Ländlicher Raum

Jugendliche fürs Ehrenamt begeistern

Die Studie „Lust auf Ehrenamt wecken“ zeigt großes Potenzial für mehr jugendliches Engagement im ländlichen Raum. Entscheidender Faktor für den Einstieg in ein Ehrenamt ist das soziale Umfeld, größtes Hindernis ist der Zeitmangel.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Jugendliche halten ein Banner mit der Aufschrift «Ehrenamt» in den Händen.
Symbolbild

„Jugendliches Ehrenamt ist eine bedeutende und fest verankerte Säule unserer Gesellschaft. Junge Menschen im Ländlichen Raum sind überdurchschnittlich aktiv und bringen sich ein. Gleichzeitig gibt es viele junge Menschen, die noch keinen Zugang zum Ehrenamt gefunden haben. Im Auftrag des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum hat die Jugendstiftung Baden-Württemberg mit der Studie „Lust auf Ehrenamt wecken“ untersucht, wie junge Menschen für ein Ehrenamt begeistert werden können und welche Hindernisse dafür aus dem Weg geräumt werden müssen“, sagte der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, zugleich Vorsitzender des Kabinettsausschusses, am Freitag, 17. April 2026, anlässlich der Veröffentlichung der Studie.

Vorgelebtes Engagement überzeugt

Der entscheidende Faktor für den Einstieg in ein Ehrenamt ist das soziale Umfeld. Mehr als die Hälfte der Ehrenamtlichen findet den Weg zum Ehrenamt über die eigene Familie oder den Freundeskreis, wohingegen soziale Medien nur eine geringe Rolle spielen. „Wenn Eltern, Geschwister oder Freunde Engagement vorleben, steigt die Wahrscheinlichkeit, selbst aktiv zu werden. Zugleich zeigt die Studie, dass viele, die aktuell noch nicht aktiv sind, einem Ehrenamt generell aufgeschlossen gegenüberstehen. Hier schlummert zusätzliches Potenzial, das mit passgenauen Ansätzen geweckt werden kann“, sagte Minister Peter Hauk.

Zeitmangel ist größtes Hindernis

Als Gründe, warum sich Jugendliche ehrenamtlich engagieren, geben die meisten Jugendlichen soziale und sinnstiftende Motive an. An erster Stelle steht der Wunsch anderen zu helfen (56 Prozent), gefolgt von dem Bestreben, neue Erfahrungen zu machen (37 Prozent) und Zeit mit Freunden zu verbringen (26 Prozent). Hindernisse sind die hohe zeitliche Belastung durch Schule und Freizeit, aber auch Bedenken hinsichtlich des großen Altersunterschieds zu anderen Ehrenamtlichen. Kürzere Sitzungen, Entlastung durch Teamlösungen oder auch ein zeitlich begrenztes „Schnupperengagement“ können hier Lösungsansätze sein. „Ein besonderes Augenmerk der Studie liegt auf innovativen Vereinsinitiativen, die auf unkonventionelle Weise junge Menschen für ein Ehrenamt begeistern. Die Studie ist damit ein fundierter Beitrag zur Weiterentwicklung des Ehrenamts – mit und für junge Menschen im Ländlichen Raum“, so Kultusministerin Theresa Schopper. 

Mehr Wertschätzung und Mitbestimmung

Die Untersuchung basiert auf einer Online-Befragung von 1.936 Jugendlichen aus allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien, Gemeinschaftsschulen, Realschulen und Berufskollegs sowie auf ergänzenden Fokusinterviews und Best-Practice-Beispielen.

Neben persönlichen Vorteilen, wie Zertifikaten für den Lebenslauf oder einem Kompetenznachweis, wünschen sich die Jugendlichen mehr eigene Entscheidungsräume, um ihre Ideen umzusetzen. Bürokratische Vorgaben wirken dagegen oft abschreckend.

Ansatzpunkte, Jugendliche auch in ländlichen Regionen für das Ehrenamt zu gewinnen, bestehen besonders in der Schule und im Sport. „Mit dem Jugendbegleiter-Programm machen seit 2006 jedes Jahr viele tausend Jugendliche erste Schritte als ehrenamtliche Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter. Wir veranstalten seit 2023 außerdem Jugendkonferenzen im ganzen Land sowie eine jährliche Landesjugendkonferenz. In diesem Schuljahr werden so mehr als 10.000 Jugendliche direkt beteiligt. Die Jugendlichen geben uns dabei wichtige Hinweise, wie sie sich Ehrenamt wünschen und wo sie weitere Unterstützung brauchen. Unser Landesjugendbeirat begleitet diese Prozesse und vertritt die erarbeiteten Forderungen junger Menschen wirkungsvoll gegenüber der Politik“, so Kultusministerin Theresa Schopper.

„Jugendliche wünschen sich mehr Wertschätzung, Mitspracherechte und Gestaltungsmöglichkeiten. Auf Initiative des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration wird daher aktuell im Projekt „Landesjugendforum Baden-Württemberg“ ein Konzept zu der Frage erarbeitet, was es für eine breit aufgestellte und nachhaltige Beteiligung von jungen Menschen auf Landesebene braucht. Dabei geht es auch darum, welche Strukturen und Rahmenbedingungen Jugendbeteiligung dauerhaft stärken und wie diese aus Sicht junger Menschen wirksam zu gestalten sind. Die hierzu erarbeiteten Ergebnisse fließen dann in eine Handlungsempfehlung für ein künftiges Format der Jugendbeteiligung auf Landesebene ein“, sagte Sozialminister Manne Lucha, der stellvertretende Vorsitzende des Kabinettsausschusses.

„Der Ländliche Raum in Baden-Württemberg besticht durch seine vielfältige und aktive Vereinswelt. Die in der Studie formulierten Handlungsempfehlungen stellen für Vereine und Initiativen im Ländlichen Raum wertvolle Impulse dar, um mit bedarfsgerechten und passgenauen Angeboten ihren Nachwuchs zu sichern und zukunftsfähig bleiben“, betonte Minister Hauk.

Studie „Lust auf Ehrenamt wecken"

Die Studie „Lust auf Ehrenamt wecken" (PDF) wurde im Rahmen des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum in Auftrag gegeben und von der Jugendstiftung Baden-Württemberg durchgeführt. Der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum ist ein ressortübergreifendes Gremium der Landesregierung Baden-Württemberg an dem alle Fachministerien mitwirken. Er verfolgt das Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu fördern und entwickelt konkrete Maßnahmen für zentrale Bereiche wie Daseinsvorsorge, Mobilität, Bildung, Pflege und Kultur.

Weitere Meldungen

Streuobst
Streuobst

Land fördert Streuobst-Projekte mit 500.000 Euro

Vier Jugendliche sitzen auf einer Freitreppe und betrachten etwas auf dem Smartphone
Bürgerbeteiligung

Auswahlprozess für neuen Jugendberaterkreis gestartet

Start-up WOW Challenge
Start-up BW

BLACKPIN.IOT im Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch“

Erzieherin und Kind beim Lesen
Literatur

Frederick Tag 2026 gestartet

Asiatische Hornisse
Landwirtschaft

Weitere 70.000 Euro zur Bekämp­fung von Asiatischer Hornisse

Flurneuordnung Schrozberg
Flurneuordnung

Flurneuordnung macht die Landschaft klimaresilient

Vordere Reihe (von links nach rechts): Julia Hellmann, Minister der Justiz und für Migration Moritz Oppelt und Petra Klein  Hintere Reihe (von links nach rechts): Dr. Sarah Straub, Michael Kühn, Anne Stöhr, Panajotis Neuert und Claudia Österle
Justiz

Tag der ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer 2026

Gesundes Essen bei der Zubereitung.
Ernährung

Impulse für eine gelungene Seniorenverpflegung

Ministerin Theresa Schopper (rechts) spricht zur Eröffnung der Netzwerkkonferenz Baukultur
Baukultur

Netzwerkkonferenz Baukultur 2026

Erster Wolf im Süden Sachsen-Anhalts entdeckt
Wolf

Erlegter Wolf war nicht mehr überlebensfähig

Logo er Frauenwirtschaftstage 2026
Gleichstellung

22. Frauenwirtschaftstage eröffnet

Ehemalige Chapel auf dem Hospitalgelände in Heidelberg
Städtebau

Land fördert 45 Kommunen mit rund 16,6 Millionen Euro

GAP 2026
Landwirtschaft

Internationaler Agrarkongress in Stuttgart

LWH 2026. Eingang Halle 1
Landwirtschaft

Positive Bilanz zum 102. Landwirtschaftlichen Hauptfest

ein Glas Mirabellen-Brand
Landwirtschaft

Start der Brennsaison 2026