Energiewende

Gutachten zeigt großes Potenzial von Aquathermie

Flüsse und Seen können einen deutlich größeren Beitrag zur Wärmeversorgung leisten als bislang. Das zeigt ein Gutachten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Ein Stocherkahn fährt auf dem Neckar.
Symbolbild

Flüsse und Seen können einen deutlich größeren Beitrag zur Wärmeversorgung leisten als bislang. Ein Gutachten (PDF) des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) sieht Potenzial für mindestens 2,5 Terawattstunden (TWh) Wärme aus Aquathermie jährlich bis 2030, bis 2040 könnte sich die Wärmeerzeugung mindestens verdoppeln.

Baustein für nachhaltige Wärmeversorgung

Umwelt- und Energieministerin Thekla Walker sieht in der Aquathermie eine große Chance für die Wärmewende: „Die Zukunft der Wärmeerzeugung fußt auf erneuerbaren Energien. Flüsse und Seen sind regionale, fast ganzjährig verfügbare Wärmequellen, die wir deutlich stärker als bisher nutzen können. Aquathermie kann insbesondere in Verbindung mit Wärmenetzen ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche, bezahlbare und sichere Wärmeversorgung sein.“

Sonne und Regen erwärmen Gewässer

Im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat das ifeu die Bedeutung von Gewässerwärmepumpen für die Wärmewende in Baden-Württemberg untersucht. Dabei zeigt sich, dass Gewässerwärmepumpen, besonders in Verbindung mit Wärmenetzen, die auf einen Schlag eine große Zahl von Gebäuden zentral auf eine erneuerbare Wärmeversorgung umstellen, eine gewichtige Rolle spielen können.

Sonneneinstrahlung, Niederschlag und Grundwasserzuflüsse tragen dazu bei, dass Flüsse und Seen kontinuierlich Wärme aufnehmen und speichern. Gewässerwärmepumpen nutzen diese. Positiver Nebeneffekt: Die Wärmeentnahme kann lokal dazu beitragen, der zunehmenden Erwärmung von Gewässern entgegenzuwirken.

In Wärmeplanung noch wenig beachtet

Im Gutachten des ifeu wurden die vorliegenden Wärmepläne im Land ausgewertet, die im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung erstellt wurden – 245 Wärmepläne sind bereits abgeschlossen, über 200 weitere sind in Erstellung. Der bisher in den Wärmeplänen vorgesehene Anteil von Aquathermie am Energiebedarf in Wärmenetzen entspricht lediglich acht Prozent. Demgegenüber wird anderen Quellen wie Wasserstoff (zehn Prozent) und Biomasse- und Müllverbrennung (24 Prozent) eine deutlich größere Rolle zugeschrieben, obwohl bei diesen große Nutzungskonkurrenzen zu erwarten sind.

„Das Potenzial von Aquathermie wird bei der Wärmeplanung zwar regelmäßig untersucht, jedoch steht diese Energiequelle als Alternative zu unsichereren Energieträgern und mit Blick auf die sehr hohen thermischen Potenziale noch nicht ausreichend im Fokus“, so Dr. Martin Pehnt, Geschäftsführer ifeu und Mitglied im Klima-Sachverständigenrat Baden-Württemberg.

Starkes Wachstum möglich

Auch Energieversorger sehen in der Aquathermie eine attraktive Wärmequelle. Bislang werden in Baden-Württemberg zwar nur wenige Anlagen betrieben, etwa in Mannheim, wo eine Anlage mit 20 Megawatt (MW) rund 3.500 Haushalte mit Wärme aus dem Neckar versorgt. Jedoch befinden sich weitere Anlagen mit insgesamt mehr als 500 MW Wärmeleistung in Planung. Im Gutachten wird aus der Hochrechnung eine Energieerzeugung von mindestens 2,5 Terawattstunden pro Jahr (TWh/a) bis zum Jahr 2030 abgeleitet. Im Jahr 2040 soll es mindestens doppelt so viel sein.

Künftig im Energieatlas ausgewiesen

Die Potenziale der Aquathermie sollen künftig im Energieatlas der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ausgewiesen werden. Damit erhalten Kommunen sowie Planerinnern und Planer eine zusätzliche Grundlage, um Gewässerwärme bei der kommunalen Wärmeplanung und beim Aufbau von Wärmenetzen zu berücksichtigen.

Weitere Meldungen

Eine junge Frau wird geimpft.
Gesundheit

Auswahlverfahren zur Landarztquote 2026 abgeschlossen

von links nach rechts: Gerald Knaus, Staatssekretär Siegfried Lorek, Birgit Sippel, Dr. Thomas Gutschker
Migration

Lorek fordert stärkere Positionierung der EU in der Migrationspolitik

Eine Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sitzt auf einem Finger und sticht zu.
Gesundheitsschutz

Kein erhöhtes Risiko wegen West-Nil-Virus

Symbolbild: Eine Frau versucht sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (Bild: dpa).
Opferschutz

13 Millionen Euro für Opfer aus Gewalttaten

Die NECOC-Versuchsanlage am KIT produziert festen Kohlenstoff aus klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid.
Bürgerbeteiligung

Bürgerforum zur CO2-Speicherung

In einer Wohngemeinschaft sitzen Studierende um den Küchentisch und unterhalten sich (Bild: © dpa).
Wohnen

Land fördert im Neubau bundesweit die meisten Wohnheimplätze

Logo des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“
Ländlicher Raum

29. Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gestartet

Kuh friss Gras
Landwirtschaft

Antragstellung auf Futtermittelhilfe 2026 läuft an

Ein Ausbilder erklärt in einem Techniklabor jugendlichen Auszubildenden etwas.
Bildung

Mit MINT- und Begabtenförderung das Land zukunftsfest machen

Ausbilderin mit Lehrling
Berufliche Ausbildung

Land baut Förderprogramm zur Ausbildungsqualität weiter aus

Tag der Nationalhymne in Rumänien
Handwerk

Wirtschaftsministerin reist nach Rumänien

Streuobst
Streuobst

Land fördert Streuobst-Projekte mit 500.000 Euro

Porträt Prof. Dr. Thomas Riecke-Baulecke
Schule

ZSL-Präsident geht in Ruhestand

von links nach rechts: Prof. Peter Middendorf (Rektor der Universität Stuttgart), Ministerpräsident Cem Özdemir, Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Prof. Jan Hesthaven (Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT))
Sicherheit

Innovationen für Sicherheit, Verteidigung und Resilienz

Vier Jugendliche sitzen auf einer Freitreppe und betrachten etwas auf dem Smartphone
Bürgerbeteiligung

Auswahlprozess für neuen Jugendberaterkreis gestartet