Ressourcen

Zukunftsthema Ressourceneffizienz - Empfehlungen für eine Landesstrategie

Frau an Flaschencontainer

Auf der Basis einer Studie über wichtige Rohstoffe für die baden-württembergische Industrie haben Wissenschaftler konkrete Projekte als Empfehlung für die künftige Politik der Landesregierung im Rahmen der Landestrategie Ressourceneffizienz definiert.

Prof. Dr. Martin Faulstich, TU Clausthal und Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung, hat die Studie mit den Empfehlungen für die Landesregierung im Rahmen des Ressourcen- und Kreislaufwirtschaftskongresses in Karlsruhe an Umweltminister Franz Untersteller übergeben.

Faulstich betonte dabei vor allem die Notwendigkeit, neue Ideen und Konzepte für mehr Ressourceneffizienz zu entwickeln: „Deshalb möchten wir mit maßgeblichen Industrieverbänden und der Landesregierung einen Think Tank für Industrie- und Ressourcenpolitik aufbauen. Mit dieser Ideenfabrik kann die Spitzenstellung Baden-Württembergs bei der Ressourceneffizienz weiter ausgebaut werden.“ 

Insgesamt fünf herausragende Projekte müsse die Landesregierung anstoßen, um auf dem Weg zu mehr Ressourceneffizienz weiter voranzukommen, sagte Faulstich.

Im Einzelnen seien das:

  1. Die Gründung eines Think Tanks Industrie- und Ressourcenpolitik Baden-Württemberg
  2. Die Einrichtung eines Forschungs- und Entwicklungsverbundes Ressourceneffizienz
  3. Die Etablierung einer Demontagefabrik im urbanen Raum
  4. Der Bau einer zentralen Phosphor-Recyclinganlage
  5. Die Entwicklung der effizientesten Rohstoff-Mine der Welt

Umweltminister Franz Untersteller bezeichnete die Ideen als differenziert und spannend. Damit würden wesentliche Aspekte einer modernen Ressourcenpolitik abgedeckt: „Förderung und Wiedergewinnung von Rohstoffen auf der einen Seite, sowie Innovation und technologische Entwicklung auf der anderen Seite sind Bereiche, in denen wir arbeiten müssen, um unsere Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu verringern sowie Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Der Weg dahin – ohne unsere leistungsfähige Wirtschaft zu gefährden – ist sehr ambitioniert. Die fünf Projekte ergänzen hervorragend die von uns bereits begonnen Aktivitäten.“

Nach Möglichkeit, so der Umweltminister, würden die Projekte Teil der umfassenden Landesstrategie Ressourceneffizienz: „Ich würde das begrüßen, vorausgesetzt, wir finden die nötigen Partner für die Realisierung dieser Vorschläge.“

Ressourceneffizienz, so der Minister weiter, sei keine Herausforderung allein für die Landesregierung. Sie liege im Interesse von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und müsse deshalb auch von allen Partnern gleichermaßen bearbeitet und vorangetrieben werden. „Mit der Landesstrategie Ressourceneffizienz wollen wir Ziele und Schwerpunkte setzen und die Aktivitäten aller Akteure zusammenführen. Deshalb haben wir letztes Jahr die „Akteursplattform Ressourceneffizienz“ gegründet, bei der etwa 120 Akteure aus unterschiedlichsten Bereichen ihre Vorstellungen in die Landesstrategie einbringen können.“

Die heute präsentierte Studie hatte das Umweltministerium beim Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Auftrag gegeben. Beteiligt waren Prof. Dr. Martin Faulstich von der Technischen Universität Clausthal, Dr. Matthias Franke vom Fraunhofer-Institut und Prof. Dr. Martin Kranert von der Universität Stuttgart.

Weitere Informationen

Der Think Tank Industriepolitik und Ressourceneffizienz Baden-Württemberg ist gedacht als ein von mehreren Partnern getragenes Projekt, das anteilig finanziert wird. Der Think Tank soll dazu beitragen gesellschaftspolitische und volkswirtschaftliche Interessen sowie industrie- und ressourcenpolitische Ziele zusammenzuführen. Er soll in Form einer außeruniversitären Forschungseinrichtung Industrie und Politik strategisch beraten.

Der Forschungs- und Entwicklungsverbund Ressourceneffizienz soll die branchenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern. Der Studie zufolge eignet sich Baden-Württemberg besonders für einen solchen Verbund, aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur mit zahlreichen global agierenden Unternehmen und einem starken Mittelstand sowie einer breiten Forschungslandschaft. 

Bau einer Demontagefabrik im urbanen Raum – Etwa 70 Prozent der Bevölkerung leben in urbanen Räumen. Dies führt dazu, dass gerade hier auch ein Großteil des werthaltigen High-Tech-Abfalls anfällt, insbesondere auch Hochtechnologiemetalle aus Elektro- und Elektronikaltgeräten. In einer Demontagefabrik könnten neue und bessere Erfassungs- und Aufbereitungsprozesse entwickelt und erprobt werden. 

Bau einer zentralen Phosphor-Recyclinganlage – Phosphor ist ein essenzieller Rohstoff, der nicht zu ersetzen ist. Eine Phosphor-Recyclinganlage könnte das Land Baden-Württemberg von Importen unabhängiger machen und die Versorgung mit dem lebenswichtigen Rohstoff langfristig sichern helfen.

Auf diesem Gebiet ist Baden-Württemberg bundesweit bereits in einer Vorreiterrolle. Eine Pilotanlage steht zum Beispiel in Offenburg.

Entwicklung der effizientesten Rohstoff-Mine der Welt – Die Gewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen ist mit erheblichen ökologischen und sozialen Auswirkungen verbunden. Die Gewinnung, Aufbereitung und Veredelung von Rohstoffen beruht auf komplexen verfahrenstechnischen Prozessketten. Baden-württembergische Unternehmen mit ihrem Knowhow und ihrer Innovationskraft könnten an der Optimierung dieser Prozesse arbeiten. Vor diesem Hintergrund erachtet die Studie eine Gemeinschaftsinitiative von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung für erstrebenswert, deren Arbeit eine möglichst effiziente Rohstoffgewinnung zum Ziel hat: die effizienteste Rohstoff-Mine der Welt mit Knowhow und Technologie aus Baden-Württemberg.

Die Landesstrategie Ressourceneffizienz soll bis Ende 2015 vorgelegt werden und verfolgt drei Ziele:

  1. Das wirtschaftliche Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, unter Beibehaltung der Wirtschaftsstruktur und des hohen Anteils an produzierendem Gewerbe.
  2. Das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie – Verdoppelung der Rohstoffproduktivität von 1994 bis 2020 – zu unterstützen und geeignetere Indikatoren zur Steuerung der Ressourceneffizienz zu entwickeln.
  3. Baden-Württemberg zum Leitmarkt und zum Leitanbieter von Ressourceneffizienztechnologien zu entwickeln. Baden-Württemberg soll eine der ressourceneffizientesten Regionen werden.

Als Arbeitsschwerpunkte wurden fünf thematische Bereiche festgelegt, die in der Akteursplattform vertieft werden:

  1. Innovationen und Technologieentwicklung
  2. Material- und Energieeffizienz in Unternehmen
  3. Indikatoren, Messgrößen und Ziele
  4. Ressourceneffiziente Rohstoffgewinnung und Rohstoffversorgung der Wirtschaft
  5. Kreislaufwirtschaft und Produktdesign

 

Weitere Meldungen

Minister Peter Hauk MdL
  • Landwirtschaft

Sonder-Agrarministerkonferenz fordert Bürokratieabbau

Wort-Bild-Logo der Kampagne Start-up BW. (Bild: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg)
  • Start-Up BW

Sechs Finanzierungszusagen für junge Unternehmen

Die Energieministerinnen und Energieminister, die Energiesenatorinnen und der Energiesenator der 16 Bundesländer trafen sich mit dem Bund zur Energieministerkonferenz (EnMK) in Kiel.
  • Energie

Energieministerkonferenz in Kiel

Blieskastel-Hochwasser in Rheinland-Pfalz und dem Saarland
  • Hochwasser

Hochwasserlage im Saarland

Zu sehen sind: Vorsitzende der Geschäftsführung der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, Dr. Alexander Pischon; Minister für Verkehr Baden-Württemberg Winfried Hermann; VBK-Geschäftsführer Christian Höglmeier
  • Schienenverkehr

101 Millionen Euro für neue Stadtbahnzüge

Kripo Rottweil Außenansicht des Gebäudes
  • Vermögen und Bau

Erweiterungsbau für Kriminal­polizeidirektion Rottweil

Staatsanwaltschaft Hechingen Gebäude Außenansicht
  • Vermögen und Bau

Generalsaniertes Gebäude für Staatsanwaltschaft Hechingen

Arlinger Tunnel und die zugehörigen Solarzellen
  • Verkehr

Arlinger Tunnel nimmt Probebetrieb auf

Holzbaupreis 2022: Kirchturm mit Aussichtsplattform in Gutach im Breisgau
  • Forst

Holzbau-Fachkongress Friedrichshafen

Logo des Innovationspreises  Bioökonomie Baden-Württemberg
  • Bioökonomie

Fünfter Ideenwettbewerb Bioökonomie gestartet

Die Aufnahme zeigt das Atomkraftwerk in Fessenheim in Frankreich.
  • Kernkraft

Stellungnahme zu KKW Fessenheim

Solar-Carport mit Ladeinfrastruktur in Rheinfelden der Fa. Energiedienst AG, Förderprojekt INPUT
  • Erneuerbare Energien

Weitere Photovoltaik-Anlagen auf Parkplätzen gefördert

Team Wald
  • Forst

Zukunft des Forstberufs

Nadelbäume ragen bei Seebach am Ruhestein in den Himmel. (Bild: picture alliance/Uli Deck/dpa)
  • Forst

Internationaler Tag des Baumes

Gruppenbild vor dem baden-württembergischen Gemeinschaftsstand auf der Hannover Messe 2024
  • Wirtschaft

Kretschmann besucht Hannover Messe

Autos fahren in Stuttgart (Foto: © dpa)
  • Verkehr

Statt Fahrverbote wirksame Maßnahmen für weniger CO2-Ausstoß

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) und der lombardische Staatssekretär für internationale Angelegenheiten Raffaele Cattaneo (rechts)
  • Europa

Land übergibt Präsidentschaft der „Vier Motoren für Europa“

Im Energiepark Mainz ist der verdichtete grüne Wasserstoff aus einem Elektrolyseur in Tanks gelagert.
  • Wasserstoff

Ausgestaltung des Wasserstoffkernnetzes

Die Kabinettsmitglieder sitzen am Kabinettstisch der Villa Reitzenstein.
  • Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 9. April 2024

Ministerpräsident Winfried Kretschmann
  • Kreisbesuch

Kretschmann besucht Landkreis Böblingen

Die Außenaufnahme zeigt die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Raum Offenburg bei Griesheim
  • Wasserwirtschaft

174,4 Millionen Euro für kommunale Wasserwirtschaft

Felsbrocken liegen in Braunsbach auf einer Baustelle. (Bild: Marijan Murat / dpa)
  • Stadtentwicklung

„Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ weiterentwickelt

Ein Windrad ist auf der Holzschlägermatte bei Freiburg zu sehen.
  • Bürokratieabbau

Erste Erfahrungen mit Praxis-Check zur Windkraft

Die Aufnahme zeigt das Atomkraftwerk in Fessenheim in Frankreich.
  • Kernkraftwerk Fessenheim

Öffentlichkeitsbeteiligung zur Stilllegung von KKW Fessenheim

Nadelbäume ragen bei Seebach am Ruhestein in den Himmel. (Bild: picture alliance/Uli Deck/dpa)
  • Forst

Internationaler Tag des Waldes 2024