Forst

Luchskatze Luna ausgewildert und weiterer Luchsnachwuchs nachgewiesen

Mit der Luchskatze Luna hat das Land insgesamt sechs Luchse ausgewildert. Für den Fortbestand der Luchse trägt auch der Nachwuchs der beiden Luchse Verena und Reinhold bei.

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Luchs Luna
Luchs Luna

„Die Gene von Luchskatze Luna bereichern den Genpool der Luchspopulation im Land und sind ein wichtiges Fundament für den Fortbestand dieser seltenen Tierart“, sagte die Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges am 16. Juli 2026 anlässlich der Auswilderung des Luchses am 14. Juli 2026 im Rahmen des Projektes zur Bestandsstützung des Luchses in Baden-Württemberg.

Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, mittels Bestandsstützung eine Wiederbesiedlung Baden-Württembergs durch Luchse zu ermöglichen und somit den genetischen Austausch mit benachbarten Luchsbeständen im Schweizer Jura, den Vogesen oder dem Pfälzer Wald zu ermöglichen. Der Schwarzwald bietet dem Luchs mit seinen zusammenhängenden Waldflächen und seinem hohen Wildbestand ideale Lebensbedingungen. Im Rahmen des Projekts „Luchs Baden-Württemberg“ werden Luchse ausgewildert, um dem kleinen Luchsvorkommen auf die Sprünge zu helfen. Weibliche Tiere sind dabei von zentraler Bedeutung, um den Bestand langfristig zu stärken. Mit Luna hat das Land insgesamt sechs Luchse ausgewildert. Damit steigt die Zahl der aktuell im Schwarzwald sicher nachgewiesenen selbstständigen Luchse auf insgesamt zwölf Tiere.

Begleitet wurde die Auswilderung von einer Schulklasse, die die Luchskatze auf den Namen Luna taufte. „Das Luchsprojekt ist eine Aufgabe über Generationen hinweg. Daher ist es uns wichtig, auch Schulkinder schon frühzeitig für Wildtiere, deren Lebensraum und deren Verhalten zu sensibilisieren“, sagte Ministerin Gentges.

Neuer Luchsnachwuchs im Land nachgewiesen 

Hierzu trägt auch der Nachwuchs der beiden vor zwei Jahren ausgewilderten Luchse Verena und Reinhold bei. In einer bereits verlassenen Wurfhöhle von Luchsin Verena konnten zahlreiche Haare sichergestellt werden. Bei der Untersuchung am Senckenberg-Zentrum für Wildtiergenetik wurde DNA von Luchsin Verena und einem Jungtier bestätigt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Luchskuder Reinhold der Vater. Eine Begegnung von Reinhold und Verena in der vergangenen Paarungszeit konnte bereits über Fotofallenaufnahmen bestätigt werden. Luchse wechseln während der Jungtieraufzucht regelmäßig ihre Lagerstätte. Damit hat nach Elisabeth nun auch die zweite Luchskatze Nachwuchs bekommen.

„Dass wir nach zwei Jahrhunderten heute wieder Luchsnachwuchs im Schwarzwald verzeichnen können, ist das Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit vieler Beteiligter und Partner und zeigt, dass wir im Projekt sehr gut vorankommen. Ich danke allen am Projekt Beteiligten und gratuliere zu diesem Erfolg. Das ist gelebter Artenschutz“, betonte Ministerin Gentges. Das Projekt Bestandstützung leiste zudem einen Beitrag zum internationalen Biodiversitätserhalt und den Biodiversitätszielen der Bundesregierung und der Europäischen Union.

Für die Unterstützung des Luchsbestands und die notwendige Akzeptanz in Baden-Württemberg arbeiten die Landesregierung, wissenschaftliche Einrichtungen wie die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA), der WWF Deutschland, der Zoo Karlsruhe, der Landesjagdverband und die Luchsinitiative Baden-Württemberg eng zusammen. Das Projekt wird von der Arbeitsgruppe Luchs und Wolf Baden-Württemberg begleitet.

Luchskatze Luna erhöht die Chancen auf weiteren Nachwuchs

Die Luchskatze Luna stammt aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für den Karpatenluchs und ist wertvoll für den Genpool des noch kleinen Luchsvorkommens im Schwarzwald und darüber hinaus. „Sowohl die Anzahl an Tieren als auch die genetische Diversität ist entscheidend für den langfristigen Erhalt einer gesunden Population“, erklärte Prof. Dr. Ulrich Schraml, Direktor Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA). Die FVA achtet sehr genau darauf, wann der Luchs zum ersten Mal Beute macht – ein Zeichen dafür, dass das Tier gut in der Wildbahn zurechtkommt. Luna ist nun eines von drei Weibchen im Schwarzwald. Mit etwas Glück wird sie sich in der nächsten Paarungszeit mit einem der dort sesshaften Männchen fortpflanzen.

Wissenschaftlich begleitet und tatkräftig unterstützt

Wildbiologen und -biologinnen der FVA sind zuständig für das Monitoring des Beutegreifers Luchs im Land. Alle ausgewilderten Luchse werden mit Senderhalsbändern ausgestattet, um Daten zu ihrem Verhalten, ihren Streifgebieten und ihrer Fortpflanzung zu gewinnen. Damit lässt sich genau verfolgen, ob und wo sich die Luchse in Baden-Württemberg niederlassen. So gelang es der FVA im Juni dieses Jahres, den ersten Luchsnachwuchs im Land seit etwa 200 Jahren nachzuweisen.

Jägerschaft von zentraler Bedeutung

Die Beobachtung des Luchsbestands ist nur durch ein Zusammenspiel verschiedener Akteure möglich. Viele Luchsnachweise stammen aus der Jägerschaft. Durch ihre regelmäßige Präsenz im Wald und ihre fachliche Expertise sind Jägerinnen und Jäger wichtige Partner im Luchsmonitoring. Jägerinnen und Jäger setzen sich zudem für intakte Wälder und die Vernetzung von Lebensräumen ein – Maßnahmen, von denen der Luchs und zahlreiche weitere Tierarten profitieren.

„Mit der heutigen Auswilderung setzen wir gemeinsam ein starkes Zeichen für artenreiche, intakte Wälder. Unsere Jägerinnen und Jäger bringen sich mit Monitoring-Erfahrung und regionaler Verankerung ein. Mit fairem Dialog, Wissenstransfer und Identifikation schaffen wir die Voraussetzungen für ein praxisnahes Wildtiermanagement“, sagt Elke Marko Neugebauer, Bezirksjägermeisterin des Landesjagdverbands Baden-Württemberg.

Zoos übernehmen eine wichtige Rolle im Artenschutz

Im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms der Europäischen Zoovereinigung EAZA stellen Zoos Luchse für Auswilderungen zur Verfügung. Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt freut sich: „Die Auswilderung von Luna ist etwas ganz Besonderes für uns. Sie zeigt, dass unsere weitläufigen und naturnahen Gehege von Anfang an viele Rückzugsräume bieten, so dass die Jungtiere mit wenig Kontakt zu Menschen aufwachsen können.“

Zudem betreibt der Zoo Karlsruhe ein Vorbereitungsgehege für Luchse. In diesem großzügigen Waldgehege fernab des Besuchsverkehrs werden die Tiere Wochen vor ihrer Auswilderung auf ein Leben in der Wildbahn vorbereitet. Auch Weibchen Luna, welches im Juni 2025 im Zoo Bojnice in der Slowakei geboren wurde, verbrachte dort die letzten Monate.

Weitere Stimmen zur Auswilderung

Dr. Sybille Klenzendorf, WWF Deutschland: „Der Schwarzwald schließt eine zentrale Lücke im mitteleuropäischen Luchsvorkommen. Vernetzte, sich selbst erhaltende Bestände sind das Ziel – heute kommen wir diesem Ziel einen Schritt näher.“

Verena Schiltenwolf, Luchs-Initiative Baden-Württemberg e.V.: „Seit Jahrzehnten setzt sich die Luchs-Initiative für eine gesunde Luchs-Population in Baden- Württemberg ein. Das bedeutet auch, dass eine breite Öffentlichkeit informiert ist und das Projekt unterstützt. Daher arbeiten wir eng mit den Gemeinden zusammen und klären über die Tierart Luchs auf, denn Wissen hilft bei Mythen. Die heutige Auswilderung zeigt: Breite Allianzen aus Ehrenamt, Wissenschaft und Praxis bewegen etwas – für Mensch und Wildtier.“

Projekt „Luchs Baden-Württemberg“

Die FVA hat die Projektleitung inne und arbeitet in enger Kooperation mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF Deutschland und dem Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe sowie der Luchs-Initiative Baden-Württemberg zusammen. Das Projekt wird durch die alosa Stiftung unterstützt. Auftraggeber ist das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg.

Die in Baden-Württemberg ausgewilderten Luchse stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Karpatenluchse, welches durch die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) koordiniert wird.

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