Konjunktur

Baden-Württembergs Wirtschaft 2021 kräftig gewachsen

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Eine Monteurin arbeitet im Werk zwei des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen an einem Getriebe für Lastwagen, das ZF Traxon heißt. (Bild: © picture alliance/Felix Kästle/dpa)

Die aktuelle Konjunkturprognose des Tübinger Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung zeigt, dass die Wirtschaft in Baden-Württemberg 2021 stark gewachsen ist. Aufgrund der Corona-Pandemie dürfte jedoch erst wieder Ende 2022 das Vorkrisenniveau erreicht werden.

Das Tübinger Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) legte am 22. Dezember 2021 seine aktuelle Konjunkturprognose für Baden-Württemberg vor. Demnach wird für Schlussquartal 2021 ein leichter Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwartet. Im Jahresdurchschnitt 2021 rechnen die Forscher mit einem realen BIP-Wachstum von leicht über vier Prozent. Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut sagte: „Die aktuelle Prognose bewegt sich im Rahmen dessen, was wir im Sommer erwartet hatten. Über das gesamte Jahr 2021 betrachtet, ist die wirtschaftliche Erholung im Land somit weiter vorangekommen. Allerdings konnte die pandemiebedingte Rezession des Jahres 2020 noch nicht wettgemacht werden. Auch ökonomisch liegt Corona also noch nicht hinter uns. Der Aufholprozess ist ein mühsamer Weg, der durch wachstumsfreundliche Wirtschaftspolitik in Land und Bund geebnet werden muss.“

„Im vierten Quartal haben sich die Wachstumsaussichten deutlich eingetrübt. Die aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie konnten dabei noch nicht berücksichtigt werden“, sagte Prof. Dr. Bernhard Boockmann vom IAW. Die IAW-Prognose basiert auf einem Modell, das in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim mit Förderung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus entwickelt wurde.

Abflachung der Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte

Die Ministerin wies darauf hin, dass die erfreulich hohe Wachstumsrate des zu Ende gehenden Jahres nicht den Blick dafür verstellen dürfe, dass das Land von der Rezession des Vorjahres überdurchschnittlich stark betroffen gewesen sei. Insofern handele es sich zum Gutteil um eine erwartbare Gegenbewegung, nicht um einen besonders dynamischen Aufschwung. Zum anderen zeige die unterjährige Entwicklung eine deutliche Abflachung in der zweiten Jahreshälfte 2021. Schon das dritte Quartal 2021 wies im Land ein schwächeres Wachstum auf als im Bund, für das vierte Quartal zeichnet sich ein Rückgang ab. Dieser sei bedingt durch Engpässe und zum Teil kräftige Preissteigerungen bei wichtigen Vorleistungsgütern und Rohstoffen, aber auch durch die coronabedingten Einschränkungen, die vor allem im Gastgewerbe und Einzelhandel deutliche Spuren hinterlassen

Für den Beginn des Jahres 2022 prognostiziert das IAW Tübingen nur eine konjunkturelle Seitwärtsbewegung. „Aus dem Winterhalbjahr ist damit kein konjunktureller Rückenwind für 2022 zu erwarten. Wir gehen aber davon aus, dass spätestens im zweiten Halbjahr die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt, so dass im Jahresergebnis 2022 ein reales Wirtschaftswachstum im Land von rund drei Prozent erreichbar sein müsste“, resümierte die Ministerin. Damit würde das Vorkrisenniveau Ende 2022 wieder erreicht werden. Die Ministerin wies auf die vielfältigen Risiken für die konjunkturelle Erholung hin: So sei es für die stark außenwirtschaftlich orientierte Wirtschaft Baden-Württembergs wesentlich, dass sich die nach wie vor unter Stress stehenden internationalen Lieferketten wieder entspannen. Als nicht zu unterschätzen bezeichnete die Ministerin auch die Risiken einer mittelfristig höheren Inflation.

Unterstützung der konjunkturellen Erholung durch die Politik

Die prognostizierte Entwicklung zeige, dass die konjunkturelle Erholung kein Selbstläufer sei, sondern wirtschaftspolitisch weiter flankiert werden müsse, insbesondere durch wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen. Allein der private Investitionsbedarf zur Bewältigung der ökologischen Transformation der Wirtschaft sei riesig. Die Unternehmen seien bereit und in der Lage, diese Herausforderungen zu stemmen. Die Fördermaßnahmen der Landesregierung seien darauf ausgelegt, private Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz zu mobilisieren. Beispielhaft nannte die Ministerin das Investitions- und Innovationsförderprogramm InvestBW, das Leuchtturmprojekt Innovationspark Künstliche Intelligenz (KI) und die Digitalisierungsprämie zur Förderung von Digitalisierungsprojekten sowie Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Darüber hinaus bräuchten die Unternehmen vor allem die Unterstützung durch geeignete Gesetze und Rahmenbedingungen. Hier richtete Hoffmeister-Kraut auch einen klaren Appell an die neue Bundesregierung: „Ich fordere die Bundesregierung auf, die mehrfach angekündigten ‚Superabschreibungen‘ nun rasch umzusetzen. Außerdem sollte auch der steuerliche Verlustvortrag angesichts der im internationalen Vergleich langsameren Erholung Deutschlands erhöht und flexibilisiert werden“, forderte die Ministerin.

Weitere Meldungen

Eine Frau tippt auf einem Tablet. Daneben liegt ein Smartphone.
GesellschaftsReport BW

Vielfältige Angebote zur Stärkung der Medienkompetenz

Schiene

Weitere 26 Doppelstockzüge für Baden-Württemberg

Symbolbild: Symbolbild: Ein Passant geht an dem Logo der Agentur für Arbeit vorbei. Das Bundesverfassungsgericht hat am Dienstag, 5. November 2019, sein Urteil zu Leistungskürzungen für unkooperative Hartz-IV-Bezieher verkündet. (Bild: picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa)
Bürgergeld

Hoffmeister-Kraut unterstützt geplante Bürgergeld-Reform

Tasten einer beleuchteten Tastatur. (Bild: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Digitalisierung

Erster erfolgreicher Datenabruf über nationales Datensystem

Übergabe von Breitbandförderbescheiden
Breitbandausbau

Land unterstützt Breitbandförderung mit über 231 Millionen Euro

Pressekonferenz LKA zu Terrorgram
Sicherheit

Kriminologische Studie zur deutschen „Terrorgramszene“

Kisten mit Gemüse und Obst.
Ernährung

Sechster Förderaufruf für regionale Bio-Produkte

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) überreicht den Sternsingerinnen und Sternsingern eine Geldspende.
Aktion Dreikönigssingen

Kretschmann empfängt Sternsingergruppen

von links nach rechts: Abteilungsleiter „Landwirtschaft" Dr. Konrad Rühl, Ministerialdirektorin Isabel Kling, Minister Peter Hauk und Abteilungsleiterin „Markt und Ernährung“ Petra Mock
Landwirtschaft

Spitzengespräch zu Erzeugerpreisen

Eine Sozialarbeiterin führt in der Landeserstaufnahme für Asylbewerber in Karlsruhe eine Beratung mit einem Flüchtling durch.
Migration

Landkreis Karlsruhe erfolgreich bei Arbeitsgelegenheiten für Geflüchtete

Eine Hand greift nach einem digitalen Paragrafen
Justiz

Modernisierung der Wahlverfahren in der Justiz

Ein Haus, dessen Grundgerüst aus Holz besteht, steht in einem Tübinger Neubaugebiet. (Bild: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Baurecht

Bauen mit Holz wird erleichtert

Eine Frau bedient das Portal ELSTER der deutschen Steuerverwaltungen zur Abwicklung der Steuererklärungen und Steueranmeldungen über das Internet.
Steuern

Sieben Wochen Bearbeitungszeit für Steuererklärungen

Schmeck den Süden
Ernährung

Genussführer 2026 vorgestellt

Ein Logo des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Forschung

Baden-Württemberg tritt Allianz zur Fusionsforschung bei