus. Eine finanzielle Zuwendung ist damit nicht verbunden.

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