Schule

Unterrichtsversorgung ganz oben auf der Prioritätenliste

Schüler einer Grundschule melden sich im Unterricht (Bild: © dpa).

Das Thema Unterrichtsversorgung steht auf der Prioritätenliste der Landesregierung ganz oben. Das sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann bei einer Debatte im Landtag. Das Land setze an vielen Stellen an, um die Situation an den Schulen zu verbessern.

„Das Thema Unterrichtsversorgung steht auf der Prioritätenliste der Landesregierung ganz oben. Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um die Situation an den Schulen zu verbessern und die bestehenden Engpässe bei der Lehrergewinnung zu bekämpfen“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die Ministerin forderte in der Debatte im Landtag eine sachliche und an der Realität orientierte Diskussion: „Wir alle wissen, dass die aktuellen Engpässe bei den Grundschulen und in der Sonderpädagogik vor allem dadurch verursacht sind, dass der Lehrermarkt schlicht leergefegt ist. Ganz offensichtlich wurde bereits vor Jahren versäumt, vorausschauend zu planen und entsprechend die Ausbildungskapazitäten für den pädagogischen Nachwuchs zu erhöhen. Was uns nun einholt, sind die Folgen mangelhafter Planung. Panikmache seitens derjenigen, die es versäumt haben, rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, hilft uns nicht weiter“, so Eisenmann. Ein drastisches Beispiel für versäumte Planungen ist die Verlängerung der Studienzeit des neuen Grundschullehramts ab dem Wintersemester 2011/12, die dazu führte, dass im vergangenen Jahr 400 Neubewerber weniger auf den Arbeitsmarkt kamen als üblich. Auf diesen einmaligen Effekt wurde nicht vorausschauend reagiert, genauso wenig wie auf die hohe Pensionierungswelle und den daraus resultieren Ersatzbedarf, der ebenfalls bereits vor einigen Jahren geplant hätten werden können und müssen.

Studienplätze für Grundschulen deutlich erhöht

In der vergangenen Legislatur sind zwar die Weichen beispielsweise für den Ausbau bei der Inklusion, beim Ganztag und bei der Stundentafel für die Grundschulen gestellt worden. Allerdings hat die damalige Landesregierung keine Vorsorge dafür getroffen, dass genügend Lehrerinnen und Lehrer für diese Maßnahmen zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang sei es bemerkenswert, so Eisenmann, dass die Bedarfszahlen für das Grundschullehramt von 2011 bis 2016 von 1.450 auf knapp 1.000 Studienanfängerplätze um ein Drittel reduziert wurden. „Das haben wir jetzt korrigiert. Wir haben den Abbaupfad von Lehrerstellen beendet, weil die Schülerzahlen langfristig eben nicht zurückgehen, und die Anzahl an Studienplätzen für die Grundschulen deutlich nach oben korrigiert. Natürlich zeigt dies nicht von heute auf morgen Wirkung“, sagt die Ministerin.

Maßnahmenpaket zeigt Wirkung

Damit trotz des Bewerbermangels bei den Grundschulen und der Sonderpädagogik die Unterrichtsversorgung verbessert werden kann, hat das Kultusministerium bereits im vergangenen Jahr ein Maßnahmenpaket aufgelegt. All diese Maßnahmen werden auch in diesem Jahr umgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel Teilzeiterhöhungen, Versetzungen in Mangelregionen, der Einsatz pensionierter Lehrkräfte und das Angebot an Lehrerinnen und Lehrer mit gymnasialer Lehrbefähigung, sich für das Grundschullehramt zu qualifizieren. Darüber hinaus wurden die Abläufe beim Einstellungsverfahren flexibilisiert. Schulen in ländlichen Regionen können bereits bis zu zehn Monate vor Beginn des Schuljahres Verträge abschließen.

„Das Maßnahmenpaket zeigt Wirkung. Das Grundproblem der fehlenden Bewerber aufgrund nicht ausreichender Planung können wir damit aber leider nicht kurzfristig lösen“, so Eisenmann. Weil Lehrerinnen und Lehrer bereit waren, ihre Stundenzahl aufzustocken, und viele Pensionäre schnell und unbürokratisch in die Bresche gesprungen sind, sei es in weiten Teilen gelungen, dem Mangel wirksam zu begegnen. Im aktuellen Schuljahr 2017/18 sind circa 500 Pensionäre an den Schulen im Einsatz. Dazu kommen 300 Lehrkräfte, die ihre Dienstzeit über ihre Altersgrenze hinaus verlängert haben. 650 Lehrkräfte haben ihre Stundenanzahl erhöht.

Schon jetzt fast 170 Bewerber mit gymnasialem Lehramt für Grundschulen

Im vorgezogenen Einstellungsverfahren für Schulen im ländlichen Raum haben sich mehr als 350 Bewerber des Lehramts Grundschule sowie knapp 170 Bewerber mit gymnasialem Lehramt auf Stellenausschreibungen gemeldet. Im Vergleich mit dem Vorjahr entspricht dies einer Verdopplung. Im neuen Schuljahr 2018/19 werden insgesamt 1.600 Stellen an den Grundschulen frei. Dieser Stellenanzahl stehen 1.100 Bewerber mit einer Lehrbefähigung für die Grundschule gegenüber. Um dem Mangel von 500 Stellen zum neuen Schuljahr zu begegnen, hat das Kultusministerium das Konzept zur Einstellung von Gymnasiallehrern an Grundschulen überarbeitet und zusätzliche Anreize wie etwa einer späteren Einstellungszusage geschaffen. „Die intensive Werbung direkt an den Seminaren für dieses Angebot und das persönliche Schreiben machen sich ebenfalls bereits bemerkbar“, so die Ministerin.

Sonderpädagogisches Aufbaustudium für Haupt- und Werkrealschullehrer

Der höhere Bedarf an Sonderpädagogen soll mittelfristig auch durch das Weiterqualifizierungsprogramm für Haupt- und Werkrealschullehrer abgefedert werden. Im kommenden Wintersemester 2018/19 startet hierzu ein Aufbaustudium, das sich an Lehrkräfte richtet, die künftig für einen Einsatz an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) vorgesehen sind. Das Studium umfasst sonderpädagogische Grundlagen, die erste und zweite sonderpädagogische Fachrichtung sowie schulpraktische Studien und soll in vier Durchläufen mit jeweils 100 Teilnehmern für insgesamt 400 Lehrkräfte angeboten werden (ab 2018/19 bis 2021/22).

Verlässliche Datenbasis bei Unterrichtsausfall geplant

Um in Zukunft vorausschauend planen zu können und auch bei Unterrichtsausfällen passgenauer reagieren zu können, wird das Kultusministerium künftig auch schulscharf – das heißt an allen öffentlichen Schulen im Land – die Unterrichtssituation erfassen. Die Ministerin kündigt an, bereits in diesem Jahr ergänzend zur Novemberstichprobe eine Vollerhebung durchzuführen. „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich bereits frühere Landesregierungen mit dieser Thematik auseinandergesetzt hätten“, so Eisenmann.

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