Der Südwesten bis 1945 - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Der Südwesten bis 1945

Erster Weltkrieg, Weimarer Republik und Nationalsozialismus

  • Blick auf eine Menschenmenge im Hof der Rotebühlkaserne in Stuttgart. Verteilen der Waffen am 09. November 1918. (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)

    Blick auf eine Menschenmenge im Hof der Rotebühlkaserne in Stuttgart. Verteilen der Waffen am 09. November 1918.

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  • Sitzung des württembergischen Landtags um 1925. Blick in den Halbmondsaal zur Rednertribüne und den Abgeordnetenbänken. (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)

    Sitzung des württembergischen Landtags um 1925. Blick in den Halbmondsaal zur Rednertribüne und den Abgeordnetenbänken.

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  • Stuttgart: Plakatwand mit Wahlplakaten zur Landtagswahl, 1932. (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)

    Stuttgart: Plakatwand mit Wahlplakaten zur Landtagswahl, 1932.

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  • Aufräumungsarbeiten nach einem Bombenangriff in Stuttgart 1943. (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)

    Aufräumungsarbeiten nach einem Bombenangriff in Stuttgart 1943.

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Erster Weltkrieg und Revolution

Der Erste Weltkrieg als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ forderte von 1914 bis 1918 17 Millionen Menschenleben. Mehr als 62.000 Badener und rund 73.000 Württemberger kamen im Krieg ums Leben. 

Der Württemberger Matthias Erzberger unterzeichnete im Auftrag der neuen deutschen Reichsregierung am 11. November 1918 in Compiègne bei Paris den Waffenstillstand und beendete damit den schon lange verloren Krieg und das sinnlose Töten auf beiden Seiten der Front. Zwei Tage zuvor wurde in Berlin von dem Heidelberger Friedrich Ebert die Republik ausgerufen.

Die Revolution, ausgelöst durch meuternde Matrosen in Kiel in den ersten Novembertagen 1918 und befeuert von einer kriegsmüden Bevölkerung, erreichte auch den Südwesten Deutschlands. Noch am 9. November geriet eine Massendemonstration in Stuttgart zum revolutionären Aufstand, der dennoch relativ friedlich verlief. König Wilhelm II. von Württemberg dankte ab und in Württemberg wurde ebenfalls die Republik ausgerufen. Am Abend zog sich der König auf sein Jagdschloss nach Bebenhausen zurück. Der SPD-Reichstagsabgeordnete Wilhelm Blos bildete als neuer Ministerpräsident eine vorläufige Regierung in Stuttgart.

Einen Tag nach den Ereignissen in Württemberg kam es ebenso in Baden zum Umsturz und zur Ausrufung der Republik. Allein in den Garnisonsstädten Lahr und Offenburg kam es zu Unruhen. Großherzog Friedrich II. von Baden erklärte seinen Amtsverzicht.

Die im Südwesten sozialdemokratisch geprägten Arbeiter- und Soldatenräte unterstützten die neuen Regierungen und hielten die öffentliche Ordnung aufrecht.
1919 wurden in beiden neuen Republiken verfassungsgebende Landesversammlungen gewählt. Erstmals durften auch Frauen wählen. Im Gegensatz zu Berlin herrschten im Südwesten relativ stabile Regierungsmehrheiten.

Die Weimarer Republik

Die Demokratie in der jungen Weimarer Republik war jedoch bedroht. Terror von links aber vor allem von rechts griffen die Regierung, ihre Vertreter und Befürworter immer wieder an. Erzberger wurde von einem rechten Terrorkommando genauso erschossen wie der frühere Reichsaußenminister Walter Rathenau. Im Reichstag fand sich keine stabile Mehrheit für eine kontinuierliche Regierungsarbeit.

Der Friedensvertag von Versailles belastete die junge Republik. Die Hyperinflation entwertete das Geld schneller als es gedruckt werden konnte. Gerade als sich die Situation etwas zu entspannen schien, riss der Börsencrash in New York die Welt im Oktober 1929 in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Nationalsozialismus

Die immer schlechter werdende wirtschaftliche Situation machte die Menschen empfänglich für radikale Parolen und einfache Lösungen. Besonders profitierten die extremen Rechten von der Stimmung. Adolf Hitlers NSDAP erreichte bei den Reichstagswahlen 1930 in Baden über 19 Prozent und in Württemberg, das wirtschaftlich etwas besser dastand, 9 Prozent. Im Reichstag wurde die NSDAP zweitstärkste Kraft.

Bei den Landtagswahlen 1932 wurde die NSDAP dann in Württemberg stärkste Kraft. Eine bürgerliche Regierungsbildung war nicht mehr möglich, so dass Staatspräsident Eugen Bolz nur mit Notverordnungen weiterregieren konnte. In Baden war 1929, vor dem Börsencrash, zuletzt gewählt worden. Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 erreichten die Nationalsozialisten in Württemberg knapp 31 Prozent, in Baden 37 und im gesamten Reich knapp 38 Prozent.

In Berlin gab es schon lange keine stabile Regierung mehr. Am 30. Januar ernannte der 85-jährige Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die Nationalsozialisten begannen umgehend damit, die Parlamente zu entmachten und einen zentralistischen Führer-Staat zu installieren. Die Regierungen in Stuttgart und Karlsruhe wurden abgesetzt und durch sogenannte „Reichskommissare“ ersetzt. Die Eigenständigkeit der Länder war Geschichte.

Die Opposition wurde brutal unterdrückt. Im Juli 1933 wurden alle Parteien außer der NSDAP verboten. Presse und Rundfunk wurden gleichgeschaltet, Gewerkschaften verboten, Bücher zensiert, politische Gegner verfolgt. Es begann das dunkelste Kapitel deutscher und damit auch südwestdeutscher Geschichte mit einem Angriffskrieg gegen den Rest Europas und der industriellen Massenvernichtung von Juden, Menschen mit Behinderung, Homosexuellen, Sinti und Roma, Kriegsgefangenen und politischen Gegnern in den Konzentrations-, Arbeits-, und Vernichtungslagern.

 


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