Wirtschaft

Zehn Jahre Brexit-Referendum

Vor zehn Jahren stimmte die britische Bevölkerung für den Austritt aus der EU. Trotz erheblicher Hürden konnten die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Baden-Württemberg und dem Vereinigten Königreich auf ein neues Fundament gestellt werden.

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Ein Demonstrant vor den Houses of Parliament, dem Westminster-Palast, schwenkt eine EU-Flagge und eine britische Flagge. (Bild: © dpa)

Am 23. Juni 2016 stimmte eine knappe Mehrheit der britischen Bevölkerung für den Austritt aus der Europäischen Union. Zehn Jahre später zieht Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus, Bilanz: Trotz erheblicher Hürden sei es gelungen, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Baden-Württemberg und dem Vereinigten Königreich auf ein neues Fundament zu stellen. Gleichzeitig blieben Herausforderungen, die im anstehenden EU-UK-Gipfel adressiert werden müssten. Hoffmeister-Kraut: „Baden-Württemberg hat bewiesen, dass eine enge Partnerschaft trotz Brexit möglich ist. Jetzt müssen die EU und Großbritannien liefern."

Partnerschaft statt Abkoppelung

„Der Brexit war und ist ein wirtschaftspolitischer Einschnitt. Aber wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Baden-Württemberg auch unter veränderten Rahmenbedingungen Brücken bauen kann", erklärt Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut. „Die Wirtschaftspartnerschaftsinitiative und das BW-UK Tech Accelerator Programm sind nur zwei Beispiele für unsere erfolgreiche Zusammenarbeit."

Baden-Württemberg habe nach dem Brexit früh und konsequent in den Ausbau der bilateralen Beziehungen investiert. Bereits im Februar 2020 habe das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem britischen Generalkonsulat die Partnerschaftsinitiative BW-UK ins Leben gerufen – mit dem Ziel, enge wirtschaftliche Verbindungen strukturell abzusichern und zukunftsfähig zu machen, so die Ministerin. Im Rahmen der Partnerschaftsinitiative wurden seit 2024 bereits zwei Runden des britisch-deutschen Tech-Accelerator-Programms realisiert.

Mark Dittmer-Odell, Britischer Generalkonsul in München, dazu: „Die langjährige Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Baden-Württemberg beruht auf Offenheit, Innovationskraft und dem gemeinsamen Anspruch, bei Zukunftstechnologien führend zu sein. Das Tech Accelerator Programme verdeutlicht, wie diese Zusammenarbeit dafür sorgt, neue Ideen und Geschäftsmodelle voranzubringen, indem es erstklassige britische Scale-ups mit führenden Unternehmen in Baden-Württemberg zusammenbringt. Initiativen wie diese zeigen, wie unsere Partnerschaft Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und technologischen Fortschritt auf beiden Seiten stärkt."

Das Programm wird durch das britische Department for Business and Trade (DBT) in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus sowie Baden-Württemberg International (BW_i) umgesetzt. Insgesamt dreizehn innovative britische Start-Ups und Scale-Ups aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Robotik, Virtual Reality und Quantencomputing erhielten seither die Möglichkeit, ihre Lösungen gemeinsam mit führenden baden-württembergischen Unternehmen weiterzuentwickeln.

Baden-Württemberg und Großbritannien sehen in der Zusammenarbeit im Rahmen des Tech Accelerator Programms einen wichtigen Schritt, um technologischen Fortschritt gemeinsam zu gestalten. Beide Partner teilen die Vision, durch Innovation Wohlstand und Beschäftigung zu fördern.

Neue Dynamik und rasche Fortschritte bei den EU-UK-Gesprächen gefordert

Anlässlich der laufenden Gespräche zwischen der Europäischen Kommission und dem Vereinigten Königreich sowie dem für Mitte Juli geplanten zweiten EU-UK Gipfel fordert die Wirtschaftsministerin eine weitere Annäherung. Oberstes Ziel müsse sein, die wirtschaftliche Zusammenarbeit auf eine neue Grundlage zu stellen und bestehende Hindernisse für Unternehmen und Fachkräfte konsequent abzubauen.

„Europa und das Vereinigte Königreich stehen vor gemeinsamen Herausforderungen – von der Transformation der Industrie bis zur geopolitischen Lage. Wir erwarten, dass der Gipfel in Brüssel ein klares Signal für mehr Zusammenarbeit sendet“, so Hoffmeister-Kraut. Verhandlungen über die gegenseitige Anerkennung technischer Standards, Zertifizierungen und Konformitätsbewertungen sollten mit höchster Priorität vorangetrieben werden. „Unsere Unternehmen benötigen praktische Lösungen im Alltag. Doppelprüfungen, zusätzliche Zertifizierungen und bürokratische Hürden kosten Zeit, Geld und Wettbewerbsfähigkeit. Hier erwarten wir zügige Fortschritte“, so die Wirtschaftsministerin weiter.

Hoffmeister-Kraut fordert zudem ein spezielles Mobilitätsabkommen für Fachkräfte, Studierende und Auszubildende. „Wer Innovation will, muss auch Mobilität ermöglichen. Fachkräfte, Forschende, Studierende und Lernende müssen wieder einfacher zwischen Baden-Württemberg und dem Vereinigten Königreich zusammenarbeiten können.“

Darüber hinaus spricht sich die Ministerin für eine gemeinsame Innovations- und Industrieagenda zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich aus. „Gerade bei Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz, Robotik, Wasserstoff oder Halbleitern benötigen wir mehr Zusammenarbeit anstelle von Barrieren. Europa und Großbritannien sollten hier ihre jeweiligen Stärken gewinnbringend bündeln.“

Der für Juli 2026 erwartete nächste EU-UK-Gipfel gilt als wichtiger Meilenstein des Annäherungsprozesses. Berichte über eine mögliche Verschiebung auf den Herbst werden seitens Hoffmeister-Kraut mit Sorge betrachtet. „Gerade angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen und des zunehmenden internationalen Wettbewerbs dürfen notwendige Entscheidungen nicht aufgeschoben werden.“

Schrittweise Annäherung und Neuausrichtung der Beziehungen

Die EU und Großbritannien arbeiten derzeit an einer schrittweisen Annäherung und einer Neuausrichtung ihrer Beziehungen nach den Spannungen der Brexit-Jahre. Beim ersten EU-UK-Gipfel im Mai 2025 wurden hierzu eine neue strategische Partnerschaft sowie eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung, Wirtschaft und Forschung vereinbart. In den kommenden Wochen sollen weitere Gespräche und ein zweiter EU-UK-Gipfel folgen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere der Abbau wirtschaftlicher Hemmnisse, die Erleichterung von Forschungspartnerschaften, die Mobilität von Fachkräften und jungen Menschen sowie die Zusammenarbeit bei Zukunftstechnologien und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Differenzen bestehen aktuell vor allem bei Fragen der Jugendmobilität, in einzelnen Handelsbereichen sowie bei regulatorischen Standards.

Partnerschaftsinitiative BW-UK

Die Partnerschaftsinitiative BW-UK wurde 2020 gemeinsam vom Wirtschaftsministerium und dem britischen Generalkonsulat ins Leben gerufen. Das UK Tech Accelerator Programm wird vom britischen Department for Business and Trade (DBT) gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg und Baden-Württemberg International (BW_i) umgesetzt.

Handelszahlen BW-UK

Das Vereinigte Königreich bleibt ein bedeutender Handelspartner für die baden-württembergische Wirtschaft. Das Exportvolumen lag 2025 bei 11,2 Milliarden Euro und damit auf Platz acht der wichtigsten Abnehmerländer des Südwestens, während der Import insgesamt 3,2 Milliarden Euro umfasste. Der Handel stützt sich maßgeblich auf etablierte Wertschöpfungsnetzwerke: Maschinenbau, Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische Erzeugnisse sowie Elektronik.

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