Wer pflegebedürftig ist, soll so lange wie möglich in seinem Zuhause bleiben können. Dafür gehen in Baden-Württemberg jetzt die ersten sechs Modellprojekte für eine wohnortnahe Pflege an den Start. Land und Pflegeversicherung fördern die neuen Versorgungskonzepte über das Förderprogramm „OrtsNahePflegeBW“ (PDF) mit rund 14,3 Millionen Euro, einem ersten Baustein von insgesamt bis zu 31 Millionen Euro, die bis Ende 2029 in innovative Pflege-Ideen fließen sollen. Erprobt werden die neuen Ansätze in Überlingen, im Landkreis Lörrach, in Mannheim, Schorndorf, Tübingen und im Landkreis Tuttlingen.
„Gute Pflege braucht den Mut, neue Wege auszuprobieren und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Genau hier setzt „OrtsNahePflege BW“ an. Die hohe Qualität und Vielfalt der eingereichten Anträge zeigen eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft und Engagement in Baden-Württemberg vorhanden sind. Mit den Modellvorhaben können sich einige dieser Ideen nun in der Praxis bewähren und passgenaue Lösungen für die Menschen vor Ort entwickeln. Langfristig profitieren davon Menschen in ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus“, sagte Petra Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit.
Auch Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg und federführender Landesverband der Pflegekassen für das Förderverfahren, betonte den gesellschaftlichen Charakter der Projekte: „Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, genau hier setzen die Modellvorhaben an. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung wohnortnaher Unterstützungsmaßnahmen und tragfähiger Strukturen im Quartier. Baden-Württemberg ist damit ein wichtiger Impulsgeber, wie wir dem demografischen Wandel und dem steigenden Unterstützungsbedarf älterer Menschen langfristig begegnen können.“
Innovationen für die Pflege von morgen
Kommunen und Träger der Altenhilfe im ganzen Land entwickeln und erproben mit dem Förderprogramm „OrtsNahePflege BW“ neue, innovative und bedarfsgerechte Versorgungskonzepte. Im Mittelpunkt steht dabei die gestärkte Rolle der Kommunen in der Pflege. Weitere Modellvorhaben sollen im Laufe des Jahres folgen. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert, sollen die Projekte zeigen, welche Ansätze sich in der Praxis bewähren, und Impulse für die Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung in Baden-Württemberg liefern.
Gemeinsam für eine zukunftsfeste Pflege
Das Land Baden-Württemberg und die soziale wie private Pflegeversicherung fördern die Modellvorhaben gemeinsam mit insgesamt rund 31 Millionen Euro bis Ende 2029. Davon stellt das Land Baden-Württemberg bis zu rund 15,6 Millionen Euro bereit. Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung ist die enge Zusammenarbeit zwischen dem Sozialministerium und den Landesverbänden der Pflegekassen. Die AOK Baden-Württemberg koordiniert als federführender Landesverband der Pflegekassen das Förderverfahren. Das Sozialministerium und die Pflegekassen werden die Modellvorhaben während ihrer Laufzeit eng begleiten und regelmäßig über die Projekte, Erfahrungen und Erkenntnisse berichten.
Sechs Modellvorhaben
Übersicht über die jetzt gestarteten Modellvorhaben mit ihren Schwerpunkten und dem jeweiligen Fördervolumen:
Gesamtfördersumme: 14.301.547,78 Euro
- Titel des Modellvorhabens: „Gut gepflegt alt werden in Überlingen“
- Beschreibung: Das Modellvorhaben des Caritasverbands Linzgau-Bodensee e. V. verfolgt das Ziel, die ambulante Hilfe, Pflege und Unterstützung in Überlingen durch eine stärkere Vernetzung bestehender Strukturen und eine verbindliche Zusammenarbeit der beteiligten Akteure nachhaltig weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht ein aufsuchendes Case Management, die koordinierte Vernetzung bestehender Hilfe-, Pflege- und Unterstützungsangebote sowie die stärkere Einbindung digitaler sowie bürgerschaftlicher Unterstützungsstrukturen. Gleichzeitig werden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern, Kommune, Landkreis und Bürgerschaft erprobt, um die Versorgung vor Ort langfristig weiterzuentwickeln.
- Fördersumme in Euro: 1.416.602,52
- Titel des Modellvorhabens: „Caring Cömmunity“
- Beschreibung: Das Modellvorhaben "Caring Community" des Landkreises Lörrach verfolgt das Ziel, zukunftsfeste Pflege- und Sorgestrukturen aufzubauen und die pflegerische Versorgung durch eine eng vernetzte Zusammenarbeit aller relevanten Akteure nachhaltig zu stärken. Kern des Vorhabens ist die Verknüpfung quartiersnaher sorgender Gemeinschaften mit einem landkreisweiten Care- und Case-Management, das Menschen mit Pflegebedarf sowie ihre An und Zugehörigen bedarfsgerecht begleitet und die Zusammenarbeit der Versorgungspartner verbessert. Hierfür werden fünf aufeinander abgestimmte Bausteine umgesetzt, die einen Fachbeirat, einen landkreisweiten Care und Case-Management Verbund, digitale Unterstützungsstrukturen, den Ausbau kommunaler Ansprechpersonen sowie einen evidenzbasierten Maßnahmenpool umfassen.
- Fördersumme in Euro: 3.110.161,00
- Titel des Modellvorhabens: Mannheimer Modell - Wohnen mit Versorgungssicherheit
- Beschreibung: Das Modellvorhaben der Stadt Mannheim verfolgt das Ziel, die pflegerische Versorgung durch innovative, quartiersbezogene Versorgungsstrukturen nachhaltig weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen die enge Verzahnung von Wohnen, Pflege und Beratung, die stärkere Vernetzung der beteiligten Akteure sowie der Ausbau wohnortnaher Unterstützungsangebote in vier ausgewählten Stadtteilen. Das Vorhaben verbindet pflegegerechtes Wohnen mit ambulanten und digitalen Unterstützungsleistungen sowie einer kommunal koordinierten Begleitung, um Menschen mit Pflegebedarf ein möglichst selbstständiges Leben im vertrauten Wohnumfeld zu ermöglichen.
- Fördersumme in Euro: 4.037.208,40
- Titel des Modellvorhabens: „Pflege im Takt der Region“
- Beschreibung: Das Modellvorhaben der Stadt Schorndorf verfolgt das Ziel, die pflegerische Versorgung im interkommunalen Mittelbereich Schorndorf durch eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Städte und Gemeinden nachhaltig weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen die gemeinsame Steuerung und Koordination der ambulanten pflegerischen Versorgung, die stärkere Vernetzung der beteiligten Akteure sowie der Einsatz innovativer, auch digitaler Unterstützungsangebote. Das Vorhaben schafft erstmals eine interkommunale Versorgungsstruktur, um vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen, Versorgungslücken zu verringern und die pflegerische Versorgung in der Region langfristig zu sichern.
- Fördersumme in Euro: 1.190.335,36
- Titel des Modellvorhabens: „Demografischer Wandel braucht lokale Antworten: Ambulante Versorgung durch kommunale Steuerung stärken“
- Beschreibung: Das Modellvorhaben der Universitätsstadt Tübingen verfolgt das Ziel, die ambulante pflegerische Versorgung durch eine stärkere kommunale Steuerung bedarfsgerecht und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen die enge Zusammenarbeit zwischen Kommune und ambulanten Pflegediensten, die bessere Koordination der Versorgungsprozesse sowie die Weiterentwicklung kommunaler Beratungs- und Unterstützungsangebote. Das Vorhaben verbindet gesamtstädtische Steuerungsansätze mit einer gezielten Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung in einer ausgewählten Versorgungsregion, um neue Formen einer bedarfsgerechten und wohnortnahen Versorgung zu erproben. Durch die gemeinsame Steuerung und Abstimmung der beteiligten Akteure sollen vorhandene Ressourcen effizienter genutzt, Versorgungsstrukturen besser aufeinander abgestimmt und die Versorgungssicherheit nachhaltig gestärkt werden.
- Fördersumme in Euro: 2.025.137,00
- Titel des Modellvorhabens: „Pflegemanager vor Ort“
- Beschreibung: Das Modellvorhaben des Landkreises Tuttlingen verfolgt das Ziel, eine flächendeckende, wohnortnahe und sektorenübergreifend vernetzte Pflege- und Unterstützungsstruktur durch den Einsatz von Pflegemanagern vor Ort in allen Verwaltungsräumen des Landkreises aufzubauen. Im Mittelpunkt stehen die frühzeitige Beratung und Begleitung von pflegebedürftigen Menschen, die koordinierte Vernetzung der bestehenden Hilfe-, Pflege- und Gesundheitsangebote sowie die enge Zusammenarbeit mit Hausärzten, Pflegediensten, Kommunen und weiteren Akteuren. Das Vorhaben verbindet Prävention, Care-Management und digitale Unterstützungsangebote, um pflegebedürftige Menschen und ihre An- und Zugehörigen frühzeitig zu unterstützen, Versorgungslücken zu schließen, die ambulante Versorgung zu stärken und den Verbleib in der Häuslichkeit möglichst lange zu sichern.
- Fördersumme in Euro: 2.522.103,50
















