Justiz

Konstanzer Symposium 2026

Beim 45. Konstanzer Symposium haben hochrangige Expertinnen und Experten darüber diskutiert, ab wann Täter strafmündig sind.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Amtschef des Ministeriums der Justiz und für Migration Elmar Steinbacher
von links nach rechts: Dr. Markus Sehl, Stefan Düll, Susanne Hierl, Prof. Dr. Alexander Baur M.A., B.Sc. (Psych.)

Das diesjährige Konstanzer Symposium widmet sich einer Frage, die fast so alt ist wie unser Strafrecht selbst – und zugleich aktueller kaum sein könnte: Ab welcher Altersgrenze trägt ein Kind strafrechtliche Verantwortung für seine Taten?

Beim 45. Konstanzer Symposium diskutierten am 29. und 30. April 2026 hochrangige Expertinnen und Experten unter anderem aus Justiz, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien über die Frage „Zwischen Kindheit und Kriminalität: Die Streitfrage der Strafmündigkeit.“

Der Amtschef des Ministeriums der Justiz und für Migration Elmar Steinbacher begrüßte die Gäste und sagte in seiner Eröffnungsrede: „Die Frage der Strafmündigkeit ist keine rein juristische, sondern betrifft Schule, Familie, Gesellschaft und damit letztlich unser gemeinsames Verständnis von Verantwortung, Entwicklung und Gerechtigkeit. Wir müssen differenzierte Lösungen suchen, die sowohl den Bedürfnissen der Opfer als auch den Entwicklungschancen junger Menschen gerecht werden. Es geht nicht darum, in § 19 Strafgesetzbuch (StGB) einfach das Wort ‚vierzehn‘ durch ‚zwölf‘ zu ersetzen. Es geht um differenzierte Perspektiven.“

Zahlreiche Vorträge mit unterschiedlichen Blickwinkeln

Zahlreiche Vorträge renommierter Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Thema der Altersgrenze der Strafmündigkeit fanden an den beiden Tagen statt.

Prof. Dr. Alexander Baur M.A., B.Sc. (Psych.) erarbeitete mit den zahlreichen Gästen Leitlinien für die rechtspolitische Diskussion zu dem Thema Prävention und Bewältigung der Delinquenz junger Menschen. Seine praktische Sicht präsentierte Strafverteidiger Burkhard Benecken in seinem Vortrag „Teenager außer Kontrolle – warum wir ein Kinderstrafrecht brauchen!“. Prof. Dr. med. Marc Allroggen nahm als Leitender Oberarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie eine entwicklungspsychopathologische Perspektive ein und kam zu dem Fazit, dass sich die Strafmündigkeit nicht zielgenau an ein bestimmtes Alter knüpfen und sich etwa für einen Großteil der 10-12-Jährigen insbesondere für schwere Delikte eine Strafmündigkeit begründen ließe. Ralf Kusterer, Erster Stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, lieferte Erkenntnisse aus der polizeilichen Präventions- und Ermittlungsarbeit. Der erste Tag wurde mit dem Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Konstanz Ulrich Burchardt beendet.

Den zweiten Tag des Konstanzer Symposiums eröffnete lic. iur. Patrik Killer, der anschaulich die Praxis in der Schweiz darstellte, die von einer Strafmündigkeit schon ab zehn Jahren ausgeht, aber differenzierte Reaktionsmöglichkeiten vorsieht. Schließlich stellte Suanne Hierl, rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, den innovativen Ansatz eines Verantwortungsverfahrens vor.

Podiumsdiskussion zum Abschluss

Den Abschluss des Konstanzer Symposiums bildete eine von Dr. Markus Sehl, Stellvertretender Chefredakteur vom Dienst des Onlinemediums Legal Tribune Online, moderierte Podiumsdiskussion, an der Susanne Hierl, Prof. Dr. Alexander Baur M.A., B.Sc. (Psych.) und Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, teilnahmen.

Das Konstanzer Symposium ist ein seit 1980 jährlich stattfindendes rechtspolitisches Symposium, das vom Ministerium der Justiz und für Migration ausgerichtet wird.

Weitere Meldungen

Staatssekretär Siegfried Lorek MdL
Opferschutz

Land stärkt Opferschutz und stellt sich Antisemitismus entgegen

Ein Mann tippt auf einer beleuchteten Tastatur eines Laptops.
Justiz

Strafverfolgungsstatistik 2025 veröffentlicht

Schülerinnen mit Smartphones
Internet

Junge Menschen im Umgang mit Gefahren im Netz stärken

von links nach rechts: Gerald Knaus, Staatssekretär Siegfried Lorek, Birgit Sippel, Dr. Thomas Gutschker
Migration

Lorek fordert stärkere Positionierung der EU in der Migrationspolitik

Symbolbild: Eine Frau versucht sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (Bild: dpa).
Opferschutz

13 Millionen Euro für Opfer aus Gewalttaten

Schematische Darstellung von CCS-Prozessen zur on-shore-Speicherung (links) und off-shore-Speicherung (rechts).
Klimaschutz

Bürgerforum zur CO2-Speicherung

Logo des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“
Ländlicher Raum

29. Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gestartet

Vier Jugendliche sitzen auf einer Freitreppe und betrachten etwas auf dem Smartphone
Bürgerbeteiligung

Auswahlprozess für neuen Jugendberaterkreis gestartet

Landgericht Ulm
Justiz

Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen wird genannt

Vordere Reihe (von links nach rechts): Julia Hellmann, Minister der Justiz und für Migration Moritz Oppelt und Petra Klein  Hintere Reihe (von links nach rechts): Dr. Sarah Straub, Michael Kühn, Anne Stöhr, Panajotis Neuert und Claudia Österle
Justiz

Tag der ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer 2026

20261008_MIN Kriegsgräberfürsorge
Gedenken

Spenden für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Carsten Höfler
Polizei

Leitung des Polizeipräsidiums Ludwigsburg

Staatssekretär des Ministeriums der Justiz und für Migration und Opferbeauftragter der Landesregierung Siegfried Lorek
Opferschutz

Modellprojekt „Prozessbegleitung Gewaltschutzverfahren“

Minister Moritz Oppelt unterzeichnet den Staatsvertrag
Justiz

Mehr Überwachung von Gewalttätern durch elektronische Fußfesseln

von links nach rechts: Thomas Uhl von der Justizvollzugsanstalt Ravensburg, Amtschefin des Ministeriums der Justiz und für Migration Gerda Windey, Kevin Brennecke von der Justizvollzugsanstalt Heimsheim
Justiz

108 neue Vollzugsanwärter