Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Petra Bahr, haben am 5. Oktober 2026 die 22. Frauenwirtschaftstage im Neuen Schloss in Stuttgart eröffnet. Sie stehen unter dem Titel „Erfolgreich. Gleich. Berechtigt. Ökonomische Gleichstellung als Wirtschaftspotenzial“.
Grundlage für gleichberechtigte Teilhabe
„Die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen und Männern ist ein entscheidender Faktor für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben. Sie schafft finanzielle Sicherheit über alle Lebensphasen hinweg und bildet die Grundlage für eine gleichberechtigte Teilhabe“, betonte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus, im Rahmen der Auftaktveranstaltung.
Das Schwerpunktthema der landesweiten Frauenwirtschaftstage 2026 lautet „Erfolgreich. Gleich. Berechtigt. Ökonomische Gleichstellung als Wirtschaftspotenzial“. Damit beteiligt sich das Land Baden-Württemberg an den länderübergreifenden Aktionen des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren Frauen und Jugend 2026 unter dem Titel „Finanziell auf eigenen Füßen stehen“.
Staatssekretärin Dr. Petra Bahr betonte in ihrem Grußwort: „Wer als Frau sein Leben selbstbestimmt gestalten will, muss wissen, welche finanziellen Folgen wichtige Entscheidungen haben können. Das gilt bei der Berufswahl genauso wie bei der Frage, wie Paare Familie und Beruf aufteilen oder wie man fürs Alter vorsorgt. Mit der ‚Lebenskarte‘ haben wir deshalb ein Serviceportal geschaffen, das Frauen dabei unterstützt, ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Sie ist wie ein persönlicher Kompass: Sie zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, und hilft dabei, wichtige Entscheidungen bewusst zu treffen. Ein zentraler Bestandteil ist der digitale ‚Lohn-O-Mat‘. Er macht sichtbar, was unterschiedliche Lebensentscheidungen für das eigene Einkommen und die finanzielle Situation eines Paares bedeuten können.“
Ökonomische Gleichstellung für die Wirtschaft wichtig
Hoffmeister-Kraut ist überzeugt, auch für die Wirtschaft ist die ökonomische Gleichstellung von entscheidender Bedeutung. „Eine qualifikationsgerechte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit können sich positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken, Fachkräftepotenziale können besser erschlossen, Innovationen gefördert und Wohlstand erhöht werden. Zugleich trägt eine höhere Frauenerwerbstätigenquote zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme bei und kann Altersarmut entgegenwirken“, so die Ministerin.
Trotz der Potenziale stehen insbesondere Frauen weiterhin häufig vor der Herausforderung, berufliche Ziele und familiäre Verpflichtungen miteinander zu vereinbaren. Dies kann ihre finanzielle Unabhängigkeit beeinträchtigen. Eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Erwerbs- und Sorgearbeit ist vielfach noch nicht erreicht.
Dies zeigen auch zentrale Kennzahlen: Der Gender Pay Gap lag in Baden-Württemberg 2025 unbereinigt bei 20 Prozent und bereinigt bei sechs Prozent. Beim Gender Care Gap betrug der Unterschied 2022 48,7 Prozent: Frauen leisteten im Durchschnitt 29 Stunden unbezahlte Arbeit pro Woche, Männer knapp 19,5 Stunden. Der Gender Pension Gap lag 2025 bei 42,6 Prozent unter Berücksichtigung der eigenen Einkünfte und bei 29,4 Prozent unter Einbeziehung der Hinterbliebenenalterseinkünfte (Mikrozensus 2025). Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Erwerbs- und Sorgearbeit in unserer Gesellschaft nach wie vor ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt ist. Die Mehrfachbelastung durch Beruf, Haushalt und Care-Aufgaben stellt insbesondere Frauen vor große Herausforderung. Sie ist eine wesentliche Hürde auf dem Weg zu mehr Gleichstellung und wirtschaftlicher Eigenständigkeit.
Strategierahmen für die ökonomische Gleichstellung 2030
Dr. Dagmar Weßler-Poßberg, Direktorin und Partnerin der Prognos AG, stellte in ihrem Impulsvortrag „Ökonomische Gleichstellung als Investition in die Zukunft. Erkenntnisse zu Frauenerwerbstätigkeit und Wirtschaft“ die wesentlichen Ergebnisse des „Strategierahmen für die ökonomische Gleichstellung 2030“ vor. Dieser wurde vom BMBFSFJ in Auftrag gegeben und bildet die wissenschaftliche Grundlage für das Jahresthema der Frauenwirtschaftstage. Weßler-Poßberg zeigte auf, welche volkswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Potenziale ökonomische Gleichstellung freisetzen kann und welche Einstellungen und Wünsche der Gesellschaft dabei zu berücksichtigen sind.
In der anschließenden Podiumsdiskussion erörterten Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut, Staatssekretärin Dr. Bahr sowie Expertinnen der Deutschen Rentenversicherung und aus der Wissenschaft gemeinsam mit einem Role Model, welche Rahmenbedingungen für eine gelingende Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit erforderlich sind.
Dabei wurde auch ein erfolgreiches Beispiel aus der Praxis vorgestellt. Eine Führungskraft der Continental AG am Standort Schwäbisch Gmünd gab persönliche Einblicke in ihren Berufs- und Familienalltag. Als zweifache Mutter in Führungsverantwortung berichtete sie darüber, wie es ihr gelungen ist, ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit über verschiedene Lebensphasen hinweg zu erhalten.
Die Ministerin appellierte am Ende der Veranstaltung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Ökonomische Gleichstellung als Wirtschaftspotenzial gelingt dann, wenn Frauen ihr Potenzial in allen Schlüsselbranchen – vom Handwerk bis zum High-Tech-Start-up – qualifikationsgerecht entfalten können und dafür entgeltgleich vergütet werden. So wird die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen in jeder Lebensphase zur gelebten Normalität. Gleichzeitig stärken Frauen mit ihrem Know-how und ihren Talenten die Innovationskraft Baden-Württembergs!“
Frauenwirtschaftstage
Die baden-württembergischen Frauenwirtschaftstage finden 2026 bereits zum 22. Mal auf Initiative des Ministeriums für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus statt. Vom 16. bis 24. Oktober 2026 werden landesweit rund 90 Veranstaltungen von regionalen Partnerinnen und Partnern durchgeführt.
Ziel der Frauenwirtschaftstage ist es, die Chancen und die Bedeutung von Frauen als Fach- und Führungskräfte, Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen in und für die Wirtschaft in den Fokus zu rücken. Die regionalen Veranstaltungen greifen daher zahlreiche weitere Themen auf. Dazu zählen der Aufstieg von Frauen in Führungspositionen, Frauen in MINT-Berufen, Erfolgsfaktoren für Gründerinnen und Unternehmerinnen, die Unternehmensnachfolge als Karriereoption, Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit sowie Vernetzungs- und Kooperationsmöglichkeiten. Die Frauenwirtschaftstage richten sich insbesondere an interessierte Frauen und Männer, Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertreter im Bereich Personalmanagement und die breite Öffentlichkeit.
An den Frauenwirtschaftstagen sind unter anderem folgende Institutionen mit Veranstaltungen beteiligt: Kontaktstellen Frau und Beruf, Agenturen für Arbeit, Regionalbüros für berufliche Fortbildung, Frauen- und Wirtschaftsorganisationen, Gleichstellungsbeauftragten der Kreise und Kommunen, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen und Verbände.
















